Frank Kostrzewa

Schimpf- und Tabuwörter im Deutschen, Englischen und Koreanischen


1. Einleitung

Bei Schimpfwörtern (Lateinisch: maledictum - maledicta) handelt es sich um Wörter, die durch ihre stark abwertende pejorative Bedeutung geeignet sind, andere Personen zu beleidigen oder herabzusetzen. Während Vulgarismen durch ihre Derbheit und Obszönität primär das Schamgefühl anderer Menschen verletzen, handelt es sich bei diskriminierenden Schimpfwörtern um rassistische, chauvinistische, sexistische oder homophobe Herabsetzungen. Ethnophaulismen diskriminieren ganze ethnische Gruppen und durch blasphemische Ausdrücke werden Glaubensinhalte einer Religion verhöhnt. Als Unterdisziplin der Linguistik beschäftigt sich die Malediktologie mit der Semantik und Pragmatik von Schimpfwörtern.

Gelegentlich ist in Bedeutung und Verwendung von Schimpfwörtern auch die Tendenz einer positiven Umdeutung ursprünglicher Schimpfwörter beobachtbar. So werden zum Teil Wörter, die der Herabsetzung einer Personengruppe dienten (z.B. Hure, schwul) von dieser ameliorisiert.

Unter Tabuwörtern versteht Bußmann (1983, 529f.) Ausdrücke, die vornehmlich dem religiösen, abergläubischen, politischen oder sexuellen Bereich entstammen und einem Meidungsgebot unterliegen. Ausdrücke dieser Art würden zumeist durch euphemistische Umschreibungen ersetzt (z.B. verflixt für verhext, Potzblitz für Gottes Blitz, Gottseibeiuns für Teufel). Lewandowski (1985, 1086) spricht im Zusammenhang der Tabuwörter auch von Wort- und Satztabus bzw. von sprachlicher Geheimhaltung. Ein zumeist aus dem religiösen oder intimen Bereich stammendes Wort dürfe in einer Sprachgemeinschaft nur unter besonderen Bedingungen verwendet werden. Ein Tabuwort dürfe keineswegs leichtfertig ausgesprochen werden.

Lewandowski (ebd.) betont, dass es sich bei Tabus keinesfalls um allgemein menschliche Erscheinungen (Universalien) handelt. Tabus seien vielmehr an bestimmte Gemeinschaften und Epochen gebunden und der tabuisierte Ausdruck könne auch gruppenspezifischer Art sein. Dem Sprachtabu werde eine magische Kraft beigemessen. Das Aussprechen des tabuisierten Wortes berge das Potential der Veränderung der Welt. 

Tabus können sich mit ihrem sozialen Normcharakter auf Wörter, Dinge (z.B. Nahrungstabus), Handlungen (z.B. Inzesttabu) und ganze Themenbereiche beziehen. Durch die Tabubelegung werden bestimmte Themen vor dem Diskurs in einer Gemeinschaft geschützt. Tabuthemen betreffen insbesondere Zustände der Körperlichkeit wie die Sexualität, die Krankheit sowie das Altern und den Tod.

2. Schimpf- und Tabuwörter im Deutschen

Pinker (2007, 430) illustriert die Bedeutung und Verwendung deutscher Schimpf- und Tabuwörter am Beispiel der speziellen Begriffe für Fäkalien. Diese vielfältigen Begriffe seien vermutlich „gleichermaßen ekelerregend und unvermeidlich“ (Pinker ebd.). Neben den Tabuwörtern für Fäkalien existierten auch eine Reihe formaler, euphemistischer und dysphemistischer Begriffe. Weitere Begriffe seien ausschließlich für die Bezeichnung der kindlichen Ausscheidungen reserviert, während andere Begriffe entweder im medizinischen Kontext verwendet würden oder sich auf tierische bzw. landwirtschaftlich verwertbare Fäkalien bezögen.

Pinker, Steven: Der Stoff, aus dem das Denken ist. New York, 2007, 430.

Zu jedem Schimpf- oder Tabuwort bzw. jedem Standardfluch existierten jedoch eine Reihe bereinigter und damit sozial akzeptierter Alternativen. Pinker (2007, 414f.) illustriert dies am Beispiel der als Schimpf- bzw. Fluchwort verwendeten Ausdrücke Gott/Herrgott, Jesus/Herr Jesus, verdammt, Sakrament, Scheiße, ficken und Arschloch:

Für Gott/Hergott:
Goddele, Gottachgott, Gottogott, meine Güte, Herrgöttchen, Herrgöttle, Herre, Herrm

Für Jesus/Herr Jesus:
Jesses, Jessas, je, o je, ei je, herrje, ei herrje, herrjemine

Für verdammt:
verdammich, verdummich, verdummt, verdorrich, verdorri, verdellich, verdelli, verdöllt, tamtata

Für Sakrament:
sapperment, sakra, sakradi

Für Scheiße:
Schande, Scheibe, Scheibenkleister, Scheiß, Schiss, Schisse, Schitt, Schitte, Schiet, Schiete, Driss, Gedriss, Driete

Für ficken:
vögeln, bügeln, fegen

Für Arschloch:
A-loch, A…, Arschgeige, Arschkeks, Armloch, Armleuchter, Gesäßloch

Pinker, Steven: Der Stoff, aus dem das Denken ist. New York, 2007, 414f.

Pinker (2007, 434) bezeichnet das Verb fuck in Anlehnung an die Anthropologin Ashley Montagu als „ein transitives Verb für die transitivste aller menschlichen Tätigkeiten.“ Transitive Verben für Sex passen in die Leerstelle der Struktur Paul [verb-te] Paula, u.a.:

ficken, bumsen, vernaschen, pimpern, vögeln, poppen, rammeln, durchnudeln, knallen.

Während diese Verben größtenteils respektlos oder abstoßend auf den Liebesakt referieren, tun dies die bereinigten Alternativwörter und -ausdrücke in einer Form, die deutlich positiv evaluativ ist:

Sex haben, Liebe machen, zusammen schlafen, ins Bett gehen, eine Beziehung haben, Geschlechtsverkehr haben, intim sein, den Beischlaf vollziehen, kopulieren, koitieren      

Die Analyse der Verben für Sex zeigt nach Pinker (ebd.), dass die direkten respektlosen Varianten des Verbs fuck allesamt transitiv sind, während die sozial akzeptierteren Alternativformen intransitiv seien. Das Wort für den Sexualpartner werde jedes Mal mit der Präposition mit eingeleitet. Viele dieser alternativen Verben seien zudem keine eigenständigen Verben, sondern Wendungen, bei denen ein Nomen oder Adjektiv mit einem light verb wie haben, sein oder machen kombiniert werde.

Es sei der Tabustatus, der einem Wort seine emotionale Schärfe verleihe. Auf diese Weise entstünden zahlreiche Redewendungen, die Tabuwörter enthielten. Viele der Tabuwörter und tabuisierten Wendungen wiesen keine erkennbare Analogie mehr zu ihrem ursprünglichen Gegenstand mehr auf und bedienten sich des Tabuworts lediglich, um eine Wirkung beim Hörer zu erzielen.

Pinker, Steven: Der Stoff, aus dem das Denken ist. New York, 2007, 438.

Pinker, Steven: Der Stoff, aus dem das Denken ist. New York, 2007, 439.  

Nach Pinker (2007, 416) bedienen sich Schimpfwörter häufig einer bestimmten Lautsymbolik. So enthielten obszöne Ausdrücke häufig Laute, die als schnell und grob empfunden würden. Im Deutschen seien dies zumeist Einsilber oder Trochäen mit kurzen Vokalen und stimmlosen Plosiven (p, t, k) oder Zischlauten (s):

Depp, Bock, Pack, Sack, Schmock, Mist, Schwanz, Titten, Trottel, Nutte, Tunte, Kacke, schnackseln, verrecken, lecken, ficken, Bastard, Fotze, Pisse, Tusse.   

Pinker, Steven: Der Stoff, aus dem das Denken ist. New York, 2007, 416.

Crystal (1995, 61) beschreibt die vielfältigen Fluchwörter und Schimpftiraden in den Werken Gargantua und Pantagruel (1532) von François Rabelais (um 1495 - 1553).

In der deutschen Übersetzung von Engelbert Hegaur und Dr. Owlglass von 1951 findet sich in Kapitel XVII des Gargantua die folgende Passage:

Crystal, David: Die Enzyklopädie der Sprache. Frankfurt/New York 1995, 61.

Crystal (1995, 61) beschreibt, dass auch die Schrifttafeln im antiken Rom und Griechenland häufig Schimpfwörter und Flüche enthalten hätten. Die mit Flüchen versehenen Schrifttafeln seien dann eingegraben oder im tiefen Wasser versenkt worden. Eine der Tafeln hätte folgende Inschrift getragen:

„Gute und schöne Prosperina (oder Salvia, solltest du dies vorziehen), mögest du dem Plotius Gesundheit, Körper, Aussehen, Kraft und Fähigkeiten entreißen und sie deinem Gatten Pluto übertragen. Stelle sicher, dass es ihm durch eigene Kraft nicht gelingt, dieser Strafe zu entgehen. Mögest du ihn dem Quartan- und Tertianfieber sowie dem täglichen Fieber anheimgeben, auf dass sie ihn bekriegen und bekämpfen, bis sie ihn seiner Seele beraubt haben …

Ich gebe dir seine Ohren, Nase, Nüstern, Zunge, Lippen und Zähne, damit er von seiner Qual nicht sprechen kann; seinen Nacken, Schultern, Arme und Finger, damit er sich selbst nicht helfen kann …“.

Crystal, David: Die Enzyklopädie der Sprache. Frankfurt/New York 1995, 61.

Verschiedentlich seien Schimpf- und Tabuwörter sogar Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen gewesen (vgl. Crystal 1995, 61). So sei die 1959 vom Verlag Grove Press in New York publizierte Fassung von D.H. Lawrences Lady Chatterly’s Lover unzensiert gewesen und aufgrund der mehrmaligen Verwendung des Wortes fuck wegen angeblicher Obszönität verboten worden. Dies habe sowohl in den USA als auch in Großbritannien einige Prozesse nach sich gezogen, von denen einer, der im Oktober 1960 vor dem Old Bailey stattfand mit einem Freispruch geendet habe. Daraufhin sei das Tabuwort fuck in Literatur und Tagespresse häufiger erschienen, selbst wenn es im öffentlichen mündlichen Gebrauch weiterhin mit einem starken Tabu belegt gewesen sei.

3. Schimpf- und Tabuwörter im Englischen

Swan (1980, 589) gliedert die Schimpf- und Fluchwörter des Englischen in die Bereiche annoyance (Verärgerung), Überraschung (surprise), überraschte Frage (surprised question) und Beleidigung (insult). Dabei differenziert er zwischen dem britischen und dem US-amerikanischen Sprachgebrauch:

Annoyance:

GB only:

Surprise:

Mainly GB:

Surprised question:

Insult:

Swan, Michael: Practical English Usage. Oxford 1980, 589.

Beleidigungen (insults) werden nach Swan (ebd.) zumeist in der Struktur imperative verb + object realisiert. Dabei können die Imperativformen der Funktion dienen, eine andere Person auf beleidigende Art zu bitten sich zu entfernen:

Insult (imperative verb + object):

Insulting request to go away:

Swan, Michael: Practical English Usage. Oxford 1980, 589.

Swan (1980, 590) weist in seiner Rubrik Miscellaneous (Verschiedenes, Vermischtes) darauf hin, dass einige, vordergründig auf den sexuellen Bereich bezogene Verben, wie fuck (up), screw (up) und bugger (up) (GB) auch in der Bedeutung von ruin, spoil oder destroy (ruinieren, verderben, zerstören) verwendet werden können:

Swan, Michael: Practical English Usage. Oxford 1980, 590.

Swan (1980, 589) unternimmt den Versuch, die Tabuwörter des Englischen hinsichtlich des Grades ihrer Tabuisierung zu gliedern, indem er sie in Bezug auf ihre soziale Akzeptanz bzw.

Ächtung mit einem Sternchen (*) versieht. Während ein Tabuwort mit nur einem Sternchen nur wenige Sprachbenutzer irritieren wird, wirkt ein vier- oder fünf-Sterne-Tabuwort in der Regel äußerst schockierend auf den Hörer:

taboo word                                          meaning

damn*                                                 condemn to hell

blast*                                                  strike down with divine punishment

hell*

God**

Jesus***

Christ***

piss***                                               urine, urinate

crap***                                               excrement, defecate (same as shit)

arse*** (US ass)                                 bottom, buttocks, anus

arsehole*** (US asshole)                   anus

balls***                                               testicles

bollocks*** (GB only)                       testicles

tits***                                                 breasts

bastard***                                          illegitimate child

shit****                                              excrement, defecate

prick****                                            penis

cock****                                             penis

bugger**** (GB only)                        have anal sexual intercourse with a person or animal

sod**** (GB only)                             homosexual (abbreviation of sodomite)

fuck****                                             have sexual intercourse (with)

screw (especially US)                         have sexual intercourse (with)

come****                                            reach a sexual climax (orgasm)

wank**** (GB only)                          masturbate

cunt*****                                           woman’s sexual organs

Swan, Michael: Practical English Usage. Oxford 1980, 589.

Nach Pinker (2007, 413) können Schimpf- und Tabuwörter auch in der Form von Akronymen auftreten. Dabei wird aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter ein neuer Ausdruck (Initialwort) gebildet, der überwiegend in Buchstabierweise ausgesprochen wird. Einige dieser Akronyme finden sich im Armee-Slang des Zweiten Weltkriegs:

Acronyms in army slang in World War II:

Pinker, Steven: Der Stoff, aus dem das Denken ist. New York, 2007, 413.

Teilweise tritt die exzessive Verwendung von Schimpf- und Tabuwörtern auch im Kontext bestimmter Erkrankungen, wie dem Tourette-Syndrom, auf. Die folgende Übersicht listet die von Tourette-Patienten verwendeten Schimpf- und Tabuwörter in der Reihenfolge der Häufigkeit ihres Auftretens auf:

fuck, shit, cunt, motherfucker, prick, dick, cocksucker, nigger, cockey, bitch, pregnant-mother, bastard, tits, whore, doody, penis, queer, pussy, coitus, cock, ass, bowel movement, fangu (Italian for "fuck"), homosexual, screw, fag, faggot, schmuck, blow me, wop

Pinker, Steven: Der Stoff, aus dem das Denken ist. New York, 2007, 413.

4. Schimpf- und Tabuwörter im Koreanischen

Die Schimpf- und Tabuwörter im Koreanischen beziehen sich zum Teil auf Eigenschaften einer Person (Intelligenz, Charakter) und bedienen sich zudem des Vergleichs der beschimpften Person mit einem Tier (Hundesohn, Hündin). Andere Schimpfwörter sind eindeutig sexuell motiviert und referieren auf die Geschlechtsorgane von Mann und Frau sowie auf den Geschlechtsakt. In weiteren Schimpf- und Fluchwörtern und komplexeren Ausdrücken wird auf Schicksalhaftes referiert, das einem Menschen mit einem schlechten Charakter widerfahren wird.

Es finden sich im Koreanischen auch Schimpfwörter, die die politische Einstellung eines Menschen thematisieren (linksradikal, rechtsradikal) bzw. mit denen pejorativ auf bestimmte Nationalitäten referiert wird (Yankees).

Auf die (mangelnde) Intelligenz eines Menschen bezogen:

Dummkopf, dummes Huhn: 바보 (babo), 멍청이 (meongcheongi), 골빈놈 (golbin)

Tiervergleich:

Sexuell motivierte Schimpfwörter:

Geschlechtsorgan des Mannes und der Frau:

Sexualakt:

Auf den (schlechten) Charakter eines Menschen bezogen:

Schicksalhaftes, das einem schlechten Menschen widerfahren wird:

Politisch motivierte Schimpfwörter:

Abwertende Bezeichnungen für bestimmte Nationalitäten: 

Auch in der Sprache von koreanischen Schulkindern ist die Verwendung von Schimpf- und Tabuwörtern weit verbreitet. Diese beziehen sich zum einen auf die soziale Schichtzugehörigkeit (Bettler, Unterschichtsangehöriger) und des Weiteren auf Krankheiten und andere körperliche Defizite (Typhuskranker, Behinderter, Unfruchtbarer, Impotenter). Darüber hinaus gibt es eine Reihe weiterer heterogener Schimpf- und Tabuwörter (schmutziges Weib, Unverschämter etc.).  

Bettler:                                                            그지새끼 (geujisaekki), 거지 (geoji),

                                                                        거지놈 (geoji nom)

Unterschichtsangehöriger:                               쌍놈 (ssang nom), 쌍년 (ssangnyeon)

Typhuskranker:                                              앰병 (aembyeong)

Willst du sterben? Soll ich dich töten?            뒤질래 (dweojillae),

                                                                        뒤질랜드 (dweojillaendeu),

                                                                        죽어버려새끼야 (jugeobeoryeoseakkiya)

Behinderter:                                                    장애인놈 (jangaein nom), 애자 (aeja),                                                                                   애자새끼 (aejasaekki),

                                                                        장애인새끼(jangaeinsaekki)

schmutziges Weib/white trash:                       잡련 (jabryeon), 개잡년아 (gaejabnyeona),                                                              쓰레기년 (sseuraegi nyeon)

Dummkopf:                                                    멍청이 (meongcheongi)

Unverschämter, Unverschämte:                      싸가지 (ssagaji)

„Kerl“ ohne Vater:                                          호러새끼 (horeo saekki),

                                                                        호로자슥 (horojaseuk)

„Kerl“ ohne Mutter:                                       에미없는놈 (emiomneun nom)

Unfruchtbarer, Impotenter:                            고자 (goja), 고자섹기 (gojasekki),                                                                             장애인코끼리 (jangaeinkokiri)

Bezüglich der Bildungsmechanismen koreanischer Schimpf- und Tabuwörter überwiegen die Abkürzungen gegenüber den Verschmelzungen des Koreanischen mit der Fremdsprache Englisch:

Abkürzungen:

Verschmelzungen (Koreanisch + Fremdsprache Englisch):

뒤질랜드 (dweojillaendeu) = 뒤질 (dweojil) + 랜드 (laendeu = land)

5. Fazit

Während Schimpfwörter, in der Form von Vulgarismen oder Ethnophaulismen, durch ihre pejorative Bedeutung andere Personen oder Gruppen herabsetzen und beleidigen, entstammen Tabuwörter primär dem tabuisierten religiösen, abergläubischen, politischen oder sexuellen Bereich und unterliegen wie die Schimpfwörter einem Meidungsgebot. Dabei scheinen die Tabus gesellschafts- und epochengebunden zu sein und keine sprachlichen oder kulturellen Universalien darzustellen.   

Für das Deutsche konnte der Bereich der Fäkalien als ein Bereich ausgemacht werden, der durch eine Reihe von Tabuwörtern geprägt ist, die formal, euphemistisch oder dysphemistisch verwendet werden.  Zu vielen dieser Schimpf- und Tabuwörter existieren bereinigte und sozial akzeptierte Alternativformen.

Für den Bereich der „transitivsten aller menschlichen Tätigkeiten“ konnte mit Pinker (2007, 414f.) festgestellt werden, dass die respektlos oder abstoßend auf den Liebesakt referierenden Verben allesamt transitive Verben sind, während die positiv evaluativen Verben intransitiv sind.  In tabuisierten Wendungen wiesen die Tabuwörter häufig keine Analogie mehr zu ihrem ursprünglichen Gegenstand auf und bedienten sich des Tabuworts lediglich, um eine bestimmte Wirkung beim Hörer zu erzielen.

Für die Auswahl und Verwendung von Schimpfwörtern muss eine bestimmte Lautsymbolik angenommen werden. So konnte mit Pinker (2007, 416) festgestellt werden, dass obszöne Ausdrücke häufig aus Einsilbern oder Trochäen mit kurzen und stimmlosen Plosiven oder Zischlauten bestehen.

Für das Englische konnte mit Swan (1980, 589) festgestellt werden, dass viele der englischen Schimpf,- Fluch- oder Tabuwörter den Bereichen annoyance (Verärgerung), Überraschung (surprise), überraschte Frage (surprised question) und Beleidigung (insult) entstammen. Dabei muss auch zwischen einem britischen und US-amerikanischen Sprachgebrauch differenziert werden. Einige der vordergründig auf den sexuellen Bereich bezogenen Verben, wie fuck (up), screw (up) und bugger (up) (GB) können auch in der Bedeutung von ruin, spoil oder destroy (ruinieren, verderben, zerstören) verwendet werden.

Teilweise treten die Schimpf- und Tabuwörter des Englischen auch in Form von Akronymen (Initialwörtern) auf oder sind in ihrer exzessiven Verwendung Teil eines Krankheitsbildes (Tourette-Syndrom).

Im Koreanischen beziehen sich die Schimpf- und Tabuwörter häufig auf Eigenschaften einer Person. Auch Vergleiche der beschimpften Person mit einem Tier sind feststellbar. Darüber hinaus finden sich Schimpfwörter, die eindeutig dem sexuellen Bereich entstammen und auf die Geschlechtsorgane von Mann und Frau oder den Sexualakt referieren. Gelegentlich wird durch Schimpf- und Tabuwörter die politische Einstellung eines Menschen thematisiert oder auf bestimmte Nationalitäten pejorativ referiert. Auch in der Sprache koreanischer Schulkinder finden sich zahlreiche Schimpf- und Tabuwörter.

Hinsichtlich der Bildung koreanischer Schimpf- und Tabuwörter überwiegen die Abkürzungen gegenüber den Verschmelzungen des Koreanischen mit der Fremdsprache Englisch.

6. Literatur

Baek, Haewon Geebi: Dirty Korean. Berkeley (California) 2010.

Bußmann, Hadumod: Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart 1983.

Crystal, David: Die Enzyklopädie der Sprache. Frankfurt/New York 1995.

Lewandowski, Theodor: Linguistisches Wörterbuch Band 3. Heidelberg. 4. Auflage 1985.

Liptak, Peter & Lee, Siwoo: As much as a rat’s tail. Korean Slang. An irreverent look at language within culture. Roseville 2009.

Pinker, Steven: Der Stoff, aus dem das Denken ist. New York 2007. Swan, Michael: Practical English Usage. Oxford 1980.


Copyright © 2014 by Frank Kostrzewa


DaF-Szene Korea Nr. 40

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