Rainer Manke

Zur Situation des Faches Deutsch an Schulen und Universitäten in Korea


(abgedruckt in: “Tendenzen und Perspektiven”, Sammelband zum Symposium der LVK im November 1996 in Yangpyeong)


In Korea ist es üblich, Briefe und kleinere Abhandlungen, die die persönliche Sichtweise des Verfassers widerspiegeln, mit einer Referenz zu Jahreszeit und Witterung zu beginnen. Ich will dieser Landessitte gern folgen und meinen Text mit dem Hinweis auf die uns hier in Yangpyong umgebende herbstliche Atmosphäre eröffnen, die bei all ihrer Schönheit doch geprägt ist durch Melancholie und Abschiedsstimmung - und insofern vielleicht einen durchaus passenden Rahmen für unser Thema abgibt.

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Der Versuch einer Einschätzung der Situation des Faches Deutsch an Schulen und Universitäten in Korea beginnt mit einem Blick auf den Stellenwert unserer Sprache hierzulande sowie einer Positionierung des Deutschen im Vergleich zu den anderen hier vermittelten Sprachen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, daß alle in Korea vermittelten zweiten Fremdsprachen mit einem sich ständig vergrößernden Abstand zum Englischen zu kämpfen haben. Englisch deckt inzwischen auch Bereiche ab, die früher als Domänen anderer Sprachen angesehen worden waren. Es gilt als Sprache der Wissenschaft und Forschung, von Handel, Industrie und Tourismus, natürlich auch der Diplomatie, und wird von der koreanischen Gesellschaft, besonders von der aufstrebenden Mittelschicht, als Schlüssel zur Zukunft gesehen. Deutsch, Französisch, Italienisch repräsentieren mehr die zum großen Teil in der Vergangenheit erbrachten kulturellen Leistungen einer inzwischen eher als stagnierend wahrgenommenen Region Europa. Das Interesse an Spanisch, das jüngst bei einer Südamerika-Reise des Präsidenten aufzuflackern begann, ist wohl genauso wenig ernstzunehmen und wird in Kürze ebenso verschwinden wie das an Russisch, das kurz vor dem Untergang der UdSSR an einigen Oberschulen als Wahlfach eingeführt wurde. Japanisch und Chinesisch hingegen, als Sprachen der Nachbarn, erfreuen sich wachsender regionaler Bedeutung, nicht zuletzt auch deshalb, weil man mit ihnen „etwas anfangen“ kann (damit sind berufliche Perspektiven gemeint, auf die ich später zu sprechen komme).

Die Politik Koreas läßt, zumindest was die in den Medien veröffentlichte Meinung betrifft, den Eindruck entstehen, die angestrebte Globalisierung habe, gleichsam darwinistischen Gesetzmäßigkeiten folgend, die vorhandene Sprachenvielfalt weltweit auf Englisch sowie einige lokal begrenzt brauchbare „Muttersprachen“ reduziert. Weder unter pragmatischem noch unter bildungstheoretischem Aspekt scheint unser Gastland ein größeres Interesse daran zu haben, das Erlernen europäischer Sprachen nachhaltig zu fördern. Die beeindruckenden Zahlen in Schule und Universität stehen dieser skeptischen Einschätzung nicht entgegen.

Dieses zunächst einmal recht düster erscheinende Szenario, das ich hier bewußt drastisch und pointiert dargestellt habe, weil es uns ja wohl nicht darum gehen kann, Feiertagsstimmungen zu erzeugen, wo wir uns doch über handfeste Probleme unseres Faches unterhalten wollen - dieses „Herbstbild“ also korrespondiert nun allerdings mit einem Gegenbild, das erheblich weniger Schatten- und Grautöne aufweist und geradezu frühlingshafte bis sommerliche Züge

annimmt: Deutschland erscheint den meisten Koreanern zwar nicht mehr nur als das Land der „Dichter und Denker“, doch immerhin als ein Land, das sich durch kulturelle Spitzenleistungen ausgewiesen hat. Die mögen zwar schon etwas zurückliegen und eher dem Bereich des Klassischen, besonders in der Musik, Literatur und Philosophie zuzuordnen sein; dennoch sieht die interessierte koreanische Öffentlichkeit die Beschäftigung mit dieser Kultur klassischer Prägung nicht als historisch, sondern als durchaus lebendig und aktuell an.

Dieses freundlichere Gegenbild, das leider nur selten durch politische und wirtschaftliche oder technologische Aspekte angereichert wird (sieht man einmal von der Ausstrahlungskraft bestimmter Automarken ab), scheint Ausdruck einer Wertschätzung Deutschlands zu sein, die im Großen und Ganzen mehr das Statische, Traditionelle, Geschlossene als das Dynamische, Offene, der Zukunft Zugewandte betont. Offensichtlich haben wir es in Korea mit einem Deutschlandbild zu tun, dem es bis jetzt an ausreichender Zukunftsfähigkeit mangelt. Das Abebben der Einheitseuphorie hat diese Tendenz zweifellos noch weiter verstärkt.

Mit weit über einer halben Million Deutschlernern an Oberschulen und Universitäten darf Korea im internationalen Vergleich als Land mit außerordentlich gut entwickeltem schulischen und universitären Deutschunterricht gelten. Das große Angebot kann jedoch nur auf den ersten Blick beeindrucken. Zum einen sagt die Quantität nichts über die Qualität des Unterrichts und seine Erfolge aus. Die Situation an den Schulen läßt sich verallgemeinernd etwa so charakterisieren: geringe Stundenzahlen, überfüllte Klassen mit bis zu 50 Schülern, schlechte Lehrmaterialien und Lehrer, die die Zielsprache überwiegend aus dem Grammatikbuch kennen, führen dazu, daß die Schüler in den meisten Fällen gar nicht die Möglichkeit haben, sich aktive Deutschkenntnisse anzueignen. Wie die Situation an den Universitäten ist - in Bezug auf Curriculum, Stundenzahl, Größe und Zusammensetzung der Lerngruppen, Versorgung mit Unterrichtsmaterialien etc. - das alles wissen Sie selbst am besten, so daß ich mir kritische Anmerkungen dazu sparen kann.

Man braucht nicht viel Fachverstand, um zu erkennen, daß solcher Unterricht eigentlich kaum zu sinnvollen Ergebnissen führen kann. Warum also gibt es diesen Deutschunterricht, und warum gibt es so viel davon? Um auf ein vielleicht naheliegendes Mißverständnis einzugehen: ich meine, daß aus den hohen Lernerzahlen nicht unmittelbar auf ein korrespondierendes Interesse an Deutschland oder der deutschen Sprache geschlossen werden sollte. Keineswegs alle koreanischen Schüler und Studenten können die Frage, warum sie im Deutschkurs sitzen, schlüssig beantworten. Es scheint, als hätten wir es mit einem zirkulären Phänomen zu tun: es gibt viele Lerner, weil es viel Unterricht gibt. Das umfangreiche Angebot übersteigt den tatsächlichen Bedarf. Dieser Umstand verdient genauer erläutert zu werden, um Gefährdungen, denen das Fach längerfristig ausgesetzt sein wird, angemessen einschätzen zu können.

Im streng hierarchisierten koreanischen Bildungssystem kommt es für die späteren Berufs- und Karrierechancen weniger darauf an, welches Fach man studiert, als in welche Universität man aufgenommen wird. Die Führungselite in Politik, Wirtschaft und fast allen Wissenschaften rekrutiert sich aus Absolventen der Spitzenuniversitäten. In Schule wie Familie gilt es als oberstes Erziehungsziel, dem Nachwuchs die Aufnahme in eine Elitehochschule zu ermöglichen. Innerhalb der Universitäten wiederum gilt eine Hierarchie der Fächer, die sich aus deren beruflicher Verwendbarkeit und dem damit verbundenen Sozialprestige bestimmt. Dabei nehmen die zweiten Fremdsprachen eine Schlußposition ein. Das bisherige und großen Teils noch immer bestehende Aufnahmeverfahren zwingt aber Studienbewerber, die eine bestimmte Universität anstreben, sich auch für weniger begehrte Fächer einzuschreiben, unabhängig von persönlichen Wünschen.

Die in den siebziger Jahren massiv ausgebauten germanistischen Abteilungen haben Planstellen für Professoren geschaffen, die mit Studierenden zu versorgen sind. Die Tatsache, daß das Fach geringe Berufsperspektiven bietet, ist den Studenten von vornherein bekannt und wirkt sich auf die Lernatmosphäre aus. Auch an den Oberschulen wird ein z. T. künstlich geweckter Bedarf gedeckt: wo Deutschlehrer angestellt sind, werden ihnen Schüler zugewiesen. Die Entscheidung darüber liegt weitgehend bei den Schulleitern. Viele Schüler neigen allerdings dazu, das Fach als nutzlos anzusehen, weil es in den Universitätsaufnahmeprüfungen keine Rolle spielt. Eine wirklich freie Fächerwahl (von fortschrittlichen Eltern und Erziehern gefordert und bei einer weiteren Liberalisierung des Erziehungssystems unvermeidbar) würde zwangsläufig zu einer drastischen Abnahme der Schüler- und Studentenzahlen führen. Erste Erfahrungen mit dem neuen universitären Zulassungsverfahren HAKBUCHAE bestätigen diese schon vor längerer Zeit gestellte Prognose.

Angesichts der unbefriedigenden Qualität des bestehenden Unterrichts  sollte bei grundsätzlichen Überlegungen, wie wir sie hier anstellen, aber auch gefragt werden, ob ein solcher Rückgang nicht durchaus positive Seiten haben kann. Eine Gesundschrumpfung des künstlich aufgeblähten Angebots an Deutschunterricht könnte immerhin qualitative Gewinne bringen: kleinere Klassen, stärker motivierte Lerner und eine überschaubare Zahl von Lehrern, die besser auf ihre Aufgaben vorbereitet werden können. Zu dieser Einschätzung kam jedenfalls der renommierte DaF-Experte Gerhard Neuner während seines Besuchs in Korea im März 1996:

Es ist selbstverständlich sinnvoll, daß möglichst viele Koreaner Englisch lernen. Englisch ist die Welt-Verkehrssprache. Es ist genau so sinnvoll, daß möglichst viele Koreaner Japanisch und Chinesisch - die Sprachen der wichtigsten Nachbarländer in der asiatischen Region - lernen.

Ich halte es nicht für sinnvoll zu fordern, daß möglichst viele Koreaner auch Deutsch - oder eine andere europäische Fremdsprache wie Französisch oder Spanisch - lernen sollen! Ich würde bei diesen Fremdsprachen statt auf ein quantitatives Argument eher auf ein qualitatives setzen: Wer sich entschließt, Deutsch zu lernen, sollte eine Chance haben, es möglichst gut zu lernen.

(Gerhard Neuner: Gute Gründe für den Deutschunterricht und das Germanistikstudium in Korea.

In: DaF in Korea, Zeitschrift der Koreanischen Gesellschaft für DaF, Band 1, 1996, S. 16)

Was den praktischen Nutzen von Deutschkenntnissen und insbesondere die Berufsperspektiven für Germanisten betrifft, bietet sich uns, bei realistischer Betrachtung, leider kein rosiges Bild. Im Schulbereich werden auf Jahre hinaus kaum Planstellen für Lehrer frei. Bedingt durch den bisherigen leichten Rückgang an Schülerzahlen (pro Jahr sind es ca. 4 %), kommt es jetzt schon vor, daß Deutschlehrer fachfremd, etwa im Englischunterricht, eingesetzt werden - wobei Fachkenntnisse aus Sicht der Schulleiter keine Rolle zu spielen scheinen. Die Universitäten können dem wissenschaftlichen Nachwuchs fast keine Arbeitsmöglichkeiten bieten. In Deutschland promovierte und z. T. hervorragend qualifizierte junge Germanisten, die in großen Zahlen nach Korea zurückkehren, haben nur noch selten Aussicht auf Festanstellung. Ein Germanistikstudium in Deutschland mit  dem  Ziel einer anschließenden Lehrtätigkeit kann deshalb heutzutage redlicherweise kaum noch empfohlen werden. Der Arbeitsmarkt für Übersetzer und Dolmetscher ist längst gesättigt.

Für andere Berufe gilt, bedingt durch den allgemeinen Trend zum Englischen, daß Deutschkenntnisse als Einstellungsvoraussetzung in aller Regel nicht gefragt sind. In Wirtschaft und Industrie geht es primär um fachliche Qualifikationen, die erst im Laufe der späteren Karriere, bei konkretem Bedarf (meist bei bevorstehender Entsendung in den deutschsprachigen Raum) im Rahmen firmeninterner Fortbildung um Fremdsprachenkenntnisse erweitert werden. Einige der anwesenden Kollegen haben selbst Erfahrungen mit diesen Kursen, die maßgeschneidert auf individuelle Belange am Goethe-Institut und an einigen universitären Sprachinstituten angeboten werden. Vielfach haben wir es dabei mit hochqualifizierten und hochmotivierten Lernern zu tun, die bei günstigen Unterrichtsbedingungen rasche Erfolge erzielen. Diese Lerner sind aber normalerweise keine Sprach- oder Literaturwissenschaftler, sondern Betriebswirte, Ingenieure, Computerspezialisten etc. (Es sei noch angemerkt, daß es in diesen Kursen nicht um fachsprachliche Zielsetzungen geht, sondern daß sich der Bedarf auf allgemeinsprachliche Kenntnisse bezieht. Die Angestellten, die sich auf einen Deutschland-Aufenthalt vorbereiten, brauchen Deutschkenntnisse nicht für berufliche Zwecke, sondern für ein „Überleben“ im Gastland in alltäglichen und privaten Situationen.)

Angesichts mangelnder beruflicher Perspektiven erscheint es fast verständlich, wenn Zweck und Nutzen des Zweitfremdsprachenunterrichts an Schulen und Universitäten immer häufiger in Frage gestellt werden. Die These, daß alle Welt Englisch spricht (die durch englischsprachige Auftritte deutscher Repräsentanten aus Politik und Wirtschaft vor koreanischem Publikum leider immer wieder gestützt wird), führt zu dem bildungspolitischen Kurzschluß, Globalisierung mit Anglo-Amerikanisierung gleichzusetzen und den Englischunterricht einseitig auf Kosten der anderen Sprachen zu fördern.

Vor diesem Hintergrund bahnen sich für alle, die mit der Vermittlung der deutschen Sprache zu tun haben, schwere Zeiten und schwierige Diskussionen an. Ein Hauptanliegen unserer gemeinsamen Arbeit wird in Zukunft darin zu suchen zu sein, die Daseinsberechtigung des Faches Deutsch und seinen Stellenwert im koreanischen Bildungskontext einsichtig zu machen, ohne dabei mit Englisch oder den anderen Fremdsprachen rivalisieren zu wollen.

Aus dem Gesagten ergeben sich gewisse Schlußfolgerungen für Überlegungen dazu, was wir tun können, um unserem Fach zu neuer Attraktivität zu verhelfen und wie es mit Deutschunterricht und Germanistik in Korea weitergehen könnte.

Da sich berufsbezogene Argumente für ein Deutschstudium nur schwer vertreten lassen, sollten wir versuchen, die bei vielen unserer Studenten mehr oder weniger latent vorhandene Faszination für Deutsch als einer Sprache, die in der Beschäftigung mit Europa und seinen Kulturen nützen kann, ernst zu nehmen und diesem Interesse auf allen denkbaren Ebenen zu begegnen. Die deutschsprachigen Lektoren können hierbei einen ganz besonderen Beitrag leisten, denn sie sind in der Lage, ein nicht nur historisch geprägtes, sondern durch lebendige, aktuelle Elemente angereichertes, gegenwartsbezogenes Deutschland-Bild zu vermitteln. Wie man das Interesse koreanischer Studenten an deutschsprachiger Literatur, Musik, Film, Theaterspiel in Unterrichtsprojekten aufgreifen kann, haben ja viele von Ihnen selbst erprobt und darüber schon bei vergangenen Lektorentreffen berichtet. Solche Projekte können inner-

halb der Universitäten einen sehr positiven Werbeeffekt haben und zur Imageaufwertung des Fachs beitragen. Exemplarisch für eine besonders gelungene Öffentlichkeitsarbeit pro Europa erscheint mir der im letzten DaF-Szene-Heft von Anke Stahl beschriebene gemeinsam mit französischen Kollegen organisierte „europäische Kulturabend“.

Auch in der Zusammenarbeit mit den hiesigen Germanisten erfüllen die Muttersprachler mit ihrer Kenntnis beider Länder und ihrer Einschätzung studentischer Interessen eine wichtige Funktion. Voraussetzung ist allerdings, daß Ihre Meinungen gehört werden. Es scheint mir unter den Entscheidungsträgern im Schul- und Universitätsbereich zu wenig Bewußtsein und Handlungsbereitschaft angesichts der sich anbahnenden Krise des Fachs zu geben. Viele Professoren konzentrieren sich immer noch auf sprach- und literaturwissenschaftliche Fragestellungen und unterrichten damit an den Interessen eines Großteils ihrer Studenten vorbei. Fragen zur inhaltlichen Gestaltung der Studiengänge werden in der Regel mit dem Hinweis auf die Autorität der bürokratischen Verwaltungen abgewiesen. Vorerst geht es also noch darum, der in diesem Kreise begonnenen Diskussion über Inhalte und Zielsetzungen eines Deutschunterrichts, das den Interessen der Studierenden gerecht wird, überhaupt allgemeines Gehör zu verschaffen.

Reformziele könnten, wie schon angedeutet, in der Kooperationen mit Nachbardisziplinen bestehen. Erfahrungen aus anderen Ländern deuten darauf hin, daß eine Zukunft der zweiten Fremdsprachen möglicherweise in integrierten Studiengängen zu suchen ist. Dadurch würden sich allerdings veränderte Studieninhalte ergeben, und mancher Professor wird gewiß die bange Frage stellen, was bei einer derartigen Umstrukturierung und Umfunktionierung des Fachs eigentlich noch von der Germanistik übrigbleibt.

Voraussetzung für Reformen sind entsprechende curriculare Rahmenbedingungen: genügende Stundenzahl, sinnvolle Differenzierung der Studenten nach Kenntnissen und Leistung, flexiblere Prüfungsanforderungen. Diejenigen, die sich auch in Zukunft entschließen, Deutsch zu studieren, müssen an einer gut funktionierenden Bildungsstätte ein Unterrichtsangebot vorfinden, das ihren Bedürfnissen entgegenkommt, gleich, ob man nun im Hauptfach als Literaturwissenschaftler, Jurist, Wirtschaftswissenschaftler, Musiker oder Architekt eingeschrieben ist. Hauptbedürfnis besteht in jedem Fall zuerst an intensivem Spracherwerb. Wer sich wirklich für das Deutschstudium interessiert, möchte zunächst einmal die Sprache so gut und so schnell wie möglich lernen und nicht jahrelang bei spärlicher Stundenzahl in Kursen auf Grundstufenniveau sitzen. Im Grunde hat es überhaupt keinen Zweck, über weitergehende Reformvorstellungen zu diskutieren, wenn nicht wenigstens die Voraussetzung eines Angebots an solider sprachlicher Ausbildung im Zuge des Deutschstudiums erfüllt wird.

Daß solche Vorstellungen auch unter asiatischen Systemzwängen realisierbar sind, zeigt der Blick auf das Nachbarland China, wo unter vermutlich noch viel schwierigeren Bedingungen gesamtgesellschaftlicher Art beachtliche Ergebnisse im universitären Deutschunterricht erzielt werden, und zwar deshalb, weil dort vernünftigerweise Leute mit curricularen Aufgaben beauftragt werden, die etwas von dieser Sache verstehen.

Was die Konturen der fälligen formalen und inhaltlichen Reformen hier in Korea angeht, so haben wir im einleitenden Vortrag von Prof. Rhie Won-Yang bereits wertvolle Hinweise bekommen. Auch die beiden folgenden Beiträge von Armin Kohz und Mattheus Wollert kündigen konkrete Vorschläge zu innerlicher und äußerlicher Neustrukturierung des Faches und zur Curri­culumsreform an. Dem möchte ich nun nicht weiter vorgreifen, sondern meine Herbstgedanken mit der zumindest meteorologisch wohlbegründeten Hoffnung schließen, daß auch auf den kältesten Winter schließlich wieder ein warmer Frühling folgt.


Copyright © 2015 by Rainer Manke


DaF-Szene Korea Nr. 41

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