Michael Menke

Vorwort


„DaF und Computer“ war bereits einmal Thema der DaF-Szene Korea, in der Ausgabe 13 im Mai 2001. Damals war dieser Schwerpunkt noch nicht so stark im Heft vertreten, lediglich sechs Texte befassten sich mit Unterrichtssoftware, E-Mail oder Internet-Links. In den vergangenen sieben Jahren hat sich einiges geändert, was vor allem die Bedeutung des Computers für jedermann angeht. Hieß es 2001 noch „Einen Computer gibt es mittlerweile in jedem zweiten Haushalt in Korea“, so steht heute wohl in fast jeder Familie ein solches Gerät. Auch aus dem Fremdsprachen-Unterricht sind die neuen Medien, neben dem Computer natürlich auch andere verwandte Möglichkeiten wie MP3, Podcast oder Web-Kommunikation, kaum noch wegzudenken.

Unsere koreanischen Schüler und Studenten (in anderen entwickelten asiatischen Ländern ist es ähnlich) sind mit dieser Entwicklung groß geworden, und so dürfte es eine Selbstverständlichkeit sein, in den modernen Unterricht von Deutsch als Fremdsprache auch diese Mittel einzubauen. Dabei sollte man allerdings darauf achten, dass es Mittel bleiben und der Medieneinsatz nicht zum Selbstzweck wird.

Korea ist ein Land weit abgelegen vom Gebiet der Zielsprache. Außerdem leben in Korea nicht mehr als etwa 1800 Deutsche, Schweizer oder Österreicher, und so ist an die Möglichkeit einer direkten Kommunikation zwischen Deutschlernern und Deutschsprechern kaum zu denken, sieht man einmal von dem Kontakt Student/Schüler – Deutschlehrer/-lektor ab. Will man den Deutschlernenden die Möglichkeit geben, ihre sprachlichen Fähigkeiten unmittelbar anzuwenden, schriftlich oder mündlich, bleiben kaum andere Wege als die der elektronischen Kommunikation.

Auch andere Medien sind aus dem Deutschunterricht kaum noch wegzudenken und bieten durch ihre Weiterentwicklung immer bessere und einfachere Handhabungen. Denken wir nur an das mühsame Spulen der Videokassetten, um an eine gewünschte Stelle im Film zu kommen oder diese zu wiederholen, und die heutzutage bestehende Möglichkeit, einfach eine Stelle auf einer DVD zu markieren und beliebig oft und genau zu wiederholen.

Nicht zu unterschätzen sind auch die positiven Auswirkungen auf die Motivation der Deutschlernenden, die mit abwechslungsreichen Medien wahrscheinlich eher Zugang zu einer fremden Sprache finden als mit trockenen, grammatik-überfrachteten Printmedien.

Sicher, früher hat man nur mit dem Buch und der Tafel gelernt, und viele haben dabei selbstverständlich auch gute Sprachkenntnisse erreicht. Andererseits muss man auch sehen, dass die Gruppe der Lernenden heute ungleich größer geworden ist, und der Lernerfolg nicht nur von materiellen Möglichkeiten und und verfügbarer Lernzeit abhängt. Unterricht muss heute effektiv sein, und gerade der Sprachunterricht in Deutsch steht in scharfer Konkurrenz zu anderen Philologien. Ohne die Hilfe der Technik und die Möglichkeiten der Medien würde unseren Unterricht noch sicherer das Schicksal treffen, vor dem wir ihn doch beständig zu bewahren trachten: Er würde verkommen zu einer weltfremden Übung in Dingen, die keiner mehr braucht.


Copyright © 2007 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 27

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