Yoonseong Bae

Deutsche Sprache in deutschen Firmen in Korea


Sehr geehrte Damen und Herren,

ich bin Yoonseong Bae, Mitarbeiter bei Siemens Korea als Elektro-Ingenieur. Zuerst möchte ich mich bei Herrn Menke für diese Gelegenheit bedanken. Ich möchte der LVK zu ihrem 20-jährigen Jubiläum und auch für das bisher Erreichte gratulieren. Bei dieser Gelegenheit möchte ich Ihnen etwas über den Gebrauch der deutschen Sprache in deutschen Firmen in Korea mitteilen.

Der Grund, warum ich in einer deutschen Firma arbeite, hat wesentlich mit meinen Kindheit zu tun. Als Kind habe ich von 1995 bis 2001 in Berlin gelebt, im Alter von 8 bis 14 Jahren. Damals konnte ich kein Englisch, natürlich auch kein Deutsch sprechen, und so begannen die ersten Schultage in der 3. Klasse. Nur weil ich noch genug jung war, konnte ich die Sprache schnell lernen und mit Freunden reibungslos kommunizieren. Auch während dieser Zeit habe ich den Name Siemens kennengelernt, und das hat mich beeinflusst, mit Siemens Karriere zu machen.

Viele ausländische Unternehmen haben sich in Korea angesiedelt, und die deutschen Firmen haben die längste Geschichte in Korea. Es wird angenommen dass Englisch und andere Fremdsprachen zur täglichen Arbeit gehören, aber die Realität ist nicht immer so wie wir denken.

Die Hauptfunktion für eine angesiedelte ausländische Firma ist ‚Lokalisierung‘, dies bedeutet, es soll so eingerichtet werden, dass sie sich dem koreanischen Markt anpasst. Und weil die Haupt Geschäfts-Zielgruppen die koreanischen Firmen sind, sind die verwendeten Sprachen Koreanisch und Englisch, meistens eher Koreanisch. Es hängt auch von dem Unterschied in den Abteilungen ab. Für externe Geschäfte wird meistens koreanisch gesprochen, lediglich in  einer internen Abteilung, z.B. die für ‚HQ (headquarter) reporting‘ existiert, wird mehr Englisch und andere Fremdsprachen benutz. Die Realität ist, dass nicht viel Deutsch, sogar auch weniger Englisch gesprochen wird, als viele denken.

Aber Deutsch sprechen zu können hat ein großer Vorteil und bietet mehrere Möglichkeiten für die Einzelnen. Zum Beispiel läuft ein Telefon-Meeting mit deutschen Kollegen mehr reibungsloser ab, daher mit einem besseren Ergebnis. Wenn jemand auf eine Dienstreise gehen muss, möchten die Manager natürlich die Person schicken, die Deutsch sprechen kann, oder wenigstens gut Englisch sprechen kann. Aus welchem Grund auch immer. Wie ich mich jetzt bei dieser Gelegenheit vor Ihnen vorstelle als Vertreter der Firma Siemens, kann ein Beispiel sein. Es ist gegenseitig nutzbringend für einen Einzelnen, aber auch für ein Unternehmen.

Die LVK hat seit den letzten 20 Jahren viel erreicht, nicht nur mit der Sprache aber auch indem sie einen positiven Eindruck von Deutschland vermittelte. Viele Schulen haben Kurse für "Deutsch als zweite Sprache", und die Studenten der Kunst und Musik betrachten es als Ehre in Deutschland zu studieren. Viele koreanische Firmen nehmen deutsche Firmen als Referenzmodell und wollen davon lernen. Ich hoffe, in einem vielseitigen Tätigkeitsbereich vereint die LVK das Beste von allem und erzeugt weiteren positiven Einfluss.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und ich wünsche der LVK weiterhin viel Erfolg. Danke schön.

Zu diesem Thema hatten wir auch die Geschäftsführerin der Koreanisch-Deutschen Handelskammer befragt:

„Fachkenntnisse, Prozessdenken, Problemlösungskompetenz und die koreanische Sprache sind auch bei deutschen Firmen in Korea die primären Einstellungskriterien. Englisch scheint sich in der Tat als gemeinsamer Nenner in der Sprache etabliert zu haben.

Ich finde es immer wichtig, Studenten zu vermitteln, dass die deutsche Sprache nur ein ‚Tool‘ ist, das mit anderen Fachkenntnissen wie Wirtschaft, Technik, Recht etc. gepaart sein muss, wenn man bei einer deutschen Firma arbeiten möchte.

Lernen Studenten nur die Sprache, werden sie vermutlich eher in den Bereichen Lehramt, Übersetzungen, Dolmetschen tätig.

Deutschkenntnisse sind aber eine wichtige Zusatzqualifikation, mit der sich Bewerber differenzieren und für deutsche Firmen in Korea interessant machen können. Mit Deutschkenntnissen gehen meist gleichermaßen ein Verständnis/Liebe für die Kultur und für deutsche Produkte einher, insofern ein sehr positiver Zusatzaspekt. Auch für die Karriereentwicklung können die Deutschkenntnisse eine Rolle spielen, weil man diese Mitarbeiter eher für Deutschland-bezogene Projekte oder sogar Arbeitseinsätze in Deutschland auswählen wird. Darüber hinaus können deutschsprechende Studenten auch Studien, Praktika, Arbeitsaufenthalte in Deutschland machen, was ihnen ohne die deutsche Sprache weitgehend verwehrt ist.

Ich persönlich bedaure den Rückgang der deutschen Sprache in der Ausbildung in Korea sehr, weil uns damit auch die deutschaffinen Personen verloren gehen. Das hat an vielen Stellen eine Bedeutung: bei der Auswahl des anwendbaren Rechts bei Verträgen (anglosächsisches Recht statt deutsches Recht in Verträgen), bei der Kenntnis des deutschen Ausbildungssystems und seiner gesellschaftlichen Bedeutung etc.

Mit besten Grüßen und viel Erfolg für Ihre Tagung und die Jubiläumsfeier
Barbara ZOLLMANN
Secretary General & Executive Director
Korean-German Chamber of Commerce and Industry (KGCCI)


Copyright © 2015 by Yoonseong Bae


DaF-Szene Korea Nr. 41

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