Michael Menke

Birgit Vanderbeke: Die sonderbare Karriere der Frau Choi


Frau ChoiNein, dieser Text ist keine Übersetzung aus dem Koreanischen, sonder ein Buch der deutschen Autorin Birgit Vanderbeke, die seit Beginn der 90er Jahre sehr erfolgreich die kleinbürgerliche Alltagswelt mit viel Ironie, Humor und Leichtigkeit beschreibt. 1990 bekam sie für „Das Muschelessen“ den Ingeborg-Bachmann-Preis. Sie lebt in Süd-Frankreich, was uns auch zum Ort der Handlung und zu Frau Choi führt.

Frau Choi ist eine koreanische Witwe, aus Gwangju stammend, war vorher mit einem Niederländer verheiratet und lebte in Amsterdam. Aus der Ehe stammt ihr Sohn Piet.

Aus nicht erwähnten Gründen siedelt sie in ein kleines unbekanntes Nest (M**) in der französischen Provinz um und eröffnet dort nach einiger Zeit ein koreanisches Restaurant namens "Bapguagup", das bald die Gourmetszene der näheren und weiteren Umgebung anlockt. Den Bewohnern des kleines französischen Dorfes ist Frau Choi zunächst nur als „die Chinesin“ bekannt, doch  langsam geht es den Leuten auf, dass in den Töpfen etwas anderes brodelt als Peking-Ente oder Schweinefleisch süß-sauer. Vor allem ihr Kalbi-Chim, aber auch Bibimbap und natürlich Kimchi haben es den Gästen angetan.

Das „Bapguagup“ ist ein voller Erfolg. Besonders gut kommt das Bibimbap an, das vor Jahren schon Yves überwältigt hat und an dem sich in den kommenden Jahren etliche Köche in der Stadt versuchen werden, nachdem es sich bis dorthin herumgesprochen hat, aber da die Köche in der Stadt natürlich nicht angebaut haben, was jeder braucht, der aus Gwangju kommt, fehlte ihrem Bibimbap der Hauch Glockenblume oder Adlerfarn, und so bleibt das Bibimbap der Frau Choi ein Geheimnis …

Es geht in dem Buch aber längst nicht nur um das Essen, denn neben diesen eher geläufigen koreanischen Kochkünsten hat Frau Choi noch weitere Fähigkeiten, besonders, was die Kräuter- und Pilz-Zubereitung angeht. Bald sterben im Dorf einige Männer - es sind die eher unbeliebten-, auf rätselhafte Weise, wobei der Arzt im Ort immer nur Tod durch Herzversagen als Ursache angeben kann.

Allerdings, und dass muss man zu Frau Chois Verteidigung anmerken, gibt es an keiner Stelle des 125 Seiten dicken/dünnen Buches einen konkreten Hinweis, der sie alt Täterin entlarvt. Es bleibt aber dennoch immer das Gefühl, dass die koreanische Küche nicht für alle Genießer segensreich ist.

Das Buch, das sollte hier vermerkt sein, ist keine Beschreibung von Korea, Koreanern im Ausland oder koreanischer Küche. Der Leser wird, außer ein paar wenigen kurzen Hinweisen auf die Fußball-WM in Korea und Japan oder auf Bezeichnungen koreanischer Speisen, nichts Wesentliches über das ostasiatische Land und seine Bewohner erfahren. Der Einfluss von Frau Chois Kochkünsten auf ihre Umwelt steht im Mittelpunkt, und da teilen sich die Besucher ihres Restaurants auf in diejenigen, die koreanische Kochkunst genießen und die anderen, die es nicht überleben.

Ich bin nach der Lektüre gleich ins Restaurant gegangen und habe Kalbi-Chim bestellt…

Das Buch gibt es übrigens/natürlich auch in der Bibliothek des Goethe-Instituts in Seoul.

Birgit Vanderbeke: Die sonderbare Karriere der Frau Choi, Verlag S. Fischer, 16,90 Euro


Copyright © 2007 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 27

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