Olav Schroeer

Was Sie schon immer über Podcasts wissen wollten: 14 Fragen zum Thema Podcasts im DaF-Unterricht


Podcast – was ist das?

Viele halten es für einen der entscheidendsten gegenwärtigen Medientrends und reden davon, dass Podcast derweil das Internet erobert. Denn der Podcast-Benutzer stellt sich sein eigenes Programm zusammen, indem er die von dem Podcast-Anbieter (Podcaster) erstellten und im Internet befindlichen Audio- und Videobeiträge herunterlädt, um sie zu einem von ihm selbst gewählten Zeitpunkt zu konsumieren. Diese neue technische Entwicklung machte das 1987 vom Fraunhofer Institut für Digitale Medientechnologie entwickelte MP3-Format möglich.

Denglisch „Podcast“ – was steht hinter dieser Wortkomposition?

Der Begriff Podcast setzt sich zusammen aus dem englischen Begriff für Sendung, Broadcast, und dem Namen des beliebten MP3-Spielers iPod. Es bedarf jedoch keinen iPods zum Hören der Audiodateien im MP3-Format. Vielmehr reicht ein einfacher MP3-Spieler zum Hören von MP3-Dateien. Seit Juni 2005 gibt es die ersten deutschsprachigen Video-Podcasts in den Video-Formaten MPEG-4 u. H.264.

Was für Möglichkeiten bietet Podcast?

Jeder kann selbst einen Audio-, Videobeitrag als Podcast produzieren – die Audiovariante unter anderem mit dem Audioschnittprogramm Audacity (http://audacity.sourceforge.net/). Genauere Information, wie man einen Podcast erstellen kann, bietet z.B. die Internetseite www.schulpodcasting.info/ an. Und jeder kann einen Podcast jederzeit und mit dem entsprechenden Abspielgerät überall hören / sehen. Im Angebot sind Mitschnitte von Fernseh- oder Radiosendungen, Kinotrailer, private Reiseberichte, Interviews, Sparten-Nachrichten, literarische Lesungen, Hörbücher und vorgelesene Zeitungsartikel. Als empfehlenswerte Podcast-Verzeichnisse erweisen sich www.podcastzentrale.de, www.podcast.de und www.podster.de.

Was aber kann man mit Podcasts im DaF-Unterricht machen?

In diesem Kontext lassen sich beide Möglichkeiten, das Produzieren eigener Podcasts wie auch das Einsetzen von Audiobeiträge zur Schulung des Hörverstehens, einsetzen. Da Podcasts selbst zu produzieren technisch aufwändig ist und folglich auch nicht von jedermann verwirklicht werden kann, wird zunächst die rezeptive Verwendung von Podcasts im DaF-Unterricht beschrieben. Anschließend wird dargelegt, inwieweit es aus methodisch didaktischer Hinsicht Sinn macht, Podcasts zu produzieren. 

Warum ist Podcast speziell für autonomes Lernen in ostasiatischen Ländern sehr geeignet?

Authentische Audio-Dateien eignen sich zum Erlernen der rezeptiven Fähigkeiten. Der Deutsch-Lernende kann mit Podcasts – unter anderem autonom – üben, sein Verstehen gesprochener Texte in der Zielsprache zu verbessern. Dies ist eine Notwendigkeit insbesondere für ostasiatische Lerner, die jenseits eines grammatik-orientierten Fremdsprachenunterrichts immense Probleme, insbesondere bei Hörverstehensübungen haben, zumal Hörtexte in der häufig angewandten Grammatik-Übersetzungs-Methode anscheinend vernachlässigt werden. Da sich der Lernende in der eigenen Biographie bedingt durch die eigene lebensweltliche Situation beim Erlernen einer Fremdsprache Deutungs- und Emotionsmuster angeeignet hat (Zum Beispiel: Fremdsprachenlernen ist in erster Linie Grammatiklernen), die das weitere Aneignen von Wissen und Lerntechniken prägen bzw. beeinflussen (Hörverstehensübungen haben beim Erlernen der Fremdsprache nicht den gleich hohen Stellenwert wie die Grammatik und ferner rufen sie bei den Lernenden Ängste hervor, da nichts von dem Gesagten verstanden wird.), ermöglicht nur eine Transformation dieser bisherigen Deutungsmuster, Sichtweisen und Erklärungsansätze, ein Lernen zweiter Ordnung eine Veränderung, Weiterentwicklung der gewohnheitsmäßigen Sicht- und Fühlweisen: Fremdsprachenlernen heißt vor allem Sprechen, Hören, Lesen und Schreiben lernen. Die Grammatik lernt man eher orientiert an ihrer kommunikativen Funktion im Sprachgebrauch. Wenn die vertrauten Deutungsmuster vom Lernenden erkannt und in Frage gestellt werden, kann er sich auf neue Sicht- und Verhaltensweisen einlassen. Dem Hörverstehen kann dann von Seiten des Lernenden eine größere Bedeutung beigemessen werden. Der Lernende erhält durch entsprechende Lernarrangements die Fähigkeit, sich – unter anderem auch bei Hörverstehensübungen – Methoden zur selbstständigen Wissenserschließung, Systematisierung und Aneignung zu erarbeiten. Als wichtig erweist sich im Unterricht somit das selbstständige Lernerhandeln und das ergebnisorientierte Fördern von methodischer Kompetenz und Souveränität der Lernenden. Dieser kann bei Hörverstehensübungen mit authentischen Audiodateien Lernfortschritte wahrnehmen: ein intensives Hör- und Gedächtnistraining, eine Steigerung der zeitlichen Länge und ein souveräner Umgang mit veränderten Aufgabenstellungen zum Hörverstehen.

Was beeinflusst maßgeblich das Hörverstehen?

Verschiedene Faktoren haben Einfluss auf das Hörverstehen: zum einen der Sprecher mit der für ihn charakteristischen Stimme, Aussprache, Intonation, Artikulationsweise, Wortwahl, Pausensetzung, Mimik, Gestik usw., zum anderen der Hörer mit seinem Vorwissen, seiner Erwartungshaltung, seiner Hör- und Konzentrationsfähigkeit und mit seinen sprachlichen Voraussetzungen. Ausschlaggebend ist letztendlich auch die in der Situation vorgegebene Sprache: Ist sie authentisch oder nicht authentisch? Wirkt sie spontan oder vorbereitet? Bei den Versuchen, spontan gesprochene Situationen – Diskussionen oder Dialoge aus dem Lebensalltag – mittels ausgefeilter Textvorlagen zu imitieren, verschwinden häufig die Charakteristika der spontan gesprochenen Sprache (wie zum Beispiel Pausen, Tempowechsel, Abbrüche und Neueinsätze) oder die Situationen wirken aufgrund klischeehafter Rollen oder auch aufgrund des Versuchs, erschwerende Momente wie undeutliches, schnelles Sprechen bzw. dialektale Färbungen und störende Geräusche quasi authentisch einzusetzen, derart artifiziell, dass sie nur noch als didaktischer Selbstzweck identifiziert werden können – ein Vorwurf, den man gegenüber einigen Lehrwerken äußern kann. Deshalb sollte man den Einsatz authentischer Hörtexte favorisieren. Denn authentisches Hörmaterial zeichnet sich durch die typischen strukturellen Merkmale gesprochener Sprache aus, die einen maßgeblichen Einfluss auf Prozesse und Strategien des Hörverstehens haben: Vorzufinden sind Auslassungssätze, Pausen, Korrekturen, Unterbrechungen, Wiederholungen usw.. Würde man diese typischen syntaktischen und semantischen Redundanzen und Inkongruenzen aus didaktischen Gründen aussparen, könnten die kognitiven Verarbeitungsprozesse (zu nennen wären hier neben den Interferenzen und den Antizipationen auch die Speichervorgänge) entscheidend umgewandelt werden.

Wie müssen die Audiodateien und die dazu entwickelten Übungen für einen erfolgreichen Einsatz im DaF-Unterricht beschaffen sein?

Hörverstehensübungen müssen vom Inhaltlichen her beim Lernenden als interessant wahrgenommen werden, um bei ihm Aufmerksamkeit zu erwecken. Zu vermeiden gilt es, Hörtexte zu verwenden, die sich als unterfordernd erweisen, weil die darin vermittelten Informationen schon hinlänglich bekannt sind oder weil die neuen Informationen sprachlich unterkomplex, dem Niveau des Lernenden nicht entsprechend vermittelt werden. Podcasts erweisen sich aufgrund der verwendeten Lexik, Grammatik und Stilistik bei authentischen Hörtexten speziell für den DaF-Unterricht auf fortgeschrittenem Niveau als geeignet. Für Anfängerkurse wäre dieses Hörmaterial in der Regel zu komplex bzw. zu kompliziert und entspräche nicht dem Lernniveau.  

Was sind die Vorzüge von Podcasts im DaF-Unterricht?

Es lässt sich durch die Auswahl verschiedener Podcasts nicht nur sehr gut üben, die Länge eines Hörtextes zu steigern, sondern außerdem werden die Hörenden mit vielen unterschiedlichen Sprecherstimmen konfrontiert und zu den Audiodateien können die unterschiedlichsten Aufgabenstellungen entwickelt werden. Ferner können verschiedene Arten der Hördiskrimination geübt werden: das selektive globale / extensive / kursorische Hören, bei dem weniger die einzelnen Informationsteile einer Äußerung als das allgemeine Verständnis im Vordergrund steht; das selegierende / selektive Hören, wo nur Einzelinformationen je nach Hörererwartung oder -interesse der Gesamtäußerung entnommen werden müssen; und das detaillierte / intensive / totale Hören, bei dem einzelne Detailinformationen im Rahmen der Gesamtäußerung verstanden werden müssen.

Welche öffentlichen Radiosender erweisen sich als interessant für den DaF-Unterricht?

Die folgende Übersicht stellt keineswegs den Anspruch, vollständig zu sein. Vielmehr ist es eine Auflistung von verschiedenen Radiosendern und ihren Sendungen, die erfolgreich im DaF-Unterricht eingesetzt wurden. Beim öffentlichen Radiosender Bayern bietet die SendungradioDuo für DaF-Lernende im Niveaubereich C1 halbstündige Gespräche mit Menschen, die man – unter Umständen – kennt, aber erst entdecken muss. Für Lehrkräfte, die gerne aktuelle deutsche (Pop-)Musik im Unterricht einsetzen, ist die Sendung Zündfunk  sehr zu empfehlen, da es in dieser Sendung viele Interviews mit musikalischen Newcomern und alten Pop-Helden gibt und somit die Lernenden im Bereich B1- B2 interessante Hintergrundinformationen zur deutschen Musikszene erhalten. Das Deutschlandradio und der Deutschlandfunk bieten sehr informative, sprachlich aber auch recht anspruchsvolle Beiträge zu den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Literatur und Kultur. Bei der Deutschen Welle gibt es seit März 2008 keine DW-Reportagen mehr, aber auch die Nachfolgesendungen hautnah und Unterwegs wie auch das DW-Feature Weltblick lassen sich sehr gut im DaF-Unterricht einsetzen. Der NDR offeriert neben den sehr informativen Radiosendungen bei NDR Info und NDR Kultur eine sich im DaF-Unterricht immer wieder als sehr großen Lacherfolg erweisende Comedy-Sendung namens N-Joy Pisapolizei. In dieser Sendung werden deutschen Jugendlichen sehr einfache Fragen gestellt, wie z.B.: Berufe raten: Was ist ein Urologe? „Wenn die Uhr kaputt ist, geht man dahin.“ Dass die Antworten zum Teil obskur, zum Teil sogar peinlich sind, bemerken schon Hörer auf dem sprachlichen Niveau von B1. Beim WDR 2 lassen sich die Radioquarks mit Ranga Yogeshwar sehr gut für das Vorbereiten auf TestDaF- oder DSH-Prüfungen verwenden, weil in diesen Sendungen wissenschaftliche Fragen – sowohl den Lebensalltag als auch das Universum betreffend –einem populärwissenschaftlich interessierten Publikum spannend und verständlich beantwortet werden. Der WDR 5 wiederum bietet eine Vielzahl von Radiosendungen, die sich als ideal für die Podcastverwendung im DaF-Unterricht erweisen. Zu nennen wären hier die für Kinder ausgerichtete Sendereihe Lilipuz mit den Klicker-Kindernachrichten, mit der Bärenbude und mit der Sendung Herzfunk, die Wissenschaftssendung Leonardo, speziell mit ihrer Kleinen Anfrage und letztendlich auch noch das Zeitzeichen.

Wie lassen sich die genannten Radiobeiträge für den DaF-Untericht didaktisieren?

Bei den Kindernachrichten Klicker präsentiert der Kinderradiokanal (KiRaKa) leicht verständliche Nachrichten, die durch Klingelzeichen voneinander getrennt sind. Deutschlerner mit Sprachkenntnissen auf Niveau B1 können mit dieser Sendung sehr gut das globale Hören üben, indem sie nach dem – unter Umständen wiederholten – Hören folgende Aufgaben beantworten: Wie viele Nachrichten habe ich gehört? Woher stammt die Nachricht? Was ist das Thema der Nachricht?

Bei der Radiosendung Bärenbude werden idiomatische Redewendungen von den Kuschelbären Johannes und Stachel erklärt. Hier gibt es recht bärige Erkenntnisse zu vielen deutschen Redewendungen. Man darf den beiden aber nicht immer glauben, denn oft binden die beiden dem Zuhörer einen Bären auf. Die Erklärungen verleiten auf jeden Fall oft zum Schmunzeln. Deutschlerner mit Sprachkenntnissen auf B1-Niveau sollen versuchen, anhand der Ausführungen der zwei Bären die Bedeutung von idiomatischen Redewendungen zu verstehen. Bei der Sendung „Strahlen wie ein Honigkuchenpferd“ zum Beispiel sollen die Zuhörer nach zweimaligen Hören entscheiden, welche der angegebenen Antworten die richtige Antwort ist: a) Man lacht wie ein Pferd; b) Das ist ein Pferd, das Honigkuchen frisst und dann lacht; c) Wenn man ein schönes Pferd sieht, freut man sich und strahlt dann; d) Man lächelt über das ganze Gesicht.

In der Sendereihe Herzfunk werden Fragen zum Thema Körper, Liebe und Gefühle, die Jugendliche der Redaktion zuschickten, beantwortet. Deutschlerner mit Sprachkenntnissen auf B1 - B2-Niveau werden in der Lage sein, mit diesen Radiobeiträgen das selektive Hören zu üben. Nach dem Markieren von Schlüsselwörtern in den Fragen sollen sie sich beim mehrmaligen Hören auf bestimmte Informationen und Schlüsselwörter konzentrieren. Da viele Beiträge Fragen zur Sexualität erörtern, könnte es problematisch sein, diese Audiodateien im Unterricht einzusetzen. Denn die Teilnehmer könnten dabei vielleicht mit Tabuthemen konfrontiert werden. Deshalb sollten die entsprechenden Sendungen lieber kursbegleitend zu Hause als Ergänzungsübungen eingesetzt werden. Viele Sendungen erweisen sich aber als absolut unbedenklich im DaF-Unterricht und schaffen eine angenehme Atmosphäre, wie zum Beispiel der Radiobeitrag „Ab wie vielen Jahren können Babys lachen?“ Folgende Fragen gilt es nach mehrmaligem Hören zu beantworten:

  1. Ab wann lächeln Babys und warum lächeln sie? Ab welcher Woche lächeln Babys, wenn sie das Gesicht ihrer Mutter sehen?
  2. Die Moderatorin sagt, Kinder sind „kluge Beobachter“. Warum?
  3. Wann können Babys mit Geräuschen lachen?
  4. Die drei Kinder sagen, warum sie als Baby gelacht haben. Nennen Sie zwei Angaben.
  5. Was passiert, wenn das Baby 6 oder 7 Monate alt ist?
  6. Die Babys lachen über sich selbst. Was bedeutet das?

Das Besondere bei den Radiobeiträgen vom Deutschlandfunk und Deutschlandradio: Zu vielen der Radiobeiträge aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Literatur und Kultur werden Transkriptionen angeboten, so dass die Deutschlerner mit Sprachkenntnissen auf B2 / C1 / C2-Niveau nach dem Hören die Manuskripte der Radiosendungen lesen können. Speziell das zweite Hörverstehen der TestDaF-Prüfung kann mit diesen Sendungen geübt werden. Denn zu den Beiträgen lassen sich sehr gut Aufgaben mit dem Schema richtig oder falsch entwickeln, wie zum Beispiel bei der Radiosendung „Affen lachen anders“ - Richtig oder falsch?

  1. Menschen erkennen sofort, ob Affen lachen.
  2. Nicht nur Menschen, sondern auch Menschenaffen lachen beim Kitzeln.
  3. Nur die Tierpfleger durften die Affen kitzeln.
  4. Ein Hilfsmittel der Untersuchung war der Computer.
  5. Beim Lachen von Menschenaffen gibt es kaum große Variationen.
  6. Die Forscherin interessiert sich für die Evolution des Lachens.
  7. In der evolutionären Entwicklung sind uns die Gorillas am nächsten, dicht gefolgt von den Schimpansen und Bonobos.
  8. Das Lachen bei einigen Arten der Menschenaffen hat eine größere Komplexität als das Lachen der Menschen.
  9. Es gab Schimpansen, die beim Kitzeln gar nicht lachten.

Transkriptionen gibt es auch bei der Radiosendung Die kleine Anfrage, in der Alltagsrätsel mit spannenden wissenschaftlichen Antworten gelöst werden.  Deutschlerner mit Sprachkenntnissen auf B2 / C1-Niveau können beim Hören nicht nur das selektive, sondern auch das detaillierte Hören üben, indem sie zum Beispiel neben den offenen Fragen auch die auf ihrem Arbeitsblatt angegebenen Sätze sinngemäß beenden müssen:

ABC – Warum hat das Alphabet gerade diese Reihenfolge?

  1. In welchen Kulturen hat sich die Reihenfolge unseres Alphabets kaum verändert?
  2. Wie lange schon dauert die Geschichte der Schrift?
  3. Bei der Sprache ist der Mensch eher __________________________
  4. Wo waren die Ursprünge unseres Alphabets?
  5. Was waren die ältesten Dokumente, auf denen man unsere Schrift fand?
  6. In welchen zwei Ländern waren die Fundorte der Dokumente?
  7. Uarit war ein kleiner Stadtstaat. Seine Geschichte lässt sich ____________________________________verfolgen.
  8. Es entwickelte sich ein Zeichensystem, das _________________________
  9. Im Alphabet sollen die Buchstaben direkt hintereinander stehen, die ________________________________________________________
  10. Erst die Etrusker ______________________________________________

Was ist ein Hör-Tandem?

Die Radiosendungen, die neben der MP3-Datei außerdem noch das Manuskript im Internet veröffentlichen, bieten den Hörenden zum einen im Nachhinein die Möglichkeit, den Text zu lesen. Zum anderen aber lassen sich dank der Transkriptionen auch Hör-Tandems bilden: Einzelne Studierende werden im Rahmen von Hausaufgaben aufgefordert, die Transkriptionen zu Hördateien zu lesen und dazu – orientiert an den Schlüsselwörtern des Textes – mehrere Fragen für eine entsprechende Hörverstehensübung zu entwickeln. Diese erstellten Hörverstehensübungen mit einem entsprechend angefertigten Lösungsschlüssel lassen sich – zunächst gegebenenfalls nach kleinen Korrekturarbeiten von Seiten des Lehrenden im Unterricht – von den anderen Kursteilnehmenden im Unterricht verwenden. In meinem Unterricht haben sich dabei anschließend häufig autonome Hör-Tandems gebildet: Student x entwickelt für Student y einige Hörverstehensübungen und übt dabei selbst noch einmal seine Fähigkeiten beim Leseverstehen. Student y revanchiert sich, indem er zu einem späteren Zeitpunkt Hörverstehensübungen für Student x entwickelt.

Welche Videopodcasts sind für den DaF-Unterricht empfehlenswert?

Der Sender WDR bietet mehrere für den DaF-Unterricht empfehlenswerte Videopodcasts an, mit denen das selektive bzw. detaillierte Verstehen geübt werden kann: Bei dem Wissenschaftsmagazin Quarks & Co mit Ranga Yogeshwar werden naturwissenschaftliche Themen aus den verschiedensten Blickwinkeln beleuchtet und unkompliziert vermittelt. Für Deutschlerner mit einem Sprachniveau B2 – C1 erweist sich die Sendung als geeignet. In dem Nachrichtenmagazin Neuneinhalb werden jeden Samstag aktuelle Nachrichten in 9 ½ Minuten verständlich erklärt. Bei der Sendung Kopfball erklärt man anhand von eingängigen und leicht verständlichen Experimenten Alltagsphänomene. Jugendliche Klugscheißer – mit Sprachkenntnissen auf Niveau B1 – B2 – werden in der Sendung Wissen macht Ah  mit dem gewissen Ah! versorgt. Antworten gibt es auf Fragen, wie z.B.: Woher kommen die Flusen im Bauchnabel? Wie viele Augenlider haben Krokodile?

Warum sollten Deutschlernende im Rahmen des DaF-Unterrichts Podcasts erstellen?

Das Produzieren von Podcasts ist ideal für den DaF-Unterricht. Denn hier werden gleich mehrere Kompetenzen bei den Lernenden geschult. Sie müssen im Rahmen einer (Internet-) Recherche deutschsprachige Texte lesen, dann einen eigenen Text verfassen, daraufhin bei einer redaktionellen Sitzung die eigenen Podcast-Ideen vorstellen und verteidigen und letztendlich noch den selbst verfassten Text bei einer Aufnahme deutlich in ein Mikrophon sprechen. Das IIK hat mit den Podcast-Workshops für DaF-Lernende sehr gute Erfahrungen gemacht und die Ergebnisse sind wirklich hörenswert.

Wie könnte ein Videopodcast-Projekt in Südkorea aussehen?

Interessant wäre vielleicht ein universitätsübergreifendes Interviewprojekt, bei dem Deutschlernende der verschiedenen Universitäten Interviews mit in Südkorea ansässigen Deutschen oder Deutschkoreanern führen. Aus dem Interviewmaterial könnten letztendlich Videopodcasts erstellt werden. Inspiriert wurde diese Idee durch einen Film namens Full Metal Village von der südkoreanischen Filmemacherin Sung-Hyung Cho. Sie hatte mit ihrem Erstlingswerk einen riesengroßen Erfolg in Deutschland. Denn für diesen „Heimatfilm“, in dem sie das kleine Städtchen Wacken und das dort alljährlich stattfindende Heavy Metal-Festival porträtierte, erhielt sie den renommierten Max Ophüls-Preis. Der Film eröffnet eine sehr interessante Perspektive: Eine seit Jahren in Deutschland lebende Südkoreanerin dokumentiert, wie in einem schleswig-holsteinischen Dorf zwei absolut unterschiedliche Welten in der Heimat Deutschland zusammenstoßen: wortkarge Bauern in der norddeutschen Provinz und martialisch auftretende Heavy Metal Fans, die aus ganz Deutschland und den Anrainerstaaten angereist kommen. Und nun wäre es interessant, eine (nicht professionelle) Fortsetzung dieses Filmes als einfache und preiswerte Podcast-Variante hier vor Ort zu planen: Südkoreanische Studierende von Deutschabteilungen mehrerer Universitäten dokumentieren mit einer kleinen Filmkamera / Handykamera in der Hand, wie Deutsche hier in Seoul / in Südkorea leben und für sich Heimat definieren. Das können Interviews sein oder auch einfach nur das Begleiten einer Person an einem ganz normalen Tag, wie zum Beispiel deutsche Praktikanten, die für einige Monate in südkoreanischen Firmen arbeiten. Weitere Ansprechpartner könnten zum Beispiel sein: Vertreter von deutschen Institutionen, z.B. vom Goethe-Institut, Vertreter der deutschen Kirchgemeinden, Mitarbeiter von der Handelskammer, Austauschstudenten, z.B. an der Ewha Frauenuniversität, Deutschkoreaner, die in Seoul leben oder hier zu Besuch sind, Adoptierte, die vor zwei Jahrzehnten von Südkorea nach Deutschland gebracht worden sind, dort aufgewachsen sind und nun nach Südkorea kommen, um ihre leiblichen Eltern zu finden. Eine wichtige Inspiration für dieses Projekt war dabei insbesondere eine Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll: „Herkunft und Heimat: Deutsch-Koreaner/innen auf Spurensuche“ (http://korea-dkg.de/node/87). Den Film Full Metal Village zeigte ich im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Ewha Frauenuniversität. Anschließend wollte ich testen, ob besagtes Podcastprojekt überhaupt auf Resonanz bei meinen Studentinnen stieß. Deshalb entwickelte ich ein Arbeitsblatt. Ich bat die Studentinnen, Fragebögen für fiktive Interviews mit Deutschen in Seoul zu erstellen. Diese Idee kam ungemein gut bei einigen Studentinnen an. Denn sie wollten gar nicht aufhören, Fragen zu formulieren. Das bedeutet: Ein Interesse für ein etwaiges Podcastprojekt scheint – zumindest bei den Studentinnen der Ewha Frauenuniversität – vorhanden zu sein.


Linkliste

Informationen zum Erstellen von Podcasts:
à
www.schulpodcasting.info/

Podcastverzeichnisse:
à
www.podcastzentrale.de
à
www.podcast.de
à
www.podster.de

Bayern 2 (www.br-online.de)
à
radioDuo: www.br-online.de/podcast/radioduo/cast.xml
à
Zündfunk:  www.br-online.de/bayern2/zuendfunk/

Dradio: www.dradio.de:
Deutsche Welle: www.dw-world.de:

NDR (www.ndr.de/radio/)
à
NDR Info: www.ndr.de/radio/
à
N-Joy Pisapolizei: www.n-joy.de/njoy_pages_std/0,3044,SPM2196,00.html
à
NDR Kultur: www.ndrkultur.de

WDR2 (www.wdr.de/radio/wdr2/)
à
Radioquarks mit Ranga Yogeshwar: http://podcast.wdr.de/radio/matuschik_radioquarks.xml)

WDR 5 (www.wdr5.de)
à
Klicker – Kindernachrichten: www.wdr5.de/lilipuz/klicker/lexikon/klicker.phtml
à
Bärenbude: www.wdr5.de/sendungen/baerenbude.phtml
à
Herzfunk: www.wdr5.de/lilipuz/programm/herzfunk/
à
Die kleine Anfrage: www.wdr5.de/sendungen/kleineanfrage_service.phtml

VideoPodcast beim Sender WDR (www.wdr.de/tv/podcast/)
à
Quarks & Co: www.quarks.de
à
Neuneinhalb: www.wdr.de/tv/neuneinhalb/sendungen/
à
Kopfball: www.kopfball.de
à
Wissen macht Ah!: www.wdr.de/tv/wissen-macht-ah/)

IIK Podcasts
à
http://www.iik-duesseldorf.de/blog/iik-podcast/
à
http://www.iik-duesseldorf.de/blog/kategorie/podcast/


Copyright © 2007 by Olav Schroeer


DaF-Szene Korea Nr. 27

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