Michael Menke

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2015 feierten zwei DaF-Organisationen in Korea ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Am 23. und 24. Mai die Lektoren-Vereinigung Korea (LVK), und am 11. und 12. September die Koreanische Gesellschaft für Deutsch als Fremdsprache (KGDaF).

Das Gründungsjahr 1995 war gekennzeichnet durch große Veränderungen bei den zweiten Fremdsprachen in Korea, diese Umstrukturierung und Reformen waren damals sicherlich Ursachen für einen Zusammenschluss der deutschsprachigen Lektoren und der koreanischen Germanisten und Dafler. Entsprechend waren auch die Themen beider Veranstaltungen einerseits Rückblicke, beschrieben andererseits aber auch Perspektiven für Deutsch als Fremdsprache in Korea.

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Zum Jubiläums-Lektorentreffen der LVK kamen nicht nur Referenten und Gäste aus dem Kreis der Universitäts-LektorInnen, sondern auch Vertreter von anderen Organisationen, die mit dem Thema DaF befasst sind. Nach den Grußworten aus der Deutschen Botschaft und dem Goethe-Institut hielt Michael Menke einen Rückblick auf die Entwicklung von Deutsch in Korea, dass vor 20 Jahren noch auf über eine halbe Million Schüler und Studenten zurückgreifen konnte, derzeit aber nur noch von einigen Tausend gelernt wird.

Prof. Lee Sung-Eun (Seoul National-Universität), sprechend für die Koreanische Gesellschaft für Germanistik (KGG), erläuterte aus seiner eigenen, aber auch der Sicht koreanischer Germanisten die Zukunft des Deutschen in Korea, die derzeit nicht sehr positiv zu sehen ist, aber vielleicht durch die Bemühungen um guten DaF-Unterricht aufgefangen werden kann.

Für die Koreanische Gesellschaft für Deutsch als Fremdsprache (KGDaF) trug Frau Dr. Eun-Mi Hwang einige Gedanken des Vorsitzenden Prof. Dr. Shin, Hyung-Uk (beide HUFS Seoul), vor, mit dem Lösungsansatz „Ausbildung qualifizierter Deutschlehrer: ein Weg zur Wiederbelebung von DaF in Korea“.

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Herr Bae, Yoon-Sung von Siemens-Korea stellte aus seiner Sicht die Situation von Deutsch in der koreanischen Wirtschaft vor. Deutsch sei zwar keine Grundvoraussetzung für eine Tätigkeit, könne einem Mitarbeiter aber in vielen Situationen seiner Arbeit und für seine Kontakte mit Deutschland helfen.

 

Die Deutsche Botschaft Seoul war durch den Kulturattaché Michael Ahrens vertreten, er berichtete über Aktivitäten zur Belebung von Deutsch in Korea, besonders über das „Netzwerk Deutsch“ und die „Tage der deutschen Sprache“, die auch in diesem Jahr wieder stattfanden.

Im Gegensatz zu Schulen und Universitäten hat das Goethe-Institut Korea keine Probleme Schüler und Prüfungsteilnehmer zu finden. Eberhard Weller, Leiter der Sprachabteilung berichtete, dass DaF an den Goethe-Instituten in Korea noch nie so beliebt war wie heute und man hier, ganz anders als an Schulen und Hochschulen, gar nicht alle Anmeldungen berücksichtigen kann.

Frau Dr. Miyoung Lee vom Korea Institute for Curriculum and Evaluation (KICE) erläuterte noch einmal deutlich die Entwicklung der Zahlen und Fakten zu DaF in Korea, und erklärte auch den Hintergrund dazu, dass z.B. die zweiten Fremdsprachen bei der ersten Suneung-Prüfung 1994 nicht Prüfungsteil waren, aber auch nach deren Wiedereingliederung nur noch freiwilliger Bestandteil sind und derzeit von wesentlich einfacheren Testteilen wie Arabisch oder Vietnamesisch verdrängt werden.

Als abschließende Referentin des Tages erläuterte Frau Elke Hanusch vom DAAD in Bonn die Förderung von DaF im Ausland/in Korea. Sie verwies dabei auf die besondere Rolle der OrtslektorInnen, die im Wesentlichen durch die Lektoren-Vereinigung Korea repräsentiert werden. (Dieses Thema wurde am folgenden Sonntag noch einmal in Gesprächen mit den LektorInnen aufgenommen.)

Buffet

Der Abschluss des Tages war das Jubiläums-Buffet, für das uns das Goethe-Institut Seoul dankenswerterweise die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte.

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Nur einige Monate jünger als die LVK ist unsere koreanische Partner-Organisation, die Koreanische Gesellschaft für Deutsch als Fremdsprache (KGDaF). Anlässlich ihres 20jährigen Gründungsjubiläums hielt sie im September ihr 16. Internationales Symposium zum Thema „Lehrkompetenzen für einen erfolgreichen DaF-Unterricht“ ab. Die Leitung hatte Prof. (em.) Dr. Hans-Jürgen Krumm von der Universität Wien, der sicherlich vielen Kollegen von früheren Vorträgen und Besuchen in Korea bekannt ist. Wie das Thema schon andeutet, ging es auf dieser Veranstaltung im Wesentlichen um die Rolle des DaF-Lehrers.

Nach der Eröffnung und Grußworten des deutschen Botschafters Rolf Mafael, des Leiters der Sprachabteilung des Goethe-Instituts Eberhard Weller und der Geschäftsführerin des Internationalen Deutschlehrer-Verbands (IDV) Puneet Kaur aus New Delhi verdeutlichte Hans-Jürgen Krumm das Thema des Symposiums in einem Einführungsvortrag. Puneet Kaur vom Goethe-Institut in New Delhi legte ihren Schwerpunkt auf den Unterricht mit asiatischen Lernergruppen, wobei in der anschließenden Diskussion klar wurde, dass auch der Begriff „asiatisch“ durchaus vielfältig und uneinheitlich ist, denn Lerner in Indien oder China sind anders und haben andere Lerntraditionen als z.B. in Korea. Michael Schart aus Tokio stellte ein eigenes Konzept des Unterrichts vor, in dem der Lehrer eine geringere oder keine Dominanz über seine Studenten ausübt. Das Resultat war demgemäß nicht nur Erfolg beim Lernen, sonder auch viel Spaß, wie man an konkreten Beispielen sehen konnte. Spaß und Erfolg sah man auch beim Abschlussteil des ersten Tages: Zur Preisverleihung des Deutschlehrerwettbewerbs, zu dem deutsche und koreanische Kollegen gemeinsam eine Unterrichtseinheit gestaltet hatten, wurden einige der eingesandten Videobeiträge gezeigt.

Auch der zweite Tag des Symposiums hatte den Schwerpunkt DaF-Unterricht mit Bezug auf die lehrende Person. Die Themen waren „Problem based Learning“ und „Deutsch Lehren Lernen“, das von Axel Grippe vom GI Tokio erläutert wurde. Ein Beitrag aus Japan von Tatsuya Ohta beschäftigte sich mit Fehlerkorrektur und Holger Steidele aus Taiwan erklärte sein „Einmaleins der Lehrkompetenz“, zu dem er seine Erfahrungen aus Korea und Taiwan einbrachte.

Mikyung Lee vom koreanischen Institut für Curriculum und Evaluation (KICE) erläuterte, was aus der Sicht koreanischer Deutschlehrer ein erfolgreicher Unterricht sei, und Mikyung Chu stellte ein praxisorientiertes Modell aus ihrem DaF-Unterricht vor.

Der letzte Teil des Symposiums setzte sich mit Bereichen am Rande des DaF-Unterrichts auseinander, die aber durchaus auch wichtig für die DaF-Forschung sein können. Fujiko Ogasawara aus Tokio erklärte, welche Erfahrungen sie aus dem eigenen Erlernen einer Fremdsprache (Koreanisch) für ihren DaF-Unterricht einsetzen kann, und Gerd Jendraschek aus Seoul berichtete mit vielen Fotos von seiner völkerkundlichen Feldforschung in Papua-Neuguinea, auf der er Sprachen der dortigen Völker gelernt und untersucht hatte, und wie Aspekte aus dieser Forschung in seine DaF-Lehrertätigkeit einfließen.

Neben den fachlichen Vorträgen wurde natürlich nicht der eigentliche Anlass dieser Veranstaltung vergessen, und so kamen Gratulationen zum 20. Jubiläum der KGDaF von vielen Seiten, z.B. auch von Prof. Hermann Funk aus Jena per Videoeinspielung. Außerdem wurde der Abend auch zum Abschied von Eberhard Weller/GI Seoul, so dass reichlich Anlass für ein opulentes Abendbuffet gegeben war.


Copyright © 2015 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 42

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