Tobias Lehmann

Bericht über die Teilnahme am Frühjahrstreffen der japanischen Ortslektoren am 27. Mai in Tokio


Ich habe an der Veranstaltung teilgenommen, um einen Einblick in die Arbeit der japanischen Ortslektoren zu bekommen. Vor allem die Vor- und Nachteile, die Herausforderungen und die Problemstellungen im DaF-Unterricht im Vergleich zu Südkorea haben mich zur Teilnahme bewogen. Mit meinem Vortrag wollte ich eine Diskussion über erfolgreichen DaF-Unterricht an Oberschulen in Ostasien anregen und selbst von den Ergebnissen der Diskussion profitieren.

Da Japan aufgrund der geographischen Nähe, der soziokulturellen Gemeinsamkeiten sowie der historisch engen Beziehung ein ähnliches Bildungs- und Universitätssystem wie Südkorea hat, hat mich der Austausch mit den japanischen Kollegen schon seit langem interessiert. Im letzten Jahr habe ich während des DAAD-Sommerseminars für Ortslektoren einige Bekanntschaften mit Lektoren aus Japan schließen können. Sie haben mich auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht, einmal in Tokio einen Vortrag zu halten. Daraufhin habe ich mich beim DAAD-Verbindungslektor in Seoul informiert und mich schließlich beim DAAD beworben. Darüber hinaus wollte ich mein soziales Lektorennetzwerk erweitern, um davon insoweit zu profitieren, als dass ich die neuen Methoden(er)kenntnisse über den DaF-Unterricht in Japan nach Korea transportieren und die Ortslektoren in Korea beim nächsten Lektorentreffen informieren kann.

Die Veranstaltung wurde von der DAAD-Außenstelle in Tokio organisiert. Im Mittelpunkt standen die Vorträge von Florian Rossbach, DAAD-Lektor in Peking, der über interkulturelle Kernkompetenzen und deren Realisierung im zielsprachenfernen Ausland referiert hat und spielerische Methoden der Gruppenarbeit interaktiv im Rahmen eines Kartenspiels vorgestellt hat. Über die Vorträge hinaus hat mir gefallen, wie dieser heterogene Verbund von Ortslektoren miteinander kommuniziert und interagiert sowie kontrovers die verschiedensten Herausforderungen, wie zum Beispiel die Gründung eines Lektorenverbands, diskutiert hat. Hierzu konnte ich mich äußern und einbringen, weil es bereits seit Jahren einen gut funktionierenden Lektorenverband in Korea gibt.

Ich habe von dem Vortrag von Florian Rossbach viele Erkenntnisse über die interkulturelle Arbeit mit ostasiatischen Studenten gewinnen können. Zudem habe ich viel über die Struktur und Organisationsweise der Germanistik an japanischen Universitäten lernen können. Vor allem mögliche Reformen für das Curriculum der Germanistik in Korea haben mich interessiert. Außerdem haben wir mit den japanischen Ortslektoren viel über Partner- und Gruppenarbeit diskutiert. Binnendifferenzierung und Zuordnung von Studenten unterschiedlicher Jahrgänge standen im Mittelpunkt. Die zentrale Frage, die auch Thema meines eigenen Vortrages war, nämlich was erfolgreicher Deutschunterricht bedeutet, stand auch in den Pausen und im Nachgespräch immer wieder zur Debatte.

Im Rahmen meines Vortrags habe ich eine Studie über erfolgreichen Deutsch-Unterricht aus Sicht koreanischer und muttersprachlicher Deutschlehrer vorgestellt. Ich habe über die Situation des Deutschunterrichts vornehmlich an koreanischen Oberschulen gesprochen und die Veränderungen der Schülerzahlen und verfügbaren Unterrichtsstunden sowie die Herausforderungen und Probleme anhand von Statistiken analysiert. Vor allem der Rückgang von Deutsch lernenden Schülern und Deutsch unterrichtenden Lehrern an Oberschulen ist mit Japan vergleichbar. Viele Aha-Effekte wurden während des Vortrags bei den Kollegen hervorgerufen. Vor allem haben wir über die Bedeutung des Frontalunterrichts vs. Partner- und Gruppenarbeit diskutiert. Zudem haben wir herausgestellt, wie wir mit heterogenen Lerngruppen in großen Kursverbänden angemessener umgehen können und welche Bedeutung die Binnendifferenzierung für den Deutschunterricht hat. Allerdings blieb offen, wie wir in Zukunft dem Rückgang der Studentenzahlen begegnen und wie die Germanistik im Zeitalter der Kultur- und Bildungsglobalisierung ihre Position lokalisiert und ihre Stellung innerhalb der Geisteswissenschaften behaupten kann.

Zu meiner Freude haben sich einige japanische Lektoren erkundigt, ob und wie sie in Korea beim Lektorentreffen teilnehmen und einen Vortrag halten können. Ich habe auf diese Möglichkeit explizit aufmerksam gemacht, um mehr Kooperationen zu schließen. Zudem ist in Japan die Bildung eines Lektorenverbands parallel zur DAAD-Außenstelle angedacht. Ich habe über die Arbeit des Lektorenverbands in Südkorea informiert und wurde im Anschluss beim Abendessen konsultiert. Es wird darüber nachgedacht, zusammen mit den taiwanesischen Kollegen ein trinationales Zusammentreffen der Ortslektoren zu organisieren. Gerade die interkulturelle Arbeit mit den Studenten könnte bei so einem Treffen befruchtend analysiert und diskutiert werden, wofür sich Perspektiven für die weitere Zusammenarbeit ergeben könnten. Darüber hinaus könnte ich mir auch den Austausch von Lektoren über den ostasiatischen Kulturkreis hinaus vorstellen.

Insgesamt hat mich die freundliche, erfrischende und stets respektvolle Kollegialität der Ortslektoren in Japan beeindruckt. Obwohl das Treffen eine sehr heterogene Zusammenkunft von Lektoren unterschiedlichster Lebensläufe und Hintergründe war, haben sich alle bemüht, kommunikativ, diskussionsfreudig und befruchtend miteinander umzugehen. Auch über die Tagung hinaus haben wir am Wochenende und zuvor am Donnerstag viel miteinander unternommen. Beim Abendessen am Freitag im Anschluss an die Tagung haben sich viele interessante Konversationen ergeben, die Raum für mehr Zusammenarbeit zulassen könnten.


Copyright © 2016 by Tobias Lehmann


DaF-Szene Korea Nr. 43

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