Michael Menke

Heterogene Lernergruppen in Nicht-Sprachkursen


Das Hauptthema dieses Heftes „heterogene Lernergruppen“ bezieht sich vor allem auf Sprachkurse für Deutsch. Jedoch belegen unsere Studenten natürlich auch andere Unterrichtsveranstaltungen, die Bereiche wie Landeskunde, Geschichte oder Literatur abdecken. Ich möchte hier einen meiner „anderen“ Kurse vorstellen, in dem es um kulturelle und politische Beziehungen zwischen den D-A-CH-Ländern  und Korea geht.

Gegenstand des Kurses sind allgemeine Themen, wie z.B. „Beziehungen Nordkorea – DDR“, „koreanische Krankenschwestern in Deutschland“, Deutsche in Namhae“, die in der Regel mit Videos eingeführt und dann diskutiert werden, oder die Vorstellung kultureller oder politischer Institutionen aus Deutschland, Österreich oder Schweiz, die in Süd-Korea aktiv sind bzw. deren einzelne Vertreter. So besuchen wir an einem Termin das Goethe-Institut in Seoul, an anderen Tagen empfangen wir Gäste von den deutschsprachigen Botschaften, politischen Stiftungen, von religiösen Einrichtungen mit deutschem Hintergrund oder vom DAAD. Der Zweck des Kurses ist es zunächst, den Studenten Information zu vermitteln, aber auch aktive Kommunikation innerhalb (und bei Aufgaben außerhalb) des Unterrichts ist ein wesentlicher Bestandteil.

Die Studenten müssen sich selbst mit aktiver Beteiligung am Unterricht in den Kurs einbringen. Einbringen heißt in diesem Fall, mit den Gästen zu reden oder ihnen Fragen zu stellen, und dann natürlich die Antworten möglichst zu verstehen. Weiterhin muss am Ende des Kurses einzeln oder im Team eine Präsentation erstellt werden über ein bestimmtes Thema aus der Lehrveranstaltung.

Teilnehmer dieses Kurses sind Studenten vom 2. bis zum 4. Studienjahr, teilweise auch Studenten, die aus anderen Fachbereichen kommen und Deutsch als Nebenfach belegt haben.

Die Deutschkenntnisse im Kurs sind völlig unterschiedlich, zwischen A2 und B2. Meine erste Notlösung zu diesem Kurs war: Wer Deutsch sprechen kann, soll das tun. Wer nicht „kommunikationsfähig“ ist, kann sich mit Englisch behelfen, muss aber immer versuchen möglichst auf Deutsch umzuschalten. Auch ich selbst leite den Kurs weitgehend auf Deutsch, aber bei Fragen oder Nichtverständnis versuche ich es mit Englisch (nicht Koreanisch, denn die Studenten sollen ja lernen in einer Fremdsprache zu kommunizieren). Das ergab natürlich erst mal ein sprachliches Durcheinander, im Laufe des Semesters konnte man aber erkennen, wie hilfreich es oft für (deutsch-)schwächere Studenten war, wenn etwas auf Englisch erklärt wurde. Gerade die Ähnlichkeit der beiden Sprachen verhalf danach immer wieder im weiteren Verlauf zum Einsatz von Deutsch, auch wenn das Niveau nur begrenzt war.

Kommunikation innerhalb des Unterrichts ist also der eine Bereich (der auch für die Notengebung relevant ist). Um allen gerecht zu werden, benote ich hier nach einem simplen Schlüssel:

- sagt viel
- sagt wenig
- sagt oder fragt nichts

 und nach einem anderen Schlüssel:

- Frage kommt aus dem eigenen Interesse und wurde frei gestellt
- Frage kommt aus dem eigenen Interesse und wurde auswendig gelernt
- Frage wurde aus irgendeiner Quelle abgeschrieben und auswendig gelernt.

Ob ein Student weiß, was er fragt und ob er die Antwort auch versteht, sieht man in der Regel aus seinen Reaktionen auf die Antwor

Der wichtigste notenrelevante Teil ist eine Präsentation am Ende des Semesters. Als Thema hat sich hier bewährt: „Besuchen Sie ein Geschäft oder Restaurant in Seoul oder Incheon mit deutschem/österreichischen/schweizerischen Hintergrund und erstellen darüber eine Präsentation“. Auch hier gilt der Grundsatz, möglichst den Vortrag auf Deutsch zu halten. Wichtig ist nicht sprachliche Geschliffenheit (die bei einem Großteil der Teilnehmer noch nicht vorhanden sein kann), sondern die Interessantheit des vorgestellten Objektes. Nicht nur ich als Kursleiter bewerte diese Präsentationen, sonder lasse auch alle anderen Studenten einen Fragebogen mit Bewertung des Vortrags ausfüllen.

Die Präsentationen sind völlig unterschiedlich gestaltet, manche Studenten stellen mit Powerpoint-Slides ein Restaurant vor, wie hier z.B. einen deutschen Bäcker in Seoul:

Andere Studenten verlegen sich eher auf Fotos oder die Wiedergabe von Webseiten, die dann aber entsprechend selbst kommentiert werden müssen:

 

Am schöpferischsten sind wohl diejenigen, die Videos von ihrem Besuch anfertigen, selbst schneiden und auf Deutsch (manchmal auch auf Englisch oder Koreanisch) untertiteln:

Besuch beim deutschen Bäcker Michael Richter in Seoul

Restaurant „Curry Wurst“, betrieben von einem Koreaner, der in Deutschland Operngesang studiert hat

Die Ziele des Kurses sind folgende:

Informationen bekommen über deutsch-koreanische Beziehungen, politischer oder kultureller Art.

Informationen bekommen über Organisationen der D-A-CH-Länder in Korea

Kontakt mit Personen dieser Organisationen aufnehmen

Übung von direkt angewandter Kommunikation in einer Fremdsprache, möglichst auf Deutsch, aber auch auf Englisch möglich. Dabei ist es weniger wichtig, wie gut oder schlecht man kommuniziert, sondern ob überhaupt ein Gedankenaustausch zustande kommt.

Benotung im Kurs:

Die Studenten werden nicht nach ihren konkreten sprachlichen Fähigkeiten bewertet, sondern nach dem Grad der Interessantheit und Relevanz ihrer Fragen und anderen Beiträge. Gleiches gilt für die Präsentationen. Auch hier ist der Schwerpunkt: Ist der Vortrag interessant, bringt er den anderen Studenten neue Kenntnisse, sind die Studenten beim Vortrag interessiert (auch durch Fotos, Videos etc.)

 Webseite meines Kurses: http://dachkorea.blogspot.kr/


Copyright © 2016 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 43

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