Frank Kostrzewa

Die Sprache der Diplomatie


Zu Recht wird die Diplomatensprache als eine Fachsprache betrachtet, die auch in anderen Kontexten (vgl. Wodak und Titscher Universität Wien) interdisziplinär (unter Beteiligung von Linguistik und Soziologie) und unter Anwendung eines diskursanalytischen Instrumentariums ethnographisch untersucht wird. Dabei wird davon ausgegangen, dass Sprache und Habitus von Diplomaten detailliert beschreibbar sind und einem festen Muster weitgehend ritualisierter Sprache folgen. Man nimmt wie Dieter Weirich an, dass Diplomaten sprachliche Kunst- und Überflieger sein müssen, deren Aufgabe darin bestehe, Konflikte zu lösen. Dies geschehe jedoch nicht ausschließlich dadurch, dass Gedanken ihren Ausdruck in der Sprache fänden, sondern teilweise auch durch die Verbergung des Gedankens durch die Sprache.

Ammon (1991) stellt in seinem Buch Die internationale Stellung der deutschen Sprache die Frage, ob es eine spezifische Nationalsprache gebe, die als Sprache der Diplomatie verstanden werden könne und kommt dabei zu dem Schluss, dass sich die internationale Stellung einer Sprache in der Diplomatie nicht ohne weiteres aus ihrer internationalen Stellung in anderen Domänen herleiten lasse. Es bestehe kein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Verwendung einer Sprache in den großen Domänen Wirtschaft, Wissenschaft und Diplomatie. Der relativen Eigenständigkeit dieser Domänen entspreche der Topos von der Rollenverteilung verschiedener Sprachen, nämlich dass Deutsch die Sprache der Wissenschaft, Englisch die Sprache des Handels und Französisch die Sprache der Diplomatie sei. Dieser Topos stimme insbesondere bezüglich der deutschen Sprache nicht mehr mit der Wirklichkeit überein. Vielmehr habe Englisch neben der dominanten Rolle im Bereich des Handels auch eine führende Rolle im Bereich der Wissenschaft übernommen und auch die Stellung des Französischen als Sprache der Diplomatie sei nicht mehr unangefochten.

Diplomaten müssen in unserer globalisierten Welt und in der alltäglichen Begegnung mit Menschen anderer kultureller Prägung heutzutage vor allem die Fähigkeit zur interkulturellen Kommunikation besitzen Hierbei geht es nach Lüsebrink (2008, 9) zentral um die Fähigkeit „mit fremden Kulturen und ihren Angehörigen in adäquater, ihren Wertesystemen und Kommunikationsstilen angemessener Weise zu handeln, mit ihnen zu kommunizieren und sie zu verstehen“.


Copyright © 2014 by Frank Kostrzewa


DaF-Szene Korea Nr. 40

Back Home