Michael Menke

E-Mail und Web-Chat-Projekt Japan Korea


Im DaF-Unterricht der letzten Jahre ist man bemüht gewesen, einen größeren Stellenwert auf gesprochenes Deutsch und auf Konversationsfähigkeit zu legen. Nun gibt es aber in Korea, ebenso wie in anderen weit von Europa entfernten Ländern, ein großes Problem: Man findet kaum deutsche Gesprächspartner, mit denen man diese Konversation ausüben kann. Da gibt es lediglich die Lektorin/den Lektor, manchmal auch einen koreanischen Professor, der Deutsch spricht, und das war’s dann auch schon. Mit wem soll man also sprechen und die gelernten Sprachkenntnisse anwenden, um dadurch wiederum motiviert zu werden, noch mehr und noch besser zu sprechen?

Hoffnung bieten hier die Kommunikationsmöglichkeiten durch das Internet, also E-Mail, Chat, Kontakte mittels Webphone und Webcam. Aber auch hier tun sich Probleme auf, deutschsprachige Partner zu finden. Welcher Deutsche möchte schon gern stundenweise mit einem radebrechenden Koreaner auf dem Niveau A1 oder A2 kommunizieren, von eingefleischten DaF-Fans, Fachstudierenden und nahen Verwandten des jeweiligen Lektors mal abgesehen? Außerdem gibt es noch ein Zeitproblem, denn alle direkte Kommunikation mit dem deutschsprachigen Bereich liegt mindestens sieben Stunden auseinander. Wenn also der koreanische Sprecher in die Gänge kommt, liegt der deutschsprachige Partner längst in den Federn.

Eine Idee zur Abhilfe eröffnete sich auf einem Lektorenseminar der LVK vor zwei Jahren. Marco Raindl, ein Kollege aus Japan, der zu Besuch war, erzählte von Web-Chat Projekten seiner Universität mit dem DaF-Bereich der Universität Halle. Natürlich berichtete er von den obengenannten Problemen, also dem Unterschied der Sprachkompetenz (Native Speaker als DaF-Studenten  versus DaF-Lerner in Korea) und dem Zeitzonenproblem. Wir kamen auf die Idee, eine Verbindung zwischen unseren Studenten aufzubauen, also Deutschlernern auf Niveau A1, A2 in Korea und Japan. Da beide Länder nebeneinander liegen, fällt auch das Zeitproblem fort. Es gab zwar Unterschiede durch den Ausbildungshintergrund (Studenten in Japan waren meist aus anderen Fächern, die ein oder zwei Jahre Deutsch lernen, während wir in Korea nur Germanistik-Studenten hatten), aber ansonsten waren die Kandidaten sehr ähnlich. Wie man in der Vorbesprechung des Kurses sah, waren auch bestimmte Verhaltensweisen gleich: Interesse, aber zunächst mal auch eine große Scheu vor direkter Kommunikation mit Personen anderer Nationalität in einer anderen Sprache.

So hatten wir zum „Aufwärmen“ den Studenten die Aufgabe gegeben, an den Partner eine Vorstellungs-E-Mail zu schreiben. Hier ein Beispiel:

Liebe Keiko!

Hallo~~  Ich freue mich Ihren Brief.

Ich heisse heejung. Ich bin 24 Jarhe alt. Und Ich wohne in Seoul, Korea. Seoul ist die groeste Stadt in Korea.
Ich bin Incheon Universitaet Studentin. Ich studiere Deutsch.  Kannst du Deutsch gut sprechen? Ich kann Deutsch ein wenig.  Wie findest du Deutsch? Deutsch ist sehr schwer. Aber Ich finde, dass es sehr interessant ist. Ich lerne nicht nur Deutsch, sondern auch Englisch.
Hoerst du gern Musik? Ich hoere gern Musik. Ich mag 'Boa'. Weisst du 'Boa'?  ('Boa' ist eine Saengerin.) Sie ist allgemein bekannt in Japan. Und ich mag 'Amuronamie'(
安室奈美恵). Sie ist sehr attraktive.
Warst du einmal in Deutschland? Ich bin einmal in Deutschland gewesen. Ich moechte auch in Japan fahren. Tokyo, Nagoya, Osaka, Sapporo....
Hast du eine Pruefung? Ich studiere fuer die Pruefung.
Ich muss den ganzen Tag studieren. Ich habe keine Zeit zu spielen.
Ich habe ein Motto. Es ist "Was du heute tun kannst, das tue Heute!"
Ich moechte dich einmal sehen. ^^
Mit herzlichen Gruessen,
Deine heejung


Hallo!!!

Ich habe einen Bruder. Er ist 16 Jahre alt. Hast du Brueder?
Ich lerne Deutsch aber du studirerest Deutsch.
Ich kann nicht gut sprechen …
Deutschen Geschichte ist sehr Komplexität. Aber ich moechte gründlich studieren.
Ich lerne auch Englisch und ich moechte Koreanisch lernen.
Ich hoere auch gern Musik!!!
Ich mag 'Mr.Children'!!! Weisst du 'Mr. Children'? Unsere Musik ist sehr schoen!!!
Natuerlich weiss ich 'Boa'! Sie ist bekannt und gut tanzen koennen!!
Ich war nicht in Deutschland. Ich moechte Deutschland gehen.
Ich war auch nicht in Korea... Ich moechte koreanisches essen!
Natuerlich habe ich die Prefung... Diktat, Unterhaltung........
Dein Motto ist sehr schoen!!
Auch mochete ich dich einmal sehen!!

Deine Keiko.

 

War anfangs, so konnte ich es zumindest bei meinen koreanischen Studenten beobachten, noch eine gewisse Reserviertheit vorhanden, so wurde diese vollends aufgelöst, als wir aus Japan Fotos der teilnehmenden Studenten bekamen und man nun sehen konnte, mit wem man kommuniziert hatte.

Der wesentliche Teil des Kommunikationsprojekts war aber der anstehende Austausch per Webphone und Webcam. Technisch ist das heute relativ einfach handhabbar. Es gibt von den großen E-Mail-Providern Yahoo oder Hotmail kostenlose Software („Messenger“) dazu, man muss sich lediglich bei einem der beiden mit einem E-Mail-Konto anmelden. Außerdem sind die Systeme in allen gängigen Sprachen, also auch in Japanisch und Koreanisch, zugänglich. Eine weitere Möglichkeit bietet das System „Skype“, mit dem man chatten, telefonieren und Videokonferenzen abhalten kann. Haben alle beteiligten Partner dieses System, so ist es, wie Hotmail und Yahoo, kostenlos. Audio- und Videoqualität der Systeme sind akzeptabel, man sollte aber über einen Computer der neueren Generation mit größerer Speicherfunktion und vor allem einem schnellen Prozessor verfügen. Eine Web-Kamera (Webcam) und Lautsprecher und Mikrofon bzw. ein „Headset“ braucht man natürlich auch. In unserem Fall hatten sich die koreanische und die japanische Klasse jeweils mit einem gemeinsamen „Klassenkonto“ bei Skype angemeldet.

Ein bisschen problematisch wurde es, einen gemeinsamen Termin für die Videokonferenz zu finden, da beide Klassen dann Zugang zum Computerraum haben mussten und kein anderweitiger Unterricht stattfand. Leider war das nur eine Stunde lang möglich, aber durch Aufteilung auf zwei Termine konnte jeder Teilnehmer einige Minuten mit seinem Partner sprechen.

Die Gespräche selbst verliefen sehr interessant und gaben eigentlich genau das wieder, was Kommunikation bedeutet. Eigentlich hatte ich von meinen Studenten minutenlanges ängstliches Schweigen befürchtend, daher einige Frage einüben lassen, aber als sie dann ihre Gesprächspartner sahen, mit denen sie vorher E-Mails ausgetauscht und die Fotos gesehen hatten, war keine Hemmschwelle mehr da. Zugegebenermaßen muss ich sagen, dass dieser erste direkte Kommunikationsschritt kaum über einfache Sätze herauskam (Hallo! Hörst Du mich? Ich heiße … Ich studiere … Kennst du …?) und teilweise, wenn wirklich das Vokabular fehlte, auf Japanisch oder von japanischer Seite sogar auf rudimentäres Koreanisch ausgewichen wurde, aber alle Teilnehmer schienen ganz begeistert zu sein, und diejenigen, die erst eine Woche später dran waren, wurden bereits ungeduldig.

Zugegebenermaßen gab es auch einige Probleme, besonders mit unserem Computer in Korea, der während des Video-Chats zweimal abstürzte (also wirklich besser ein modernes Gerät und Betriebssystem verwenden), auch war in unserem Fall die japanische Klasse größer als die koreanische, so dass das Verhältnis teilweise 2:1 war. Dennoch verlief das geplante Internet-Treffen zur allgemeinen Zufriedenheit.

Unser Kommunikationsprojekt haben wir innerhalb eines Deutschkurses abgehalten, dabei ansatzweise versucht, die Themen der Lektionen (sich vorstellen, Orte beschreiben) mit einzubauen. Dieser Ansatz konnte nur zum Teil verwirklicht werden, was auch an der sich entwickelnden Eigendynamik lag.

Für LektorInnen, die etwas ähnlichen machen wollen, könnte man vielleicht mit den Kollegen in Japan (oder in China, Taiwan, russischer fern Osten, …) Kontakt aufnehmen und eine „Partnervermittlung“ ins Leben rufen.

Videochat


Copyright © 2007 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 27

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