Julia Buchholz

Em@il-Projekte im DaF-Unterricht


Als Grundlage dient der Text von Felix Bubenheimer, der  im Internet (immer noch) unter folgendem Link zu finden ist: http://www.deutschservice.de/felix/daf/emaildaf.html.

Abgesehen davon, dass dieser Artikel mittlerweile sieben Jahre alt ist, ist er meines Erachtens immer noch aktuell, da er neben grundlegenden Aspekten zu Em@il-Projekten vor allen Dingen die Vor- und Nachteile sowie den damit verbundenen Aufwand deutlich und klar verständlich behandelt.

Im Folgenden werde ich nun auf folgende Fragen genauer eingehen:

  1. Was sind Em@il-Projekte?
  2. Welche Arten von Em@il-Projekten gibt es?
  3. Was sind Vorteile von Em@ils?
  4. Welche Vorraussetzungen müssen für Em@il-Projekte erfüllt sein?
  5. Wofür werden Em@il-Projekte eingesetzt?
  6. Welche Vor- und Nachteile haben Em@il-Projekte?

1. Begriffsbestimmung „Em@il-Projekte“

Bei Em@il-Projekten handelt es sich um einen themenzentrierten Austausch von Fremdsprachenlernern bzw. Muttersprachlern per Email, für die die Fremdsprache eine Möglichkeit zum projektorientierten Lernen darstellt. Durch einen intensiven Em@il-Austausch wird ebenfalls eine Art Kulturaustausch ermöglicht, bei dem eine oder mehrere Gruppen von Fremdsprachenlernern zusammen mit ihrer Partnergruppe bzw. ihren Partnergruppen länderspezifische Muster entdeckt, definiert und sprachliche Fähigkeiten übt – weshalb sich Em@il-Projekte vor allen Dingen für den Unterricht im nicht-deutschsprachigen Raum anbieten.

In Abgrenzung zu E-Tandem bearbeiten die Lernergruppen in Em@il-Projekten meistens im Rahmen des fremdsprachlichen Unterrichts ein vom Lehrer festgelegtes Thema und präsentieren die im Projekt gewonnenen Ergebnisse anschließend im Unterricht. Ein weiterer Unterschied zwischen Em@il-Projekten und E-Tandem besteht darin, dass E-Tandem auch auf rein privater Ebene stattfinden kann.

2. Arten von Em@il-Projekten

Es gibt fünf Arten, ein Em@il-Projekt durchzuführen:

  1. Klassenpartnerschaften
  2. Beteiligung an Diskussionsforen
  3. Fragebogenaktionen
  4. Simulationen
  5. Bildungsnetzwerke

2.1. Klassenpartnerschaften

Bei Klassenpartnerschaften tauschen sich Lernende von zwei oder mehr Klassen aus verschiedenen Ländern zu einem bzw. mehreren im Unterricht behandelten Themen in Form von Em@ils aus.  

2.2. Beteiligung an Diskussionsforen

In Diskussionsforen werden Meinungen, Erfahrungen etc. zu allen möglichen Themen ausgetauscht, die im Zusammenhang mit den im Unterricht behandelten Themen stehen. Es gibt beispielsweise die so genannten Newsgroups, an die jeder Beiträge schicken kann und die dann für eine bestimmte Zeit im Internet verfügbar sind. Außerdem gibt es die klassischen Mailinglisten, die vorher abonniert werden müssen. Bei beiden Arten werden jeweils Emails als Beiträge verschickt.

2.3. Fragebogenaktionen

Bei Fragebogenaktionen erarbeitet die Lernergruppe meistens in Kleingruppen einen Fragenkatalog zu einem Thema, der dann über eine Mailingliste an andere Lernergruppen verschickt und nachher von der Klasse ausgewertet wird.

2.4. Simulationen

Bei Simulationen geht es darum, dass Kommunikationssituationen simuliert und per Em@il-Austausch eingeübt werden, wie beispielsweise der Austausch einer Geschäftskorrespondenz mit Lernern aus verschiedenen Ländern.

2.5. Bildungsnetzwerke

Bei Bildungsnetzwerken wie beispielsweise der „deutsche bildungsserver“ handelt es sich um Netzwerke, die Dienstleistungen wie beispielsweise Datenbanken mit Recherchemöglichkeiten zu bestimmten Themen und Diskussionsforen, Dossiers etc. bereitstellen. Fremdsprachenlerner können sich hier zu unterrichtsspezifischen Themen informieren und sich an offenen Diskussionsforen beteiligen.

3. Vorteile von Em@ils

Es gibt recht viele Vorteile von Emails, aber an dieser Stelle möchte ich im Folgenden nur auf die wichtigsten eingehen.

Emails können schnell versendet werden und sind im Vergleich zu Briefen kostengünstig. Außerdem bieten sie sich sehr für den Einsatz im Ausland an bzw. dann, wenn man Kontakt zu anderen Lernergruppen im Ausland herstellen möchte. Des Weiteren sind sowohl die Lernsituation als auch die Materialien authentisch, da direkter Kontakt zu anderen Lernern besteht. Ein weiterer wesentlicher und nicht zu unterschätzender Vorteil beim Einsatz von Em@ils stellt die Förderung der Lernermotivation dar, da die Lerner sofort eine Rückmeldung von ihren Partnern erhalten, wodurch mögliche Vorurteile und Stereotype widerlegt werden können. Und last but not least werden sprachliche Fähigkeiten eingeübt.

4. Voraussetzungen für Em@il-Projekte

Als Voraussetzungen für Em@il-Projekte kann zwischen den technischen Vorrausetzungen und der sorgfältigen Organisation und Planung der Lehrkräfte unterschieden werden.

Internetanschlüsse in der Bildungseinrichtung sind eine wesentliche Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung von Em@il-Projekten. Am besten sollten genügend Computer mit Internetanschluss für die Lernergruppe bereit gestellt sein. Allerdings ist dies keine zwingende, sondern nur eine notwendige Voraussetzung, da die Emails im Zweifelsfall auch zuerst offline verfasst und anschließend online verschickt werden können. Selbstverständlich sind Computerkenntnisse sowohl auf Seiten der Lehrkraft als auch auf der Lernerseite das A und O.

Ein weiterer sehr wichtiger Faktor, der zum Erfolg des Projektes führt, ist die genaue und wohldurchdachte Organisation und Planung des Projektes durch die Lehrkraft.

Bevor sie sich konkret auf die Suche nach einer Partnergruppe macht, sollte sie im Vorhinein Entscheidungen zu folgenden Punkten treffen.

  1. Zeitraum (Langzeitprojekt vs. Kurzzeitprojekt)
  2. Teilnehmer (Beteiligung von Muttersprachlern vs. Fremdsprachenlerner unter sich)
  3. Bilateraler vs. Multilateraler Em@il-Austausch
  4. Einzelarbeit vs. Gruppenarbeit
  5. Inhalte (flexible Themen vs. festgelegte Themen)
  6. Interdisziplinarität
  7. Kontrolle (keine Kontrolle vs. Kontrolle durch die Lehrkraft)
  8. Medien (nur Email vs. weitere Medien)

Im Anschluss an die Suche nach einer Partnergruppe hat die Lehrkraft die Aufgabe, genauere Absprachen zu oben angeführten Punkten mit der Lehrkraft der betreffenden Partnergruppe zu treffen. Außerdem sollte die Lehrkraft die Lerner fachlich und sprachlich für die auf sie zukommenden Kommunikationssituationen vorbereiten. Darunter fällt dann beispielsweise auch die Vorbereitung einer kurzen Vorstellung aller am Projekt Beteiligten oder die abschließende Evaluation des Projektes. Außerdem sollte sich die Lehrkraft bewusst sein, dass sie während des Projektes nur noch begrenzt Einfluss auf den Verlauf des Projektes nehmen kann und somit während der Projektphase eher als Moderator agiert.

5. Der Einsatz von Em@il-Projekten

Em@il-Projekte lassen sich - sofern es die Zeit zulässt - im Rahmen des regulären Sprachcurriculums integrieren. Neben der sprachlichen Kompetenz (Schreiben, Lesen, Sprechen und Hören) wird außerdem auch die interkulturelle Kompetenz gefördert.

Die Lerner verfassen beispielsweise adressatenspezifische Texte mit Briefcharakter, lesen authentische und nicht didaktisch aufbereitete Texte, und die in den Emails angesprochenen Themen können als Sprechanlässe für Unterrichtsgespräche verwendet werden. Außerdem können sowohl Aussprache als auch Hörverstehen trainiert werden, wenn die Emails in der Gruppe laut vorgelesen werden. 

Des Weiteren lassen sich Em@il-Projekte auch gut ins landeskundliche Curriculum integrieren, da besonders der Austausch zu alltäglichen Themen der Lernenden eine größere affektive Wirkung erzielt als landeskundliche Lehrwerkstexte, wodurch die Bereitschaft, sich mit der Fremdsprache und der Kultur der Partnergruppe auseinander zu setzen, erhöht wird und die Lernermotivation grundsätzlich steigern kann.

6. Vor- und Nachteile von Em@il-Projekten

Jedes Projekt hat zwei Seiten. Zu den Vorteilen von Em@il-Projekten zählen der Aspekt der authentischen Kommunikationssituation, die Entwicklung von Schreib- und Lesekompetenz, eine affektive Wirkung beim Lerner aufgrund der Auseinandersetzung mit landeskundlichen Themen sowie die Steigerung der Lernmotivation und der Umgang mit neuen Medien.

Als Nachteile lassen sich anführen, dass das Trainieren des Hörverständnisses und sprachpraktische Übungen im Rahmen eines Em@il-Projektes weniger bis kaum geübt werden, Em@ils nicht den gezielten Unterricht zur Ausbildung von Schreib- und Lesekompetenz ersetzen, das Sammeln von persönlichen Erfahrungen im Zielland nicht ersetzt werden kann und mangelndes Interesse von Seiten des Fremdsprachenlerners nicht zwangsläufig ins positive umschlägt.

Als Teilnehmerin an einem Em@il-Projekt mit niederländischen Deutschlernern habe ich sehr viele positive Erfahrungen sammeln können und finde, dass die Vorteile im Großen und Ganzen überwiegen.

Falls ich bei Ihnen das Interesse geweckt haben sollte, selbst einmal ein Em@il-Projekt durchzuführen, dann empfehle ich Ihnen die Erfahrungsberichte des Kollegen Markus Grasmück in Japan

(http://www.deutsch-in-japan.de/lektorenrundbrief/rdbrief19.html

und http://www.markus-grasmueck.de/unterricht/artikel/eJournal-Artikel.pdf )

Weitere Informationen zu Em@il-Projekten finden Sie auch auf der Seite des Goethe-Instituts (http://www.goethe.de/ins/pl/lp/prj/bld/deindex.htm). Hier werden die beiden Em@il-Projekte „Das Bild der Anderen“ und „Odyssee“ vorgestellt und bei Interesse an der Durchführung eines der beiden Projekte weitergeholfen.


Copyright © 2007 by Julia Buchholz


DaF-Szene Korea Nr. 27

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