Frank Kostrzewa

Jugendsprache


1.         Einleitung

Androutsopoulos (1998, 33) betrachtet die Jugendsprache als einen „Soziolekt, der durch verschiedene Gruppen Jugendlicher getragen wird und im Varietätenraum Umgangssprache anzusiedeln ist.“ Die Verwendung der Jugendsprache diene zur sozialen Abgrenzung gegenüber anderen Jugendlichen oder den Erwachsenen. Dennoch dürfe sie (vgl. u.a. Bucher et al. 1985) nicht als ein homogenes Konstrukt verstanden werden, da auch die Jugend als homogene Gruppe nicht existiere. Man könne eher vom Sprechen von Jugendlichen als von der Jugendsprache reden (Bucher et al. 1985, 116).

Henne (1986, 208) betrachtet die jugendlichen Gruppensprachen als „Existenzformen, die jugendliches Lebensgefühl und Bewusstsein aufnehmen, gegen die vorgegebene und von den Erwachsenen geprägte Standardsprache.“ Dennoch setze die Jugendsprache die Existenz dieser Standardsprache voraus. Die Jugendsprache wandele die Standardsprache jedoch schöpferisch ab, stereotypisiere sie und pflege „spezifische Formen ihres sprachlichen Stils“ (Henne 1986, 208).

Die Spezifika jugendsprachlichen Sprachgebrauchs manifestieren sich, linguistisch betrachtet, vorwiegend auf den Ebenen der Lexik und der Morphosyntax. Im Bereich der Lexik sind nach Neuland (2007, 12) jugendsprachliche Besonderheiten insbesondere in den Kategorien Neubildungen, Entlehnungen und Wortfelder feststellbar. Beispiele für Neologismen seien Wortschöpfungen wie Tussi oder Proll. Entlehnungen seien zumeist am anglo-amerikanischen Sprachvorbild orientiert ((un) cool, ausgeflippt, Nullchecker, Durchchecker). In der Kategorie Wortfelder ließen sich Adjektive wie cool, geil, krass oder fett ausmachen, die der Wertung von Gegenständen und Personen dienten.

In die jugendsprachlichen Wortbildungen sind nach Neuland (2007, 12) die Prozesse der Derivation (ab-, rum-, durchhängen, Schlaffi, Prolo), der Kurzformen (Bib, Prof), der Komposition (oberaffengeil) und des Wortklassenwandels (der Bringer, der (Durch-)blicker, (rum)zicken, (dumm) sülzen) involviert. Syntaktische Besonderheiten sind nach Androutsopoulos (1998, 276ff.) die Verwendung von Determinierern (so bzw. so ein: Das Teil ist eher was für so Orchesterfreaks) und Definitartikeln bei Personennamen (Der X war schon immer ein Weichei). Auch die Aufspaltung von Pronominaladverbien (damit vs. da (…) mit: Da kann ich eben mal nix mit anfangen) und die Verwendung von Konjunktionen (weil, obwohl) ohne Verbendstellung (weil, das hat für mich immer was mit Satanismus zu tun) sind typische Merkmale jugendsprachlicher Varietäten.

Jugendsprachliche Satzmuster sind darüber hinaus auch durch einen elliptischen Sprachgebrauch (Aus Konsequenz (.) erstma zum türken nebenan (.) und (.) bier gekauft) und die Verwendung der Verlaufsform am+Infinitiv+sein (rheinische Verlaufsform) gekennzeichnet (X, der gerade am rumtelefonieren wegen des Gigs am nexten Tag war).

2.         Die Verwendung des Diskursmarkers „uallah (.) ich schwöre“ durch jugendliche Sprecher

Dittmar (2009) konnte bei den von ihm im Rahmen der Berliner JuSpiL-Studie untersuchten Jugendlichen ein vermehrtes Auftreten des Diskursmarkers uallah (.) ich schwöre feststellen. Die von ihm durchgeführte Form- und Funktionsanalyse von schwöre(n) und uallah im JuSpiL-Korpus ergab folgende Distribution der Evidenzen:

Schwören trat zum einen in der ersten Person Singular Präsens in der Form von ich schwöre bzw. isch schwöre auf (isch schwöre (.) er will nua aufmerksamkeit; isch schwör mach das ma dann geht’s uns dreckich) und zum anderen in der ersten Person Singular mit Akkusativobjekt bzw. es als formalem Akkusativobjekt (ich schwöre respekt bruda mach weita so). Weitere Evidenzen von ich schwöre sind das Vorkommen mit Dativ- und Präpositionalobjekt (ich schwöre dir bei gott) sowie das Auftreten mit Präpositionalobjekt aber ohne Artikel (ich schwöre auf koran). Veralbernd und andere Jugendliche imitierend wurden von den untersuchten jugendlichen Sprechern auch die Formen ich schwöre auf hurensohn und ich schwöre auf alles verwendet. Bei der Form schwör handelt es sich in vielen Fällen nicht um einen Imperativ, sondern um die erste Person Singular Präsens unter Tilgung des Personalpronomens. Für das Auftreten dieser Form sind im Wesentlichen sprachökonomische Gründe verantwortlich. Das Vorkommen der inversen Form schwörst du findet sich zum einen als Interrogativsatz mit steigender Intonation und zum anderen ohne steigende Intonation als Aufforderungssatz. Letztere Form wird insbesondere dann verwendet, wenn der Aufforderung besonderer Nachdruck verliehen werden soll. Die auf diese Weise adressierte Person wird in nachdrücklicher Art und Weise exponiert.

Gelegentlich trat in den von Dittmar et al. (2009) untersuchten Daten auch eine Kombination des Arabischen uallah (ich schwöre auf/bei Gott) und der deutschen Form ich schwöre auf. Die so entstehende Form uallah ich schwöre wurde in den Kontexten uallah ich schwöre respekt bzw. uallah (.) du bist so geil isch = schwöre auf koran verwendet.        

Das Verb schwören in der Form von ich schwör so dient zumeist als Zitatmarker und ließ sich in den von Dittmar (ebd.) untersuchten Daten in den Formen ich schwör so (.) is voll genial, ich schwör so (.) halt mal die fresse und gestan (.) ich schwör so (.) es gibt ärga ausmachen.

Die von Dittmar et al. (2009) zu den Gründen für die Verwendung von uallah (.) ich schwöre befragten Probanden gaben an, diese Formen zu verwenden, weil es alle machen bzw. weil es cool oder gangster sei bzw. immer passe.

Zu den Positionierungen von schwöre(n) bzw. uallah und weiteren Varianten stellten Dittmar et al. (2009) die folgenden Evidenzen fest:

Die Form ich schwöre kam in den untersuchten Daten nicht im Vorfeld, allerdings 55-mal in der linken Satzklammer und 32-mal im Nachfeld vor. Das Verb schwör trat 10-mal im Vorfeld, 23-mal in der linken Satzklammer, aber nicht im Nachfeld auf. Das Auftreten der Form ich schwöre auf koran beschränkte sich auf die linke Satzklammer (15-mal) und das Nachfeld (2-mal). Ein Vorkommen dieser Form im Vorfeld war nicht zu beobachten.

Die arabische Form uallah trat ausschließlich im Vorfeld (5-mal), nicht jedoch in der linken Satzklammer oder im Nachfeld auf. Die Varianten ich schwöre auf hurensohn und ich schwöre auf alles traten ausschließlich in der linken Satzklammer auf (insgesamt 5-mal). Fundstellen im Vorfeld und Nachfeld waren dagegen nicht auszumachen. Die Interrogativform schwörst du? trat jeweils 2-mal in der linken Satzklammer und im Nachfeld, nicht jedoch im Vorfeld auf.

Marossek (vgl. Medieninformation Nr. 146/2014 der TU Berlin) stellte in einer empirischen Untersuchung zum Sprachgebrauch von Jugendlichen an Berliner Schulen fest, dass grammatikalische Konstruktionen wie die von Dittmar genannten, im sogenannten Türkendeutsch (auch: Ghettosprache, Kiezdeutsch) weit verbreitet sind. Auf lange Sicht könne das Türkendeutsch aber auch Eingang in die Berliner Umgangssprache finden. Charakteristisch für das Türkendeutsch sei vor allem das Weglassen von Artikeln und Präpositionen. Die diesbezüglichen Ähnlichkeiten zwischen Dialekt und Ethnolekt scheinen eine Übernahme ethnolektalen Sprachgebrauchs in den Dialekt zu begünstigen.

Marossek (ebd.) konnte auch bei den von ihr untersuchten Jugendlichen ohne Migrationshintergrund die Tendenz zur Übernahme eines artikel- und präpositionslosen Sprachgebrauchs feststellen. Diese Tendenz scheint in der Profilierung der Jugendlichen und ihrer gruppenspezifischen Imagepflege begründet zu sein.

3.         Die Verwendung des Wortes so in Telefongesprächen von Jugendlichen

Lüchtenberg (2010) untersuchte die Verwendung des Wortes so in den Telefongesprächen jugendlicher Mädchen im südwestdeutschen Sprachraum. Die Autorin erwartete einen hohen Anteil an so-Konstruktionen, da Studien von Kotthoff (2008, 18) ergeben hatten, dass ca. 80% der Redewiedergabe in Telefongesprächen über eine so-Konstruktion eingeleitet werden. So werde in diesen Fällen zumeist als quotative Partikel bei gleichzeitigem Fehlen eines Verbums dicendi verwendet. Funktional gesehen diene die Verwendung der Partikel dazu, einen Hörer aktiv in eine geschilderte Erzählung einzubeziehen (Kotthoff 2008, 19).

Quotative so-Konstruktionen sind nach Lüchtenberg (ebd.) und Kotthoff (2008, 19) hauptsächlich in der Jugendsprache zu finden und charakterisieren somit die Sprachverwendung einer Gesellschaftsgruppe.

Lüchtenberg (ebd.) konnte in den von ihr untersuchten Telefongesprächen feststellen, dass einige Jugendliche ausschließlich so-Konstruktionen verwenden, während sich andere der Verba dicendi sagte, meinte und erzählte bedienten. In der detaillierten Analyse der von den untersuchten Jugendlichen verwendeten so-Konstruktionen konnte Lüchtenberg (ebd.) ein gehäuftes Vorkommen von so in Pronomen + so-Konstruktionen nach dem Muster ich so HAllo: feststellen. Allerdings traten auch Mischformen unter Einsatz eines Verbums dicendi auf und dann (.) ehm hat sie so gesagt, ja ja ham.

In Lüchtenbergs Korpus (ebd.) fanden sich auch Evidenzen für den Einsatz von so zur Einleitung von Imitationen so (imitierend)schwö::r schwö::r (.) Lüchtenberg (ebd.) konnte darüber hinaus auch Evidenzen der Kombination weisch so im jugendlichen Sprachgebrauch feststellen. Durch die Verwendung dieser Kombination scheint ein Sprecher einen Gesprächspartner zum genauen Zuhören und Mitdenken über den geschilderten Sachverhalt animieren zu wollen.

Mithilfe des Rahmen-Adverbs so kann auch eine besondere Hervorhebung eines Adjektivs erfolgen. Durch diese Fokussierung wird zum einen an die Erfahrung und Vorstellungskraft eines Zuhörers appelliert und zum anderen die Aufmerksamkeit auf die Kernaussage eines Satzes gelenkt. Dabei können starke emotionale Ausdrücke, die sich auf Objekte oder Personen beziehen, unterstrichen und verdeutlicht werden. In dem von Lüchtenberg (ebd.) präsentierten Beispiel wird das Rahmen-Adverb so zur Unterstreichung des Adjektivs lieb verwendet:

                        ja was wa:r jetzt eigentlich?

                        warum haben eigentlich alle FRANcio so lieb?

Ehlich (2007, 151) hebt hervor, dass die Verwendung des Rahmen-Adverbs so häufig mit bestimmten tonalen Verläufen einhergeht. Dabei könne von einer „emphatischen Längung des Adverbvokals“ gesprochen werden.

Ehlich (ebd.) stellt zudem fest, dass die Verwendung des Rahmen-Adverbs so in den Fällen, in denen sich die Gesprächspartner in einer Unterhaltung direkt gegenüber stehen, durch eine entsprechende Gestik unterstützt werden kann. Dabei würden Zeigefinger und Daumen parallel übereinander oder beide Hände mit den Handflächen zueinander zeigend parallel gehalten.

So-Verbindungen, durch die keine Rahmung eines Inhalts erfolgt, werden von Weinrich (2003, 586) als Vagheitsmarker bezeichnet. Schwitalla (1997, 173) spricht in diesem Zusammenhang auch von Heckenausdrücken. Vagheitsmarker würden in Situationen eingesetzt, in denen ein schwieriger Sachverhalt wiedergegeben oder erklärt oder aber ein Sachverhalt entschärft werden solle. Dies sei z.B. bei Kompromissfindungen oder Streitschlichtungen der Fall. Gelegentlich sei sich auch der Erzählende seines Redeanteils oder Redeinhalts nicht sicher oder könne sich nicht mehr genau an die Situation erinnern, die er seinem Gegenüber schildern wolle.

Nach Ehlich (2007, 162) kann das Adverb so auch zur Markierung des Neubeginns einer Handlung verwendet werden. Dies sei insbesondere im schulischen Diskurs der Fall, bei dem so als Signalwort zur didaktischen Be- und Verarbeitung eines Themas eingesetzt werden könne. Auch in Gesprächen von Jugendlichen wird nach Lüchtenberg (ebd.) so zur Markierung des Neubeginns einer Handlung verwendet, wenngleich dieser Verwendungskontext eher selten auftrete:

                        A: so jetzt erzähl' mir mal was über sonja? (.h)(h)

                        B: °°also ich bin da platt°°

In dem aufgeführten Beispiel mache A gegenüber ihrer Gesprächspartnerin B deutlich, dass das vorangegangene Gesprächsthema beendet sei und sie stattdessen nähere Informationen über Sonja erhalten möchte. So nehme an dieser Stelle die Funktion einer Abschlusskennzeichnung des vorangegangenen Themas ein und zeige den Neubeginn der nachfolgenden Handlung.

Nach (Auer 2007, 22) können so-Konstruktionen auch in Verbindung mit Nomen zum Einsatz kommen. In diesen Fällen werde das Nomen durch das Adverb modifiziert. Dies könne auch zu einer Verschmelzung mit einer Artikelform (son) führen.

                        also ich hab so=n problem mit

                        (Beispiel: vgl. Lüchtenberg 2010)

Auer (2007, 22) sieht in dieser Form der so-Konstruktion eine Selbstpositionierung einer Person, die zumeist der Erzähler selbst sei. Im süddeutschen Raum werde der Artikel einen häufig zu en verkürzt.

                        und weisch du:, ich hab so en schock kriegt

                        (Beispiel: vgl. Lüchtenberg 2010)

Nach Auer (ebd.) kann so vor Nomen auch als Vagheitsmarker fungieren.

                        und dann (.) ehm ham eh hat so einer aus ihrer klasse

                        (Beispiel: vgl. Lüchtenberg 2010)

In diesem Beispiel werde die Person, über die gesprochen wird, nicht näher erläutert. Der Person selbst werde auch keine größere Bedeutung beigemessen. Wichtiger sei vielmehr der geschilderte Sachverhalt.

Auer (ebd.) weist darauf hin, dass die so-Konstruktion vor Nomen auch zur Positionierung der eigenen Person in Bezug auf eine jeweilige Situation oder einen jeweiligen Sachverhalt verwendet werden kann.

                        wir ham doch so ne behindertenklasse

                        (Beispiel: vgl. Lüchtenberg 2010)

In dem aufgeführten Beispiel verdeutliche die Sprecherin mit Hilfe der so-Konstruktion ihre starke Abneigung gegenüber der Klasse.

Schwitalla (1997, 172) ordnet die halt-so-Konstruktionen einer bestimmten Region zu. Das Wort sei ursprünglich hauptsächlich im süddeutschen Raum vertreten gewesen, dringe aber mittlerweile in den Norden vor und werde auch in der Jugendsprache verwendet.

                        ja und weißte jetzt, wer alles kommt am SAMSCHtag?

                        ja halt so halt die ganzen leut halt.

                        (Beispiel: vgl. Lüchtenberg 2010)

So werde in diesem Beispiel als Vagheitsmarker eingesetzt, stehe aber, anders als in den meisten Fällen, zunächst nicht am Ende des Satzes. Durch halt so werde eine gewisse Unsicherheit eines Sprechers markiert.

4.         Fazit 

Die Jugendsprache, die den Jugendlichen zur Abgrenzung gegenüber den Erwachsenen oder anderen Jugendlichen dient, muss als ein heterogenes Phänomen betrachtet werden, das in seiner sprachlichen Heterogenität mit der Vielfalt jugendlicher Existenzformen korrespondiert. Der jugendliche Sprachgebrauch ist an der Standardsprache orientiert, die er jedoch schöpferisch und spielerisch abwandelt. Linguistische Besonderheiten der Jugendsprache zeigen sich vor allem auf der lexikalischen und morphosyntaktischen Ebene. Hierbei fallen neben Neologismen und Entlehnungen auch Derivationen und Kompositionen auf. Auch die Verwendung von Determinierern und Definitartikeln bei Pronominaladverbien ist auffällig.

Dittmar (2009) konnte im Rahmen der von ihm durchgeführten Berliner JuSpiL-Studie ein vermehrtes Auftreten des Diskursmarkers ich schwöre feststellen. Dieser trat auch in einer Kombination mit dem Arabischen uallah als uallah (.) ich schöre auf. Syntaktisch betrachtet war das Auftreten des Diskursmarkers äußerst heterogen. Er trat mit Akkusativobjekt bzw. es als formalem Akkusativobjekt auf, als Dativ- und Präpositionalobjekt, in Interrogativsätzen und (vermeintlichen) Imperativen.

Die Form ich schwöre trat zudem als Zitatmarker auf. Hinsichtlich der Positionierungen der Form ich schöre und ihrer Varianten dominierte das Auftreten in der linken Satzklammer und im Nachfeld.

Mit Marossek (2014) konnte festgestellt werden, dass einige Charakteristika des sogenannten Türkendeutsch mit Elementen der Berliner Umgangssprache korrespondieren. Sprachliche Gemeinsamkeiten wie der Wegfall von Artikeln und Präpositionen scheinen eine Übernahme ethnolektalen Sprachgebrauchs in den Dialekt zu begünstigen.

Lüchtenberg (2010) konnte eine vermehrte Verwendung des Wortes so in Telefongesprächen jugendlicher Mädchen im südwestdeutschen Sprachraum feststellen. Die Redewiedergabe in Telefongesprächen erfolge zu einem hohen Prozentsatz über so-Konstruktionen. Einige der von Lüchtenberg (ebd.) untersuchten Mädchen verwendeten ausschließlich so-Konstruktionen, während sich andere der Verba dicendi sagte, meinte und erzählte bedienten.

Die von Lüchtenberg (ebd.) festgestellten Evidenzen umfassten ein gehäuftes Vorkommen von so in „Pronomen und so-Konstruktionen sowie eine Positionierung des Rahmen-Adverbs so vor Adjektiven und Nomen. In einigen Fällen wurde so auch als Vagheitsmarker (Heckenausdruck) verwendet. Mit Auer (2007) konnte festgestellt werden, dass so-Konstruktionen auch der Selbstpositionierung einer Person in Bezug auf eine jeweilige Situation oder einen jeweiligen Sachverhalt dienen können.

5.         Literatur:

Androutsopoulos, Jannis K. (1998): Deutsche Jugendsprache. Untersuchungen zu ihren Strukturen und Funktionen. Frankfurt am Main: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaft.

Auer, Peter (2007): Syntax als Prozess. In: Heiko Hausendorf (Hrsg.): Gespräch als Prozess. Linguistische Aspekte der Zeitlichkeit verbaler Interaktion. Tübingen: Narr, 95-142.

Bucher, Hans-Jürgen/ Cailleux, Michel/ Gloy, Klaus (1985): Die sprachlich-kulturelle Arbeit von Jugendlichen oder vom Wert der Veränderung. Zum Zusammenhang von sozialem Wandel und Sprachwandel. In: Ermert, Karl (Hrsg.) 1985, 115-120.

Dittmar, Norbert et al. (2009): „uallah (.) ich schwöre“ - nur was und warum? Ein jugendsprachlicher Diskursmarker auf dem Prüfstand.

http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/jugendsprache/Arbeitspapiere/bahlo_-uallah_ich_schw__re.pdf

Ehlich, Konrad (2007): Sprache und sprachliches Handeln - Prozeduren des sprachlichen Handelns. Berlin: Walter de Gruyter, 141-167.

Henne, Helmut (1986): Jugend und ihre Sprache. Darstellung, Materialien, Kritik. Berlin; New York: de Gruyter.

Kotthoff, Helga (2008): Constructions of the Romantic Market in Girls’ Talk. Fifth International Conference on Youth Language. Copenhagen.

Lüchtenberg, Milena (2010): Die Verwendung des Wortes so in Telefongesprächen jugendlicher Mädchen. (Universität Freiburg).

https://portal.uni-freiburg.de/sdd/personen/.../luechtenberg-ha-so.pdf

Neuland, Eva (Hrsg.) (2007): Jugendsprachen: mehrsprachig – kontrastiv - interkulturell. Frankfurt am Main: Peter Lang Europäischer Verlag der Wissenschaft.

Schwitalla, Johannes (1997): Gesprochenes Deutsch - eine Einführung. Berlin: Erich Schmidt Verlag.

Technische Universität Berlin (2014): Medieninformation Nr. 146.

Weinrich, Harald (2003): Textgrammatik der deutschen Sprache. Hildesheim: Georg Olms Verlag, 583-586.


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DaF-Szene Korea Nr. 42

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