Maria Gabriela Schmidt

Europäischen Sprachen in Ostasien

Symposium in Taiwan


Am 24. und 25. Oktober 2014 fand das 5te Internationale Symposium zu Europäischen Sprachen in Ostasien an der nationalen Universität Taiwan in Taipei statt. Die Hauptorganisatoren waren Vassilis Vagios und Wolfgang Odendahl mit der Unterstützung der KollegInnen, der dortigen Universitätsverwaltung und eines guten Teams an HelferInnen.

Das diesjährige Thema des Symposiums hieß „Crisis, Changes, and Chances: The European Conundrum“. Es war so gewählt, dass die verschiedenen Philologien ebenso wie eine möglichst große Vielfalt an Themen einbezogen werden konnte. Die Vortragenden lehren in Japan, Korea, Hongkong, Italien und natürlich Taiwan und vertreten Sprachen wie Englisch, Russsich, Deutsch, Französisch, Schwedisch, Spanisch sowie Lateinisch und klassisches Griechisch, und ihre Herkunftsländer sind noch vielfältiger. Die Forschungsgebiete umfassten Literatur, Sprachwissenschaft, Geschichte, Kulturwissenschaft, Politologie/ Internationale Beziehungen, Sozialwissenschaft (gesellschaftlicher Dialog). - Ist das ein Sammelsurium? – Nein, ganz und gar nicht! Das Symposium bot einen erfrischenden Rahmen für ein sehr tiefgehendes und vor allem anregendes Gespräch über Grenzen jeglicher Art hinweg auf einem hohen akademischen Niveau.

Am ersten Tag standen die beiden ersten Vorträge unter den Leitbegriffen „Kommunikation und Resolution“:  

Den Eröffnungsvortrag hielt Valerij GRETCHKO, der Russisch an der Universität Tokyo unterrichtet, zu Baudouin de Courtenays Bemühungen um die Interlinguistik, die eine politische Intention hatte.

Hyeking KIM, die klassische Philologie an der Inje Universität in Korea vertritt, sprach über einen Konflikt zwischen Demosthenes und Telemachos, deren Konflikt mit den damit verbundenen Argumentationen bis in die Moderne weisen.

Die zweite Staffel an Vorträgen hatte das Motto „Politik der Krise“:

Stefan AUER stammt aus Slowakien und lehrt Politische Wissenschaften an der Hongkong Baptisten Universität. Er erörterte ein Konzept zur Geopolitik, das im deutschen Gedankenkreis entstanden ist und Auswirkungen auf Europa, die Ukraine und die neu-russische Politik hat.

Chung-Liong NG, der im Graduierten Kolleg an der Nationalen Chung Cheng Universität studiert, setzte sich mit der athenischen Demokratie im Hinblick auf die Frage der Stabilität auseinander.

Nicole SCICLUNA, kommt aus Australien und lehrt Politische Wissenschaft auf Englisch an dem Collegio Carlo Alberto in Turin. Sie fragte sehr kritisch nach, ob es ein Kerneuropa gebe und wie sich dies zu der Krise verhält.

Der Vortrag von Rui Manuel De Sousa ROCHA von der Städtischen Universität Macao konnte leider nicht persönlich vorgetragen werden.

Der dritte Reigen an Vorträgen stand unter unter dem Thema „Literatur und Krise“:

Hiroko MASUMOTO, die deutsche Literatur an der Universität Kobe lehrt, legte eine erneute Interpretation der deutschen Literatur, z. B. von Kleist, vor, die die Erfahrung von Fukushima zugrunde legt.

Kristina Tolinsson TING, die Schwedisch and der Universität von Hongkong lehrt, zeigte den Zusammenhang von schwedischem common sens, der Solidarität, dem Wohlfahrtssystem und den Spuren davon in der bekannten Kriminalliteratur.

Michael RAAB, ein Romanist der Deutsch an der National Universität Taiwan unterrichtet, zeigte wie die Begegnung mit einem mittelalterlichen Bild, René Char bei der Meisterung einer Krise half und ihn in besonderer Weise poetisch anregte.

Vassilis VAGIOS, der Klassische Sprachen an der Nationalen Universität Taiwan vertritt, leitete dann eine rege Diskussion zu den Beiträgen, die noch einmal eine Vertiefung möglich machte.

Am zweiten Tag stand der erste Themenkreis unter demMotto „Krise und Veränderungen“:

Olga ALESHIN, die Russisch an der Nationalen Universität Chengchi unterrichtet, ging der Entwicklung der Bedeutung des Wortes „Krise“ im Russischen in philologischer Kleinarbeit nach.

Maria Gabriela SCHMIDT, die deutsche Sprache an der Universität Tsukuba lehrt, sprach über den Einfluss von Krisen in Japan auf den Unterricht der Europäischen Sprachen.

Der nächste Abschnitt an Vorträgen wurde unter den Bogen „Bedeutung und Krise“ gestellt:

Soo-Hwan KIM, der Russisch an der Hankuk-Universität für fremdsprachige Studien vertritt, stellte Lotmans Konzept der Explosion in Zusammenhang mit dem Krise/Chancen-Diskurs.

Yueh-ta CHEN, der Französisch an der katholischen Fu Jen Universität lehrt, brachte Glissants Überlegungen zur Kreolisierung in Zusammenhang mit Reflektionen zur Krise.

Shunichiro YOSHIDA, der an der Universität Tokyo zum klassischen Latein forscht, erörterte die Rhetorik im klassischen Rom im Spannungsfeld zwischen Bildungsziel und öffentlicher Funktion.

Die letzte Staffel der Vorträge stand dann unter dem Motto „Krise & Sprache/Literatur lehren“:

Wolfgang ODENDAHL, der deutsche Sprache an der Nationalen Universität Taiwan lehrt, diskutierte die Begriffe „Bildung“ und „literacy“ im Hinblick auf den Pisaschock in Deutschland.

Kyunghee KIM, die Deutsch an der Hongik Universität vertritt, stellte die einzelnen Philologien in einen interkulturellen Kontext, um das Profil des Faches Deutsch in Korea zu schärfen.

Chi Shan CHUI, die deutsche Sprache an der Hongkong Baptisten Universität unterrichtet, zeigt wie die europäische Arbeitslosigkeit in direktem Zusammenhang mit Maßnahmen zur Integration und beruflich orientierten Sprachkursen stehen.

Die Beiträge des Symposiums werden in einem Sammelband erscheinen. Die abschließende Diskussion leitete Wolfgang Odendahl, der alle einlud, auch im kommenden Jahr wieder an dem Symposium teilzunehmen und dafür zu werben.

Als Teilnehmende kann an dieser Stelle nur allen gedankt werden. Das gesamte Symposium einschließlich des Rahmenprogramms war hervorragend organisiert und konnte wirklich in jeder Hinsicht als gelungener Dialog der europäischen Sprachen in Ostasien gelten. Ein vorbildliches und wegweisendes Unternehmen.

Am 26. Oktober, dem dritten Tag fanden drei spezielle Workshops statt: Einer für Klassische Sprachen (Griechisch und Lateinisch), einer für Spanisch und einer für Deutsch.

Der deutsche Workshop hatte als Schwerpunkt „In Vielefalt geeint? Deutsche Sprachmittlung in einer globalisierten Welt“ und wurde von Wolfgang Odenthal geleitet. Das Thema orientierte sich an der aktuellen Situation und den Bedürfnissen des Deutschunterrichts an Universitäten in Taiwan.  Der Workshop ermöglichte eine intensive und anregende Diskussion, die die Zusammenarbeit in Ostasien unter den Deutschlehrenden stärkte und weiter intensivierte.

Maria Gabriela SCHMIDT sprach über DaF und Sprachmittlung in Japan, die dort insgesamt institutionell und auch im Unterricht keine dominante Rolle spielt.

Daishan CHA, der Deutsch an der katholischen Fu Jen Universität vertritt, stellte auf der Basis seiner langjährigen Erfahrung eine sehr anschauliche kontrastive Fehleranalyse Chinesisch – Deutsch / Deutsch – Chinesisch vor, wobei er Fehlleistungen überwiegend auf den Einfluss von L1 zurückführte.

Chris HEIN, der Deutsche Sprache an der Nationalen Universität Taiwan unterrichtet, diskutierte über den Einfluss des Übersetzens auf unsere Sprache und die Instrumentalisierung des Übersetzens als mögliche Legitimation.

Jörg-Alexander PARCHWITZ, der Deutsch an dem Wenzao Ursuline College für Fremdsprachen (Kaohsiung) lehrt, stellte verschiedene projekt-orientierte Unterrichtsideen für Deutsch als Fremdsprache vor, die auch Texte in L1 einschließen, die sich dann fürs Dolmetschen/ Übersetzen eignen.

Wolfgang ODENDAHL erläuterte Blattübersetzungen als ad hoc Übersetzungen von kleineren Informationstexten und ging insbesondere auf ihre Anwendungsmöglichkeiten im DaF-Unterricht ein.

Im kommenden Jahr wird das Thema für das 6te Symposium zu Europäischen Sprachen in Ostasien „Mass-media & Multimedia Texts in Foreign Language Learning“ sein. Der Ausschreibungstext und Call for Papers ist be gefügt.

Anmeldeschluss für Beiträge ist der 15. März 2015. Anfragen können an folgende Email in Deutsch oder Englisch gerichtet werden: eusymposium_AT_ntu.edu.tw

Vortragssprache ist Englisch als lingua franca für alle Philologien.

Das Symposium einschließlich der Workshops ist dann für den 5. und 6. November 2015 wieder an der Nationalen Universität Taiwan (NTU) in Taipei geplant.

Ich möchte das Symposium, das aus einer lokalen Intitiative entstanden ist und Jahr für Jahr an Renommé zugenommen hat, als Raum für einen besonderen Dialog empfehlen. Es geht weit über die Fremdsprachenvermittlung hinaus und bietet die Möglichkeit, sich auf hohem Niveau über europäische Kulturen im ostasiatischen Raum auszutauschen.

Die bisherigen Symposien der Reihe „Symposium on European Languages in East Asia. National Taiwan University“ und die dazu publizierten Sammelbände sind folgende:

Das 1. Symposium (2010) stand unter dem Thema: "Building the Future: An Assessment on the Interaction between European Languages Programs and European Studies in East Asia". Die Beiträge wurden in dem ersten Sammelband 2012 publiziert: “Interfaces – EU Studies and European Languages Programs in East Asia.” Edited by José E. Borao Mateo & Vassilis Vagios. National University Taiwan Press. http://www.press.ntu.edu.tw/?act=book&refer=ntup_book00597

Das 2. Symposium (2011) hieß: "The Common European Framework of Reference for Languages and its Relevance for European Studies in East Asia". Das Buch dazu trägt den Titel "The CEFR in an East Asian Context ". Edited by Chris Merkelbach. Es ist gerade im Sommer 2014 erschienen.

http://www.press.ntu.edu.tw/?act=book&refer=ntup_book00725

Das 3. Symposium (2012) trug den Titel "Challenges in Teaching European Languages and Literatures". Das Buch ist noch nicht erschienen. Es wird "Synergies – Teaching European Languages and Literatures in East Asia" heißen.

Das 4. Symposium (2013) hieß "The Role of Art, Music and Literature in European Studies — A Critical Discourse in Cross Cultural Communication". Wie der Titel des Buches heißen wird, steht noch nicht fest.

Das 5. (2014), das gerade stattfand und über das berichtet wurde steht dann als nächstes an.

Und das 6. Symposium wird dann sein:  "Mass-media & Multimedia Texts in Foreign Language Learning". Es findet am 6.-7. November 2015 statt.

Informationen finden sich auf folgender Homepage: http://www.forex.ntu.edu.tw/eusymposium/


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DaF-Szene Korea Nr. 40

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