Reinhold Rauh

Das koreanische „Sahak-Yongum“- oder „Teacher´s Pension“-System


Deutsche, die privat oder im staatlichen Auftrag im Ausland tätig sind, belieben ihre Tätigkeiten gerne mit Verweisen auf deutsche Marken zu untermauern, auch wenn sie selbst keinerlei Verbindung zu „Mercedes“, „Adidas“, „Siemens“, „Bayern München“, „Allianz“, oder „Volkswagen“ haben. Die letztgenannte Marke ist nun schon einmal vom Tableau. Eine deutsche Marke taucht nie auf, obwohl sie am grundlegendsten die gesamte Welt revolutioniert hat. Seit 1889, als z.B. in Japan die unnützen Alten noch zum Sterben ins verschneite Hochgebirge gebracht wurden, gibt es die deutsche „Altersversicherung“, noch von Bismarck in Konkurrenz zu den Sozialisten durchgesetzt und stilbildend für alle diesbezüglichen internationalen Gesetzgebungen.

In Korea ist sie nach mittlerweile 126 Jahren leider immer noch nicht ganz angekommen. Dies sollte insbesondere Deutschen, die an koreanischen Universitäten unterrichten, bewusst sein.

Seit 2001 sind in Korea die meisten an Universitäten unterrichtenden Ausländer ohne Angaben von Gründen verpflichtet worden, mit ihrer Rentenversicherung von der allgemein vorherrschenden Kookmin-Versicherung, auch National Pension (=NP) genannt, in die Sahak-Versicherung, auch Teacher´s Pension (=TP) genannt, zu wechseln. Wer zum damaligen Zeitpunkt an koreanischen Universitäten tätig war, kann sich erinnern, dass die damalige Umstellung eine angenehm empfundene, vorzeitige Auszahlung aus den Einlagen im Kookmin-System darstellte.

Was vermutlich die wenigsten wissen, ist, dass damit das im Jahr 2000 verabschiedete deutsch-koreanische Sozialversicherungs-Abkommen unterlaufen wurde.

Entsprechend diesem Sozialversicherungs-Abkommen (vgl. Deutsche Rentenversicherung (Hrsg.): Arbeiten in Deutschland und in der Republik Korea, Nr.764, Berlin 2013) wurde es nämlich für Deutsche wie für Koreaner möglich, sich die Versicherungs-Zeiten, die sie in der eigenen Heimat erzielt hatten, auf die Zeiten anzurechnen, die sie im Ausland tätig waren. Insbesondere für koreanische Krankenschwestern, die in diesen Monaten und Jahren zu Hunderten und Tausenden wieder nach Korea zurückkehren, ist dieses Abkommen eine Basis, um in ihrem wohlverdienten Ruhestand finanziell abgesichert leben zu können.

Für Deutsche, die an koreanischen Universitäten tätig sind, gilt dies nicht, da das Sahak-System von sich behauptet, vergleichbar Mirae Asset oder Allianz, eine rein private Organisation zu sein, obwohl sie in Staatsbesitz ist. Im Gegensatz zu Kookmin fühlt man sich nicht an das Sozialabkommen gebunden. Zudem konnte man bisher (!) im Sahak-System nur nach 20-jähriger Beitragszeit Rente beantragen, während im Kookmin-System seit je eine 10-jährige Beitragszeit vorgesehen war.

So war es bisher, also bis zur Fertigstellung dieser Zeilen.

Nach Auskunft des Sahak-Hauptquartiers, das seit neuestem im Rahmen der Umsiedlung staatstragender Organisationen (von Seoul) in Naju (Chollanamdo) beheimatet ist, soll es Ende 2015 oder Anfang 2016 eine neue Regelung geben, die nur noch eine 10-jährige Beitragszeit vorsieht. Diese neue Regelung soll in der genannten Zeit vom koreanischen Parlament beschlossen werden.

Damit tritt für alle in Korea im Unterrichtsbereich tätigen Ausländer eine entscheidende Besserung ein.

Allerdings ist dabei zu bedenken, dass Renten (koreanisch: Yongum; englisch: pension) im Vergleich zu Deutschland (in Deutschland liegt die Rente bei etwa 46% des letzten Brutto-Verdiensts bei allerdings über 40jähriger Beitragszeit und einem Beitragssatz von 18,7% des Bruttoverdienstes), wo insbesondere die Wenigverdiener auch nicht auf Rosen gebettet sind, in Korea traditionsgemäß sehr bescheiden ausfallen. Man kann in etwa mit einem Drittel des letzten Nettolohns oder einem Viertel des Bruttolohns rechnen, was sich allerdings bei einer langen, weit über 20 Jahre hinausgehenden Beitragszeit steigern lassen sollte. Dies hat zum einen damit zu tun, dass auch die Grundbeiträge der Versicherten sehr gering sind. Zum anderen wird in Korea versucht, anders als in Deutschland und entsprechend dem US-amerikanischen System, mit Risiko aus Wertpapieren, Fonds-Beteiligungen oder Immobilien-Spekulationen zusätzlichen Gewinn zu erwirtschaften – was bei den immer öfter auftretenden Finanzkatastrophen auch zu gewaltigen Verlusten führen kann.

Eine andere Möglichkeit, die der koreanische Gesetzgeber vorsieht, ist die einmalige Auszahlung einer Geldsumme entsprechend dem amerikanischen „lump-sum“-System.

Zu den Bedingungen kann man bisher (!) auf der englischsprachigen Version der tp-Internetseite (http://www.tp.or.kr:8088/tp/ENG/pension/pension_faq.jsp#a1)

folgendes lesen:

The lump-sum retirement grant is paid to a retired person whose life-long career is less than 20 years.

Service Period
Less than 5 years

standard monthly income × the number of service period months/12 × 78/100

Service Period
Over 5 years
(and less than 20 years)

(standard monthly income × the number of service period months/12 × 975/1,000) + {standard monthly income ×the number of service period months/12 ×(the period of one's service - 60)/12 × 65/10,000}

Retirement Allowance

The retirement allowance is paid to a retired or deceased person whose service length is greater than 1 year (paid separately from a retirement benefit).

Standard Monthly Income × the
number of service period months/12 ×Retirement Allowance Payment Ratio

Over Less

Retirement
Allowance
Payment Ratio

1 yr - 5 yrs

6.5%

5 yrs - 10 yrs

22.75%

10 yrs - 15 yrs

29.25%

15 yrs - 20 yrs

32.50%

20 yrs -

39.00%

Zu beachten ist, dass hier (Stand:12.11.2015) noch von einer 1-20-jährigen Beitrags-Zahlung die Rede ist, was vermutlich in den nächsten Monaten geändert wird. Zu beachten ist auch, dass die oben zitierten Berechnungsformeln in der „FAQ“-Rubrik unter folgender Überschrift stehen:

„My retirement benefits is less than I expected. How it can be calculated?“

Die finanziellen Erwartungen können also getrost weit heruntergeschraubt werden. Man kann sich die komplizierte individuelle Berechnung nach oben genanntem Schlüssel auch ersparen, wobei „Standard Monthly Income“ etwa einem Zwölftel des Brutto-Jahres-Verdiensts entspricht. Die diversen Zweigstellen von Sahak-Yongum und ebenso die zuständigen Stellen an Universitäten und Schulen sind behilflich, die in Aussicht stehende Abfindung auszurechnen. Es empfiehlt sich dann auf jeden Fall, die Abfindungssumme mit den eingezahlten Beträgen zu vergleichen.

Dass man weniger bekommt als erwartet, hat vor allem mit folgendem zu tun: Wie in Deutschland zahlen auch in Korea Versicherter und Arbeitgeber jeweils 50% zur Gesamtversicherung ein. Im Fall einer einmaligen Auszahlung wird aber der Arbeitgeber-Anteil nicht ausgezahlt. Nach Angaben von Zuständigen von Sahak ist der Arbeitgeber-Anteil nur dafür gedacht, eine fortgehende Rentenzahlung zu garantieren. Wer also statt für eine Rente für eine einmalige Auszahlung optiert, wird vermutlich mit größeren Enttäuschungen konfrontiert werden. Ebenso sollten auch diejenigen, die keine zehn Jahre in Korea gearbeitet und den Aufenthalt hier nur als Zwischenschritt ihrer Karriere eingeplant haben, ihre finanziellen Erwartungen niedrig halten. Wer mit voraussichtlich weniger als zehnjähriger Beitragszeit in Korea und längeren Beitragszeiten in Deutschland dennoch eine Rente in Anspruch nehmen will, sollte das Kookmin-System in Betracht ziehen, falls es überhaupt zur Wahl steht.

Anders als in Deutschland setzt sich die zuständige Behörde mit den Versicherten nur äußerst selten in Verbindung. Wer also mehr Sicherheit für seine finanzielle Zukunft haben will, sollte sich direkt mit den diversen Zweigstellen von Sahak (siehe: http://www.tp.or.kr:8088/tp/ENG/contactus/contactus_introduction.jsp) in Verbindung setzen und möglichst auf einer englisch-sprachlichen Beratung bestehen. Selbst wer sehr gut Koreanisch spricht, muss möglicherweise sehr schnell vor dem in dieser Behörde üblichen Juristenkoreanisch kapitulieren.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass man sich für seine Lebensplanung keinesfalls allein auf die Sahak-Pension verlassen und anderweitig und privat vorsorgen sollte. Überlegenswert ist auch, in die deutsche Rentenversicherung weiter einzuzahlen, selbst wenn hierfür der Arbeitgeberanteil entfällt.

Zum Abschluss ein Zitat aus der Korea Times vom 14.5.2015, das noch einmal einen Grund für die eher bescheidenen Renten- und Abfindungserwartungen verdeutlicht: „To keep the funds available after 2060, there should be a gradual increase in insurance premiums. Korea ranks the lowest among 34 Organization for Economic Cooperation and Development member countries in terms of insurance premiums for the national pension plan.“ Der Verfasser muss es wissen. Es ist Jun Kwang-Woo, der frühere Vorsitzende der Kookmin-Versicherung. Und was für die Kookmin-Versicherung gilt, gilt erst recht für die Sahak-Versicherung.

Nützliche Hinweise in:

http://www.tp.or.kr:8088/tp/ENG/main/main.jsp

Deutsche Rentenversicherung (Hrsg.): Arbeiten in Deutschland und in der Republik Korea, Nr.764, Berlin 2013

Kostenlos zu beziehen unter:

Deutsche Rentenversicherung Bund. Geschäftsbereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikation

Ruhrstr.2

10704 Berlin

Tel.: 030-865-0


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DaF-Szene Korea Nr. 42

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