1. Vorbemerkung: Was dieser Beitrag nicht leisten kann
Der folgende Beitrag kann nur einen knappen Überblick geben über einige Möglichkeiten, das mit der im MS-Office-Paket enthaltenen Software Power-Point gegebene Präsentationswerkzeug sinnvoll im DaF-Unterricht einzusetzen. In schriftlicher Form sind diese allerdings nicht wirklich zufriedenstellend zu veranschaulichen und in ihrer vollen Wirksamkeit nachvollziehbar darzustellen.
Drei weitere Einschränkungen sind vorauszuschicken:
2. Statt einer Einleitung: Power-Point: wann – wozu – warum (nicht?)
Power-Point ist an sich zunächst kein für die Gestaltung von Unterricht, insbesondere Fremdsprachenunterricht, entwickeltes Medium. Dennoch läßt es sich unter bestimmten Voraussetzungen sehr gewinnbringend auch hier einsetzen, da es eine ganze Reihe von Möglichkeiten bereitstellt, Bild-, Text-, Audio- und Videomaterial für einen größeren Personenkreis darzubieten, und zwar in integrierter, aufeinanderbezogener Weise, wobei die Darbietung allerdings nur in engen Grenzen variiert bzw. gesteuert werden kann.
Die Vorteile des Einsatzes von Power-Point kommen dort am stärksten zum Tragen, wo der Unterricht unter erschwerten Bedingungen stattfinden muss, nämlich
Gemeinsam haben alle diese Punkte, dass sie in allgmeiner Weise die Konzentration der Lernenden auf das Unterrichtsgeschehen behindert oder besondere Konzentrationsleistungen von ihnen verlangt. Ein geschickter Einsatz der Mittel der Power-Point-Präsentation kann diese negativen Effekte deutlich mildern.
Mögliche Probleme beim Einsatz von Power-Point leiten sich v. a. aus folgenden Gegebenheiten her:
Angesichts all dieser nicht unbeträchtlichen Schwierigkeiten, die sich beim Einsatz von Power-Point im Unterricht ergeben können, stellt sich unvermeidlich die Frage, ob die evtl. Vorteile des Mediums, all diese Schwierigkeiten überhaupt aufwiegen, geschweige denn vergessen machen können. Die Antwort ist – zumindest im Allgemeinen – ein deutliches Ja: Jeder, der einmal mit einer didaktisch und technisch-gestalterisch halbwegs überzeugenden Power-Point-Präsentation in den Unterricht gegangen ist, wird das kaum leugnen können. Selbstverständlich hängt die Entscheidung, ob man diese Vorteile routinemäßig nutzen will, davon ab, unter welchen Bedingungen jeweils der Unterricht erfolgt: Hat man kleine, motivierte Teilnehmergruppen, die man in übersichtlichen Räumen mit passendem Mobiliar und sonstiger Ausstattung unterrichtet, dazu ein Lehrpensum, das die Unterrichtszeit nicht ständig bis an den Rand überstrapaziert, andererseits aber vielleicht eher knappe Zeit für Vorbereitungen usw., so wird man eher auf den Einsatz von Power-Point verzichten oder das Medium allenfalls für spezielle Zwecke in bestimmten Phasen nutzen (beispielsweise vielleicht bei der Arbeit mit Video- und Audio). Im genau umgekehrten Fall wird man die Möglichkeit, Power-Point zu verwenden (sofern die technischen Voraussetzungen bestehen) sehr bald als Geschenk des Himmels zu schätzen lernen.
Die Sorftware bietet zwar auch eine Reihe von kleinen, im Unterricht auch durchaus vorteilhaft verwendbaren, vielleicht aber nicht wirklich notwendigen Finessen, sein einfaches und wesentliches, vor allem auch unmittelbar überzeugendes „Geheimnis“ besteht aber darin, dass bei sachgemäßer Gestaltung und geschickter Handhabung im Unterricht eine Power-Point-Präsentation ein exzellentes Mittel darstellt, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, zu kanalisieren und zu lenken, und zwar unter vergleichsweise geringem Einsatz von physischer und stimmlicher Kraft seitens der Lehrkraft. Wer es versteht, die entsprechenden Funktionen und damit die Stärken des Mediums zur vollen Wirksamkeit zu bringen, wird angesichts der unschätzbaren Erleichterung (bei gleichzeitigem didaktischen Gewinn, denn ohne Aufmerksamkeit kein Lernen!) nur noch ungern auf seinen Einsatz verzichten mögen.
3. Der Einsatz von Power-Point und die „Rhythmisierung“ des Unterrichts
Wie bereits angedeutet bindet der visuelle Reiz, der selbst von einer nur mittelmäßig aufwendig gestalteten Projektionsfläche ausgeht, unübersehbar die Aufmerksamkeit ungleich wirkungsvoller als selbst beispielsweise eine recht agil und energisch auftretende Lehrkraft allein. Damit dies aber nicht nur ein flüchtiger Eingangseffekt bleibt, bedarf es eines sachgerechten, didaktisch angemessenen und abwechslungsreichen Einsatzes des Mediums im Allgemeinen und seiner Darstellungsmöglichkeiten im Besonderen.
Zunächst: Bis auf wenige und unspektakuläre Ausnahmen wird die Power-Point-Präsentation i. W. die Plenumsphasen des Unterrichts unterstützen. Wenn also Power-Point-Präsentationen im Unterricht verwendet werden, heißt dies nicht, dass – was das Medium nahelegen könnte! – das pädagogische Gebot des kontinuierlichen - selbstverständlich jeweils sachdidaktisch begründeten - Wechsels der Sozialformen (Plenumsarbeit – Gruppenarbeit – Partnerarbeit – Einzelarbeit usw.) außer Kraft gesetzt werden sollte. Abgesehen einmal davon, dass jede Sozialform ihre eigene didaktische Funktion erfüllt und die Erzeugung und Lenkung von Aufmerksamkeit in vielen Sozialformen nicht in der Weise eine Rolle spielt wie bei der Arbeit im Plenum: Auch eine technisch und visuell noch so ansprechend gestaltete Power-Point-Präsentation kann das Aufkommen von Monotonie und Ermüdung nach einer gewissen Zeit nicht verhindern. Die Notwendigkeit einer „Rhythmisierung“ des Unterrichts, also seine Gliederung in wechselnde Abschnitte unterschiedlichen Charakters bleibt also vom Einsatz von Power-Point-Präsentationen unberührt. Dies betrifft allerdings nicht nur den Wechsel der Sozialformen, sondern in gleicher Weise den Wechsel von – wie ich es provisorisch nennen möchte - Mustern von Interaktionsbezug bzw. Interaktionsbeteiligung. Damit meine ich folgendes: Auch in Plenumsphasen sind die komplementären Rollen Lernenden (ob in der Gestalt der Gesamtgruppe oder eines einzelnen Lernenden), Lehrkraft und Medium sowie ihr jeweiliger Grad von Beteiligung an oder Einfluss auf das Interaktionsgeschehen nicht immer gleich verteilt. Ebenso wie der Wechsel der Sozialformen u. a. auch einfach Abwechslung in den Unterrichtsverlauf bringt und den Unterricht in Phasen gliedert oder „rhythmisiert“, gilt dies für Wechsel im jeweils doninanten solcher Muster von Interaktionsbezug/Interaktionsbeteiligung. Um diesen Punkt zu veranschaulichen, werde ich im Anschluss an die später erfolgende Darstellung eines Präsentationsbeispiels (Abschn. 5) auch erläutern, wie sich die besagten Wechsel dort konkret vollziehen (s. Abschn. 6).
4. Lineare (sequenzierende) Darstellung und die Kanalisierung von Aufmerksamkeit
Wie bereits angedeutet gleichen Darbietungen mittels Power-Point charakteristischerweise einem Blick mit dem Vergrößerungsglas auf den Gegenstand: Eine Buchseite beispielsweise lässt sich zwar selbstverständlich auf einem Bildrahmen unterbringen, nur wird das Publikum dann kaum bedeutend viel erkennen können. Man ist daher gezwungen, mit relativ kleinen Ausschnitten, also jeweils mit einzelnen Bildern oder sogar nur Bildteilen und relativ kleinen dazu in Beziehung zu setzenden Textausschnitten zu arbeiten. Wer noch nicht sehr geübt in der Arbeit mit Power-Point ist, wird diese dem Anwender vom Medium auferlegte Beschränkung zunächst als lästige Einengung empfinden. Sie bildet aber in Wirklichkeit den eigentlichen Vorzug des Mediums: Tatsächlich kommt nämlich das, was sich hier in einem Bildrahmen darstellen lässt, dem vermutlich sehr nahe, was der menschliche visuelle Wahrnehmungsapparat zu einem je spezifischen Zeitpunkt bewusst zu fokussieren in der Lage ist. Mit anderen Worten: Das, was in einem Bildrahmen dargestellt werden kann, entspricht auch relativ genau dem, was das Publikum zum gegebenen Zeitpunkt bewusst wahrnehmen kann. Der Autor einer Präsentation kann, ja muss also bis ins Detail hinein steuern, welchen (Bild-, Text- etc.) Informationen in welcher Reihenfolge Beachtung zu schenken ist. Vorausgesetzt, die Präsentation der Einzelheiten erfolgt in didaktisch sinnvoller Sequenzierung und in einerseits hinreichend abwechlungsreicher, andererseits aber nicht durch ablenkende Zusatzeffekte überfrachteter Form, steht damit ein unter didaktischen Gesichtspunkten hochwirksames Instrument zur Verfügung.[1] Und das nicht nur, weil es von vornherein zwingt zu einer didaktisch durchdachten Sequenzierung der thematisierten Bild-, Text- und Tonelemente, sondern auch, weil eine deutlich höhere Gewähr dafür besteht, dass diese Sequenzierung von den Lernenden auch in der beabsichtigten Weise aufgenommen und verfolgt wird. Das folgende Beispiel mag verdeutlichen, wie eine klassische Lehrbuchaufgabe unter Einsatz von Power-Point umgesetzt werden kann:
Bsp (1):
Dieses Beispiel entstammt dem Lehrwerk Schritte international Bd. 4. In der Lektion 11 sollen im Teil B1 einige direktionale und lokale Präpositionen um ...(herum), durch ..., über ..., ... entlang, bis zu ..., an ... vorbei sowie gegenüber eingeführt werden. Dies geschieht auf der Basis einzelner Fragmente einer Wegbeschreibung (Fahranweisung) (die sich potentiell) insgesamt zu einem zusammenhängenden Text zusammensetzen lassen). Die Textragmente (Sätze oder kurze Satzfolgen) sollen Bildern zugeordnet werden, die die Bedeutung der präpositionalen Ausdrücke illustrieren und helfen, diese zu erschließen. Die Beispiele sollen auch die (in einem sogenannten „Grammatikspot“ neben den Texten noch einmal extra präsentierten) Rektionen der Präpositionen erkennbar machen (s. Aufgabenpräsentation im Lehrbuch, Abb. 1).
Abb. 1: Lehrbuchpräsentation der Aufgabe[2]

Der erste (bedeutungserschließende) Teil der Aufgabe lässt sich nun mit Power-Point z. B. so darstellen:
Abb. 2: Linearisierte Präsentation der Aufgabe mit Power-Point
(a) Zunächst wird visuell an die die Lektion einleitende Foto-Hörgeschichte angeknüpft: Dort war bereits die Situation in einem narrativen Kontext in Hörspielform eingeführt worden: Das zugehörige Bild wird dargeboten, dazu wird anschließend die Aufforderung, sich an diesen Kontext zu erinnern eingeblendet., schließlich wird auch noch einmal die kurze zugehörige Audiosequenz eingespielt.
(b) Nach einer Höraufforderung wird schließlich auch noch einmal die kurze zugehörige Audiosequenz eingespielt.
(c) Eine anschließend eingeblendete Sprechblase präsentiert nun die Textfragmente – so wird auch ohne den erläuternden Zusatz schon deutlich, wie man sich diese Textfragmente in die Situation eingebettet zu denken hat.
(d) Der Text wird nun in Großformat gezeigt, ein anschließend sich darüberlegendes überdimensionales Fragezeichen deutet nun an, dass es im Folgenden darum gehen soll, diesen Text schrittweise zu entschlüsseln.

(e) Es folgt die Präsentation der Illustrationen zuerst in einer Gesamtschau. Hier geht es nur darum, den für die Aufgabenerfüllung vorgesehenen Lösungsweg zu verdeutlichen: Die Bilder sollen betrachtet und interpretiert werden, um sie (in einem zweiten späteren Schritt) den Textfragmenten zuzuordnen.
(f) Nun werden in beliebiger Reihenfolge zunächst einmal die Bilder einzeln in Großformat fokussiert (hier wird stellvertretend nur Bild (A) gezeigt). Sie werden gemeinsam besprochen, evtl. wichtige Wörter (Kreisverkehr, Brücke, Kreuzung, Flussufer etc.) können dabei geklärt werden In geübteren Gruppen kann dieser Schritt übersprungen werden. In weniger geübten sprachlich homogenen Gruppen (insbesondere wenn der Unterricht im Herkunftsland der Lernenden stattfindet und somit in der Regel diese auch über einen geringeren Wortschatz verfügen) kann das Gespräch auch in der Muttersprache geführt werden: Es geht hier darum, die entscheidenden, Bezüge zu den Textfragmenten herstellenden Merkmale herauszuarbeiten.
(g) Anschließend werden wieder alle Bilder im Überblick gezeigt, der Textblock mit den Textfragmenten wird zusammen mit der zweiten Aufgabenstellung (Ordnen Sie zu!) eingeblendet.
(h) Der Textblock wird wieder ausgeblendet, stattdessen erscheint nun eines der Textfragmente so groß, dass es gut lesbar ist. Die Lernenden versuchen, das passende Bild zu finden. Hier sollte die Lehrkraft darauf achten, dass alle Lernenden sich aktiv an der Lösungsfindung beteiligen, bei Bedarf bittet er die Lernenden, ihre Lösung nicht unaufgefordert in den Raum zu sprechen, sondern auch den schwächeren Lernenden Zeit zu lassen.
(i) Um die Lösung zu präsentieren, wird die Gesamtschau ausgeblendet, nur das zum Text passende Bild wird – ebenso wie der Text – vergrößert. Es wird noch einmal auf die bei der anfänglichen Einzelpräsentation der Bilder schon herausgearbeiteten Bedeutungsmerkmale hingewiesen.

(k) Um nun die Aufmerksamkeit der Lernenden von der Bedeutung auf die formalen Redemittel zu lenken, wird in der Darstellung die hier zu thematisierende Präpositionalphrase durch eine farbige Unterlegung hervorgehoben.
(l) Damit die Lernenden nun in ihren Büchern die richtige Lösung eintragen können, wird noch einmal der Block mit den Textfragmenten dargeboten, der das passende Bild kennzeichnende Buchstabe wird eingeblendet, schließlich wird auch die Unterlegung hier noch einmal gezeigt, damit die Lernenden selbst in ihren Büchern auch diese Markierung vornehmen können.
Auch wenn hier die (animierten) Einblendungen in ihrer aufmerksamkeitserzeugenden Wirkung nicht nachvollziehbar gemacht werden können, wird sicher doch deutlich, wie durch das Linearisieren bzw. Sequenzieren der Materialdarbietung die Aufmerksamkeit der Lernenden gezielt kleinschrittig durch das Material hindurch gelenkt werden kann. In der Tat erwies sich die fokussteuernde Kraft des Mediums in meiner Unterrichtspraxis als einer der ganz entscheidenden Vorzüge: Für im Wesentlichen um die Lehrkraft zentrierte Phasen der Stoffdarbietung und der Unterrichtsorganisation scheint das Medium eine ideale Plattform zu bieten, die in der Lage ist, auch unter sonst erschwerten Bedingungen die Aufmerksamkeit einer größeren Gruppe so wirkunsvoll zu binden, dass diese Phasen erheblich geringeren Energieaufwand verlangen und gleichzeitig deutlich weniger von der ohnehin knappen Unterrichtszeit verbrauchen. Selbstverständlich geht dies – einer der entscheidenden Nachteile des Mediums - zu Lasten eines deutlich höheren Zeit- und Arbeitsaufwandes für die Erstellung der Präsentationen selbst: Was für den Unterricht an Zeit und Energie gewonnen wird, muss zuvor u. U. mehrfach investiert werden. Diese Investition lohnt sich allerdings auch immer dann, wenn davon ausgegangen werden kann, dass die einmal erarbeiteten Präsentationen mehrfach eingesetzt werden.
5. Audioarbeit mit Power-Point
Ein klarer Vorteil der Arbeit mit Power-Point-Präsentationen im Unterricht ist die Möglichkeit, neben Schrift- und Bild- auch Audio- und Videomedien einzubinden und damit diese im Ganzen oder in vorher zu bestimmenden Teilen auf sehr einfache Weise an einem bestimmten Punkt der Präsentation darzubieten. Dazu müssen diese Medien zwar zuvor entsprechend bearbeitet (v. a. geschnitten) werden, andererseits können sie dann im Unterricht ohne umständliches Umspulen und Ansteuern der gewünschten Ausschnitte, auch ohne die oft störenden Vorspanne dargeboten werden.
Wie eine solche integrierte Präsentation aufgebaut werden kann, zeige ich am Beispiel eines Übungstyps, wie er u. a. im Lehrbuch Schritte (bzw. Schritte international) in jeder Lektion häufig mehrmals in der Arbeit mit Dialogen eingesetzt wird. Es handelt sich dabei um Übungen zum Nachspielen von Kurzdialogen, wobei lediglich einzelne Teile (Phrasen, Wörter) in relativ schematischer Weise variiert werden sollen. Diese Übungen bilden häufig Vorübungen zur Erarbeitung von komplexeren rollenspielähnlichen Sprechübungen, mehr oder weniger freien Kurzinterviews oder anderen ähnlichen oft spielerischen Sprechübungen freierer Art.
Bsp. 2:
Dieses Beispiel[3] folgt auf die Erarbeitung wichtiger Bezeichnungen für Körperteile sowie ihrer mündlich produktiven Verwendung im Rahmen des Satzschemas mein(-e) X tut weh. Der Dialog soll in der Konzeption des Lehrwerks zunächst gehört, dann in Partnerarbeit jeweils nachgesprochen und anschließend variiert werden, wobei die Varianten unter dem Dialog in schriftlicher Form präsentiert werden. Der Dialog dient im Übrigen auch als Beispiel- und Übungsmaterial für die Erarbeitung der Possessivpronomen zu den Anredepronomina du (deine) und Sie (Ihre, ich werde auf diesen Aspekt allerdings hier nicht weiter eingehen, sondern lediglich zeigen, wie die Hör- und Nachsprechübung unter Verwendung von Power-Point umgesetzt werden kann.
Abb. 3: Lehrbuchpräsentation der Aufgabe

Abb. 4: Linearisierte Präsentation der Aufgabe mit Power-Point

(a) Zu Beginn wird das Bild, das Situation und Ablauf des Dialogs illustriert, allein präsentiert. Sinn des Bildes ist es, zur Aktivierung des Situationswissens und zur Ausbildung von Hörerwartungen beizutragen, beides zusammen erleichtert das Hörverstehen. Um diesen Prozess zu unterstützen, können Leitfragen gestellt werden, die nacheinander eingeblendet werden. Die Antworten werden im Anschluss an jede Frage erst eingeblendet, nachdem die Lernenden bereits eigene Antworten gegeben haben; oft sind alternative Antworten möglich. (Bei schwächeren, muttersprachlich homogenen Gruppen, besonders solchen, die im Herkunftsland unterrichtet werden, kann dieses Gespräch auch in der Muttersprache erfolgen, Fragen und Antworten sollten aber ruhig in deutscher Sprache gezeigt werden.). Bei Bedarf können einzelne Bildelemente durch (animierte, z. B. blinkende) Umkreisungen oder auch Pfeile hervorgehoben werden, wie dies hier in zwei Fällen (Hand, Salbe) geschieht.

(b) Um das Ausbilden von Hörerwartungen zu üben, kann ein kleiner Exkurs eingeschaltet werden, indem die Lernenden explizit aufgefordert werden, sich vorzustellen, was die beiden Frauen sagen, sie sollen (in Partnerarbeit) einen kurzen Minidialog zu der Szene entwerfen.

(c) Einige der Dialoge werden vorgetragen. Wiederkehrende Aufgabenstellungen wie „Hören Sie!“, „Lesen Sie!“, „Schreiben Sie!“, „Sprechen Sie!“, „Spielen sie vor!“ etc. können ähnlich wie das in Lehrbüchern häufig geschieht, in der Power-Point-Präsentation ebenfalls mit gleichbleibenden ikonischen Symbolen dargestellt werden, so dass auf zeitraubende ausführliche und/oder wiederholte Erläuterungen in aller Regel bald verzichtet werden kann.

(d) Nun wird der Dialog einmal im Ganzen gehört, die Lernenden vergleichen dabei mit den selbstentworfenen und vorgetragenen Dialogen zunächst v. a. auf der inhaltlichen Ebene.

(e) Die nun anschließend präsentierten Fragen (ich zeige hier nur die beiden Aufgaben zu den ersten beiden Gesprächsbeiträgen des Dialogs, für den dritten ist das Verfahren analog) beziehen sich zwar scheinbar auf inhaltliche Elemente, führen aber v. a. auch schon an die verwendeten Redemittel heran: Entweder durch die Frageformulierung (Wie sieht ... aus?) oder alternative Antwortvorgaben (schlimm, ganz schön) wird neues, im Dialogtext enthaltenes lexikalisches Material eingeführt, die Lernenden sollen es dann beim zweiten bzw. dritten Hören des gesamten Dialogs im Gesamtkontext wiedererkennen. Zur Kontrolle wird, nachdem die Lernenden bereits Antwortvorschläge gemacht haben, noch einmal der kürzeste sinnvolle Ausschnitt aus dem Dialog – hier der jeweils fragliche, aus nur einem Satz bestehende gesamte Gesprächsbeitrag - zum Hören vorgespielt. Ein solches Präsentieren von Audio-Ausschnitten ist mit Hilfe von Power-Point-Präsentationen ohne Zeitverlust möglich: Die betreffenden Stellen müssen allerdings zuvor mit einem Audioeditor herausgeschnitten und anschließend in die Präsentation eingefügt werden. Sie werden dann in der zuvor festgelegten Phase der Präsentation automatisch angespielt, umständliches Suchen und Umspulen entfällt.
Zum Schluss wird dann noch für alle sichtbar die Markierung der richtigen Lösung in die Präsentation eingeblendet

(f) Nachdem auch der letzte Gesprächsbeitrag mit einer ähnlichen Aufgabe inhaltlich und formal erschlossen ist, geht es nun an den Hauptteil der Aufgabe: Der Dialog wird nun in der vorliegenden Form eingeübt, dazu muss er in Abschnitten mehrmals gehört und nachgesprochen, schließlich in Teilen und dann als Ganzes frei nachgesprochen werden. Beim abschnittsweisen Einüben nun lässt sich Power-Point besonders wirkungsvoll einsetzen:

(g) Zunächst wird ein Sprechersymbol präsentiert. Es zeigt einfach nur an, wer etwas sagt und dass etwas gesagt wird. Dann folgt die Audioeinspielung des zuvor ausgeschnittenen und eingefügten Hörtextabschnittes.

(h) Nur um sicherzugehen, dass das Gehörte auch in allen seinen formalen Details wahrgenommen wird, blendet man den Text in geschriebener Form ein.[4] Nun wird durch eine Animation (z. B. Blinken) des Sprechersymbols angezeigt, dass die Lernenden (im Chor, die Lehrkraft begleitet) den gehörten (und gelesenen Satz) nachsprechen sollen. Anschließend wird die schriftliche Darstellung der Äußerung ausgeblendet, sie wird noch einmal als Audioausschnitt eingespielt, wieder beginnt das Sprechersymbol zu blinken: die Lernenden sollen nun die Äußerung ohne die schriftliche Vorlage nachsprechen.
In derselben Weise werden auch die übrigen Gesprächsbeiträge eingeübt.

(i) Um den Gesamtüberblick über den Dialog nicht aus den Augen zu verlieren, wird noch einmal der ganze Dialog angehört, anschließend werden zunächst die Sprechersymbole allein präsentiert, der gesamte Dialog wird nun gemeinsam rekonstruiert, dann werden bei Bedarf zur Kontrolle ein letztes Mal die einzelnen Gesprächsbeiträge noch einmal nacheinander schriftlich präsentiert.

(k) Nun sollen die Lernenden den Dialog zwei- bis dreimal in den komplementären Rollen mit verschiedenen Partnern durchspielen, zur Unterstützung kann dazu wieder das Bild zum Dialog gezeigt werden, dazu werden die Sprechersymbole, evtl. zunächst als Hilfe auch die Anfänge der Gesprächsbeiträge eingeblencerden beim letzten Übungsdurchgang ausgeblendet).

(l) Im letzten Teil der Aufgabe sollen nun Variationen geübt werden. Dazu wird einfach das Wort Hand nacheinander durch Bezeichnungen für andere Körperteile ersetzt, entsprechend müssen Deklination des Possessivpronomens sowie die Personalpronomen verändert werden. Dies wird zunächst gemeinsam geübt, wobei jeweils ein Bild präsentiert wird, auf dem der betreffende Körperteil dargestellt ist. Außerdem erscheinen die Sprechersymbole, evtl. ergänzt durch noch weiter reduzierte Satzanfänge. Zur Markierung der Dialogphase, in der man sich befindet, kann jeweils das betreffenden Sprechersymbol animiert werden. Mehrere oder bei Bedarf alle Varianten werden so einmal gemeinsam durchgespielt.

(m) Schließlich üben die Lernenden die Varianten zu zweit, wobei sie immer wieder die Sprecherrollen wechseln.. Als Stimuli werden die Bilder eingeblendet, sie können aber auch extra als Dialogkarten ausgedruckt und verteilt werden. In diesem Fall legen die Paare den gemischten Kartenstapel vor sich auf den Tisch, abwechselnd nimmt jeder Partner eine Karte und beginnt mit der passenden Dialogvariante.
Es mag deutlich geworden sein, dass im Fall der Arbeit mit Audiomaterial der Einsatz von Power-Point ganz besonders dort von großem Nutzen ist, wo die wiederholte Präsentation von kleinen Ausschnitten eines Hörtextes notwendig ist. Dies gilt insbesondere für Nachsprechübungen, die bei der Verwendung eines einfachen CD-Players kaum in derselben Weise durchgeführt werden können. Hier müsste dann ausschließlich die Lehrkraft die Einzeläußerungen vorsprechen. Doch auch im Fall von klassischen Hörverstehensübungen kann es sinnvoll sein, in bestimmten Momenten einzelne Ausschnitte v. a. zur Kontrolle noch einmal nachzuhören. Ein weiterer Vorteil der Arbeit mit Power-Point liegt darin, dass sich Bild-, Text- und Audiomaterial mit diesem Instrument sehr eng und in allen ihren Einzelelementen getrennt aufeinander bezogen präsentieren lassen. Dadurch wird deutlich weniger Zeit damit verbracht, auch in einer größeren Gruppe einen gemeinsamen Fokus auf diese Elemente und ihre Beziehungen zueinander herzustellen.
6. Wechselnde Muster von Interaktionsbeteiligung/Interaktionsbezug
Anhand der zuletzt dargestellten Sequenz lässt sich nun - wie in Abschnitt 3 bereits angekündigt - auch zeigen, wie sich ein kontinuierlicher Wechsel der Sozialformen und der Muster von Interaktionsbeteiligung/Interaktionsbezug (s. Abschn. 3) auch im power-point-gestützten Unterricht erreichen lassen:
Zu Beginn der dargestellten Sequenz befindet sich die Lehrkraft in einem „geleiteten Unterrichtsgespräch“ mit den Lernenden: sie stellt Fragen zum Bild, wobei nicht nur das Bild selbst projiziert, sondern auch die Fragen, evtl. auch mögliche Antworten dargeboten werden: Stellt man sich den Bezug zwischen Lehrkraft, Lerngruppe und Medium als ein Dreieck vor, so sind alle drei Pole einbezogen, die Lehrkraft dominiert durch ihre Fragen wesentlich Inhalt und Verlauf des Gesprächs, die Projektion bietet den Gesprächsgegenstand dar und „untertitelt“ gewissermaßen die elementaren Beiträge der Lehrkraft. Mit den beiden Prokjektionsrahmen in der Phase (b) tritt eine Verlagerung ein: Die Sozialform wechselt, es wird in eine Phase der Partnerarbeit übergegangen, die Lehrkraft ist nun im Wesentlichen nur noch beobachtend an der Interaktion beteiligt, eine Bezugnahme auf das über das Medium dargebotene Bild ist möglich, aber nicht nötig – es ist bereits aus der vorhergehenden Phase hinreichend bekannt.
Am Ende der Partnerarbeitsphase werden die Ergebnisse in Ausschnitten präsentiert, die Sozialform wechselt wieder zurück zur Plenumsform, allerdings ist nun die Lehrkraft lediglich moderierend beteiligt, während die präsentierenden Paare die dominierenden Beiträge liefern und das Medium gewissermaßen „schweigt“.
In der folgenden Phase (d-e) steht nun die mediale Darbietung (des Hörtextes) im Mittelpunkt. Die Sozialform (Plenum) wird beibehalten, aber die Rollen der Beteiligung verändernc1ie Rolle der Lehrkraft lässt sich vielleicht am ehesten so charakterisieren, dass sie einerseits die mediale Darbietung steuert, gleichzeitig aber auch die darauf bezogenen Beiträge aus dem Plenum auswählt, hervorhebt, evtl. kommentiert – es handelt sich also auch hier um eine Art Moderation, wobei der Ablauf des unterrichtlichen Interaktionsgeschehens anders als im anfänglichen geleiteten Unterrichtsgespräch vom Medium abhängig ist und nicht umgekehrt das Medium lediglich die Aktivitäten der Lehrkraft stützt.
In der folgenden Phase (f-i) der Einübung des Dialogs tritt die Lehrkraft noch ein Stück weiter in den Hintergrund – ihre Funktion besteht nun nur noch darin, die von der medialen Darbietung im Prinzip vollständig gesteuerten Abläufe im Plenum zu koordinieren.[5]
Kurzzeitig wird dann wieder die Sozialform gewechselt (k): Während der Dialog (in Partnerarbeit) nachgespielt wird, bleibt auch das Medium inaktiv, die Präsentation dient lediglich als Referenz für den Eventualfall.
Bei der anschließenden Einübung der Variationen im Plenc1ernimmt die Lehrkraft wieder eine dominierende Rolle. Die allgemeinen Vorgaben liefert zwar wieder die mediale Präsentation, doch muss nun die Lehrkraft bei den variierten Dialogteilen evtl. die korrekten Äußerungen zunächst vorgeben und die Beiträge der Lernenden überprüfen und gegebenenfalls korrigieren.
Zum Schluss wird dann wieder in Paaren gearbeitet. Die Lehrkraft zieht sich dabei auf eine minimale Beobachterrolle zurück, dem Medium fällt – je nach Art der Durchführung - eine bloße Referenzfunktion zu, sofern es überhaupt noch benötigt wird.
7. Schluss
Es sollte klar geworden sein, dass das vorliegende Plädoyer für einen – bewussten und durchdachten - Einsatz von Power-Point im Unterricht weder verstanden werden darf als ein Zurückgehen hinter die Errungenschaften eines durch den Wechsel von Sozialformen und durch andere Formen der Rhythmisierung des Unterrichtsablaufes abwechslungsreich gestalteten Unterrichts. Selbstverständlich muss dabei dieser Wechsel im konkreten Fall bestimmt sein von didaktischen Gesichtspunkten, die über die allgemeine Notwendigkeit, Abwechslung und Vielfalt in das Unterrichtsgeschehen zu bringen, hinausgreifen. Aus diesem Grunde wurde auch die Darstellung des Beispiels (2) zunächst unter Ansehung der je spezifischen didaktischen Motivationen aller Einzelschritte vorgenommen und erst anschließend gezeigt, wie im Ergebnis auch Sozialformen und Muster von Interaktionsbezug und -beteiligung einander in stetigem Wechsel ablösen. Ich habe - wie gesagt – hier nur einige wenige grundlegende Möglichkeiten und Prinzipien der Arbeit mit dem Präsentationsmedium Power-Point darstellen können – dabei habe ich mich um eine kritische Perspektive bemüht, die nicht verschweigt, dass das Medium (a) sich nicht jedem Anwender ohne Weiteres erschließt, sondern dass sein Einsatz erlernt werden will, wobei es mehr als um die rein technischen Aspekte v. a. um den souveränen kreativen Umgang mit seinen spezifischen Möglichkeiten und Grenzen geht. Außerdem wurde (b) auch darauf hingewiesen, dass bei der Entscheidung für oder gegen den Einsatz des Mediums neben der Frage nach dem Vorhandensein der wünschenswerten technisch-räumlichen Voraussetzungen auch die Frage nach seinen Vor- und Nachteilen (insbesondere dem Vorbereitungsaufwand) vernünftiger Abwägung bedarf: Der unbestreitbare didaktische Gewinn relativiert sich nämlich dort, wo der Unterricht unter – bezogen auf räumliche Bedingungen, Teilnehmerzahl, verfügbare Unterrichtszeit, hohe Motivation der Lernenden u. a. - vergleichsweise sehr guten Bedingungen erfolgt. Zumindest aber im universitären Deutschunterricht in Korea wird man in dieser Hinsicht zumeist hinreichend Grund haben, sich zu fragen, ob der Einsatz von Power-Point nicht einiges dazu beitragen könnte, die negativen Folgen der oft für den Unterrichtserfolg abträglichen äußeren Bedingungen um einige entscheidende Grade abzumildern.
[1] Noch einmal sei darauf hingewiesen, dass der Einsatz von Power-Point i. W. nur dort sinnvoll ist, wo die Unterrichtsinteraktion – aus guten Gründen – stark auf die Lehrperson zentriert sein soll. Das Medium wird dann falsch gebraucht, wenn es dazu verleitet, lehrpersonunabhängigere Sozialformen im Unterricht und autonomere Formen des Lernens innerhalb und außerhalb des Unterrichts zu verdrängen!
[2] Schritte 4 interantional, Kursbuch L. 11, Aufg. B1, S. 41
[3] Schritte 2, L. 10, A3 (a), S. 26
[4] Ich favorisiere unbedingt, dass sich die Lernenden, wo immer möglich an Gehörtem, nicht an Geschriebenem orientieren, zumindest, wo Äußerungen als Vorbild für die eigene Produktion dienen: Einmal kann nur die direkte mentale Repräsentation der phonologischen Form den Ausgangspunkt für die spontane mündliche Produktion bilden. Die schriftliche Repräsentation muss ja erst interpretiert und in eine phonologische Form übersetzt werden. Weiterhin verstärkt sich – auch wenn die phonologische Form selbst schon durch muttersprachliche phonologische Muster verzerrt wahrgenommen und repräsentiert wird, auf dem Wege einer ausschließlichen phonologischen Interpretation der schriftlichen Repräsentation der Einfluss phonologischer Inferenzen unvermeidlich, da das muttersprachliche Muster als Ausgangspunkt und Korrektiv der eigenen Produktion (tendenziell) ausgeschaltet wird.
[5] Tatsächlich wäre es unter rein funktionalen Gesichtspunkten ohne Weiteres denkbar, die Einübung in eine Einzelarbeitsphase zu verschieben, die Lehrkraft wäre dann ganz überflüssig. Jeder Lernende müsste nur über einen eigenen Computerarbeitsplatz verfügen, für akustische Abschirmung müsste gesorgt sein.
Copyright © 2007 by Marcus Stein