Frank Kostrzewa

Genus in verschiedenen Sprachen


Sprachen mit einem grammatischen Geschlecht wie Französisch oder Deutsch sind laut Pinker „der Horror aller Fremdsprachenschüler“. Auch Mark Twain klagt in seinem Aufsatz über „Die schreckliche deutsche Sprache“: „Ein Baum ist männlich, seine Knospen aber sind weiblich, seine Blätter sächlich; Pferde sind geschlechtslos, Hunde männlich, Katzen, auch wenn man den Kater meint, weiblich“.

Lewandowski weist darauf hin, dass die Genera Maskulinum, Femininum und Neutrum formal seit indoeuropäischer Zeit angezeigt werden, wobei sich das Genus des Substantivs „nur an der Kongruenz mit Artikel, Adjektiv und Nomen“ erkennen lasse. Die Gliederung in drei Genera kann jedoch nach Bußmann keinesfalls als eine universale Kategorie, sondern lediglich als eine sprachspezifische Ausprägung verstanden werden. Den drei Teilkategorien des Deutschen, Russischen und Lateinischen stünden nur zwei in den romanischen Sprachen, jedoch sechs im Suaheli gegenüber. In den finno-ugrischen Sprachen werde die Kategorie des Genus, ebenso wie in den ostasiatischen Sprachen (Japanisch, Koreanisch) nicht realisiert.

Bei der Klassifizierung und Differenzierung der Genera ist die Unterscheidung zwischen dem grammatischen und dem natürlichen Geschlecht von großer Bedeutung. Bußmann (ebd.) weist darauf hin, dass es sich bei dem grammatischen Genus um ein innersprachliches, formales System handele, während das natürliche Geschlecht eine außersprachliche, lexikalische Kategorie darstelle. Grammatische und semantische Regeln könnten sich überlappen, aber auch im Widerspruch zueinander stehen. Zwar werde die Entwicklung des grammatischen Genus zumeist auf die natürliche Geschlechterordnung zurückgeführt, jedoch sei die Beziehung zwischen grammatischem Genus und natürlichem Geschlecht nur in wenigen Bereichen des Wortschatzes durchsichtig. Zu diesen Bereichen gehörten insbesondere die Verwandtschaftsnamen und die Berufsbezeichnungen. Risel weist darauf hin, dass das grammatische Geschlecht zwar bei vielen Bezeichnungen für Lebewesen mit dem mit dem natürlichen Geschlecht übereinstimme (z.B. „Onkel“, „Tante“), dies jedoch in Abhängigkeit von bestimmten Suffixen nicht immer (z.B. „das Mädchen“, „das Männlein“) gelte.

Die Komplexität der Genusmarkierung bei deutschen Substantiven findet sich auch in Übungsbüchern zur deutschen Grammatik abgebildet. So weisen Helbig/Buscha darauf hin, dass das Genus in den Fällen, in denen es nicht von der Kongruenz zwischen grammatischem Genus und natürlichem Geschlecht bestimmt sei, von semantischen bzw. formalen Kriterien determiniert werde. Auf Grund der Semantik seien z.B. die Namen der Jahreszeiten, Monate und Wochentage maskulin (der Sommer, der Januar, der Mittwoch) und die Namen der Bäume und vieler Blumen feminin (die Kiefer, die Zypresse, die Rose, die Orchidee).

Formal begründet sei hingegen die Zugehörigkeit der Deverbativa mit Nullsuffix zu den Maskulina (der Gang, der Sprung, der Betrieb) oder die der meisten Deverbativa auf -t zu den Feminina (die Fahrt, die Schlacht, die Last).


Copyright © 2014 by Frank Kostrzewa


DaF-Szene Korea Nr. 40

Back Home