E-Learning (auch eLearning, englisch electronic learning) ist ein Begriff, mit dem sich heute viele beschäftigen – von der Privatperson, über Bildungsinstitutionen bis hin zu Wirtschaftsunternehmen. Man versteht darunter, unabhängig von den Zielen, ganz allgemein ein elektronisch unterstütztes Lernen, wobei das Adjektiv ‚elektronisch’ als pars pro toto für „alle Formen von Lernen“ verstanden werden kann, „bei denen digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien und/oder zur Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation zum Einsatz kommen“. So versuchen sich jedenfalls die Autoren der freien Enzyklopädie wikipedia, in ihrer deutschen Ausgabe, in Anlehnung an den deutschen Medienwissenschaftler Michael Kerres mit einer Definitition. Leben erhält der Begriff des E-Learnings vor allem durch eine der Grundideen des Internets: der frei zugänglichen, orts- und zeitunabhängig abrufbaren und von interessengeleiteten Kollektiven erstellt und bearbeiteten Information. Damit ist es aber auch schon so gut wie getan, mit der Eindeutigkeit des Begriffs und man betritt bei weiterem Vordringen den vielstimmigen Simmulationsraum der „Realität“ – mit seinem ungeheuerlichen medialen „Rauschen“[1]. Ohne hoffentlich allzu sehr zu enttäuschen, sei dem Leser zur weiteren Einführung in diese Thematik der Wikipedia-Artikel empfohlen, da dort, nach Meinung des Autors, eine weitere Differenzierung der Thematik (Autorensysteme, virtuelle Klassenzimmer, LMS, LCMS, DL, CSCL, usf.)[2] recht ordentlich erzielt wurde. In diesem kurzen Artikel sollen lediglich einige Erfahrungen mit einer Weiterentwicklung des E-Leranings, dem sogenannten blended learning besprochen und innerhalb dieser Thematik auf die freie Open-Source-Lösung moodle[3] eingegangen werden. Dabei zeigt sich, dass man es weit mehr mit grundsätzlichen Fragen zu tun bekommt, als man zunächst erwarten würde.
Um was geht es zunächst beim blended learning? Blended learning ist gewissermaßen die Lehre aus ein paar enttäuschten Erwartungen, die der E-Learning-Hype der Jahrtausend-wende mit sich gebracht hat. Das englische Adjektiv „blended“ bezeichnet dabei wie beim Tabak oder Whisky einen ‚Verschnitt’ mehrerer Sorten zum Zweck einer Veredelung des Produkts. Hatte man zu Hochzeiten des Hypes noch darauf spekuliert, dass die Zukunft des Lernens wohl gänzlich in virtuellen Räumen stattfinden könnte, so zeigte sich bald, dass Faktoren wie individuelle Betreuung, Motivation durch Gruppendynamiken, Lernkontrollen, uam., - also gerade Faktoren, die Aspekte zwischenmenschlicher Interaktion zum Gegenstand machen -, wesentlich zum Lernerfolg beitragen. Die Folgerung des Blended-learning-Ansatzes ist, dass man also das Beste aus dem personalen und dem elektronischen Lehren und Lernen nehmen solle, um die Ergebnisse zu optimieren. Orientiert hat man sich dabei vereinfacht gesagt an einer „sozialen, fördernden Pädagogik“, bei der „das Lernen in einem aktiven Aneignungsprozess – mit wiederholtem Abgleich zwischen vorhandenen Erfahrungen und neuen Informationen – erfolgt.“[4] Den elektronischen Medien fällt dabei aber keine rein passive Funktion zu, indem lediglich der in den Präsenzveranstaltungen eingeübte Inhalt wiederholt wird, sondern gerade die Methode des Lernen durch Lehren erhält hier besonderes Gewicht. „Dabei bildet die Gruppe der Lernenden ein neuronales Netz, das die Aufgabe übernimmt, Wissen zu konstruieren.“[5] Soviel vorerst zur – hier sicherlich über Gebühr vereinfachten – Theorie und nun zu einer praktischen Realisierung: der Open-Source-Lernumgebung Moodle. Gerechtfertigt sei dies durch den Hinweis, dass sich bei dem Versuch einer praktischen Implementierung auch wesentliche Probleme der Theorie zeigen.
Wie der Begriff Lernumgebung schon andeutet, möchte diese Lösungen für eine Umgebung schaffen, in der gerade die Interaktionen unter den Lernenden einen hohen Stellenwert besitzt. Moodle soll gerade nicht als „Pauk-Maschine“ oder als „Online-Frontalunterricht“ benutzt werden. Entscheidend dabei ist, dass die Lehrpersonen nicht in erster Linie als Wissensvermittler, sondern als „Lernbegleiter“ in Erscheinung treten. Um dies zu gewährleisten, unterscheidet Moodle in sog. Rollen und in Gruppen. Die Rolle mit den meisten Rechten – und oft auch Pflichten – fällt dem Administrator zu. Er ist für die technischen Belange der Lernplattform zuständig und verfügt daher auch über alle Rechte. Schon anhand dieser ersten Rolle zeigt sich somit aber auch ein wesentlicher Aspekt: die Personal- und Materialfrage. Denn eine E-Learning-Konzeption lässt sich schlicht nicht auf der vielzitierten grünen Wiese realisieren. Man benötigt jemanden mit entsprechendem Know-How und passende Hardware. In der Regel kostet dies. Dies gilt aber nicht nur für die E-Learning-Plattform, sondern auch für die Umgebung, in der diese zum Laufen gebrachten werden soll: dem Server. Zwar verfügt in der Regel jede Universität über eine Reihe von Internet-Servern, jedoch ist es nicht jedem Rechenzentrum recht, sicherheitsrelevante Passwörter an externe Personen zu vergeben. Da zur Administration einer E-Learning-Plattform aber Schreibrechte in sehr umfangreichem Maß zur Verfügung gestellt werden müssen, kommt man wahrscheinlich an der Anschaffung eines dezidierten Servers nicht vorbei. Was benötigt man also dazu?
Auf der Hardware-Seite benötigt man mindestens einen PC mit einem älteren Pentium 4 im Bereich zwischen 2-3 GHz, oder mit einem entsprechenden AMD-Prozessor. Nicht sparen sollte man dagegen beim Arbeitsspeicher. Da oft mehrere User gleichzeitig in die im Hintergrund laufende Datenbank schreiben, also mehrere Threads parallel verarbeitet werden müssen, sollte man min. 1 GB, besser noch 2 GB RAM, einplanen. Je nachdem, ob viele Daten auf den Server hochgeladen werden sollen – z.B. UCCs[6] erstellt und diskutiert werden sollen – sollte man min. 15-20 GB Festplatten-Speicher rechnen. Das ist es auch schon; oft genügt also ein älterer PC, der entbehrt werden kann.
Auf der Software-Seite hat man mehrere Optionen, die stark von den involvierten Personen und dem zur Verfügung stehenden Kapital beeinflusst werden: Windows, Macintosh, Linux oder Unix/BSD. Da wir in diesem Artikel von einer für Universität typischeren Situation ausgehen wollen - also dass Geld knapp, Know-how jedoch vorhanden ist -, fallen die Optionen Windows oder Macintosh unter den Tisch, da hier ordentlich bei den Lizenzkosten zugelangt wird. Unix/BSD wäre eine Option, aber glücklicherweise steht unter Linux mit der sogenannten LAMP-Architektur (Linux, Apache, MySQL, Php) eine relativ einfache und sichere Lösung zur Verfügung und diese ist im E-Learning-Umfeld zudem sehr verbreitet. Ist das entsprechende Wissen vorhanden, dann ist dies zusammen mit der humanistischen Grundidee freier Software ein starkes Argument für eine solche Lösung. An der Sungshin Women’s University haben wir aktuell eine solche Lösung unter http://moodle.sungshin.ac.kr in Betrieb.[7] Der Administrator benötigt bei dieser Lösung also solides Grundlagenwissen in der Server-Administration unter Linux und da auch eine Datenbank betreut werden will und Emails verschickt werden müssen, zusätzlich Kenntnisse in Datenbank-Administration (php-myadmin hilft meist) und Email-Server-Konfiguration (sendmail, qmail, o.Ä.). Ist diese LAMP-Umgebung mit Datenbank und Mail-Server zum Versenden von Emails eingerichtet, ist der Rest beinahe ein Kinderspiel. Eine aktuelle Moodle-Version von moodle.org herunterladen, auf das öffentliche Verzeichnis des Web-Servers hochgeladen, der Rest wird eigentlich von einem automatisierten Php-Installations-Skript erledigt.[8]
Wie leicht zu erkennen ist, ist man also schon im Vorfeld einer solchen Projekt-Planung auf Kooperation angewiesen. Da aber entsprechendes Wissen heutzutage oft auch an geisteswissenschaftlichen Fakultäten vorhanden ist, sollte man sich jedoch auch nicht davon abschrecken lassen, bzw. in anderen Fällen findet sich vielleicht die Möglichkeiten einen Informatik-Studenten für diese Administrationstätigkeiten zu motivieren - schließlich wird Moodle heutzutage auch zur unternehmensinternen Schulung eingesetzt.[9] Zudem gibt es mit Edubuntu, dem c’t Schulserver Arktur, der Linux-Musterlösung, dem Open School Server und Skolelinux schon einige Lösungen, die durch umfangreiche Vorkonfigurationen und Administrationsoberflächen einen Einstieg wesentlich erleichtern sollen.[10] Ist schließlich auch diese Hürde genommen, kommen wir zur nächsten Rolle: dem Kursverwalter.
Unter Moodle ist es die Aufgabe des Kursverwalters Kurse neu zu erstellen und diesen Trainer zuzuweisen. Er hat innerhalb seiner Kurse alle Rechte, ausgenommen den Kurs zu löschen. An dieser Stelle beginnt der didaktische Teil des E-Learning-Projekts; d.h. es wird zum Teil spannend, aber auch kompliziert. Denn bereits hier müssen eine Reihe Vorentscheidungen getroffen sein. So sollte, etwa nach dem SCORM-Referenz-Modell, der nachzubereitende Kurs vorbereitet worden sein. SCORM[11] steht dabei für „Sharable Content Object Reference Model“ und wurde von der amerikanischen Advanced Distributed Learning Iniciative (ADL)[12] entwickelt. Prinzipiell soll durch dieses Modell eine nach dem XML-Standard definierte Organisation und Struktur der Lernerfahrung (Content Packaging) erreicht werden[13]. Das klingt kompliziert, besagt jedoch in der Hauptsache, dass sich die Leute, die Moodle entwickeln, dabei etwas gedacht haben. Kurse können auf verschiedenste Weise erstellt werden: durch Upload von Aufgaben in gängigen Office-Datei-Formaten, durch Upload von Media-Daten (Audio/Video), oder es steht ein komplexer Texteditor zur Verfügung, mit dem Inhalte direkt in den Kurs integriert und dort auch bearbeit werden können. Auch lassen sich andere Seiten, etwa Youtube-Videos oder die für Deutschlerner aufbereiteten Nachrichten[14] der Deutschen Welle verlinken. Eine weitere interessante Funktion ist, dass die Teilnehmer ebenfalls Dateien (Essays, Hausaufgaben, Diskussionsmaterial) hochladen und bereitstellen können. Schließlich gibt es eine Reihe von statistischen Funktionen, ebenso wie Bewertungsfunktionen sowohl von den Trainern, oder Lernbegleitern, als auch von Kursteilnehmern genutzt werden können. Ebenso stehen Foren und Chats zur Verfügung, wo kompliziertere Themen diskutiert werden können. Kurz, sind die Inhalte einmal bestimmt und strukturiert, kann die Arbeit beginnen. Trainer, könnten zu Beispiel sehr gut erfahrene Studenten (Tutoren) sein, die etwa jüngeren Studenten bei einem Landeskundethema helfen. Damit sind auch die letzten beiden, selbsterklärenden Rollen bestimmt: die Teilnehmer und die Gäste.
Während durch die Rollen sozusagen die horizontale Struktur des E-Learning-Projekts beschrieben ist, wird die vertikale durch sogenannte Gruppen bestimmt. Das kann im simpelsten Fall schlicht eine Unterteilung in Anfänger, Fortgeschrittene und Experten sein. Zentral bei dieser Rollen und Aufgaben-Verteilung ist die interaktive Organisation: alle können miteinander auf verschiedenste Weise (Email, Chat, Forum) in Kontakt treten, die Teilnehmer können sich selbst bewerten und von anderen (je nach Einstellung) ebenfalls bewertet werden – all dies wird in einer Datenbank erfasst und lässt sich statistisch, etwa zur Messung des Lernerfolgs, auswerten; auch Ankündigungen, Veranstaltungen lassen sich natürlich so sehr gut und kurzfristig organisieren, da die betreffenden Teilnehmer mit Name und Email-Adresse und ggf. mit weiteren Daten vorliegen.
Dies alles klingt wunderbar und es könnte auch wunderbar sein, wenn es nicht so viel Disziplin erfordern würde. Denn in der Praxis erfordert dies nicht nur eine gute Vorbereitung – es sei den man möchte die E-Learning-Plattform als schlichtes Koordinationstool, was auch Möglich ist, verwenden –, ein gutes Management und etwas Metaphysik; d.h. Online-Termine, sollten, wie normale Termine auch, eingehalten werden und man sollte auch den Glauben haben, dass sich der ganze Aufwand auch lohnt. Vor allem aber erfordert eine solche Lösung und dieser Punkt ist nun sehr erst gemeint, eine umfangreiche Schulung aller Teilnehmer. Da solche Kompetenzbildungsmaßnahmen und Kooperationen gelegentlich auch etwas kosten, sei hiermit ein weiterer Punkt angesprochen, der nicht außer Acht gelassen werden sollte. Man muss sozusagen, zugespitzt mit Schopenhauer gesprochen, den Willen zum E-Learning haben.
[1] Die Rede vom medialen Rauschen geht maßgeblich auf ein Diktum Marshal McLuhanns zurück, der damit jene Störgröße beschreibt, die dadurch gegeben ist, dass „der ‚Inhalt’ eines Medium immer ein anderes Medium ist“ Dieser Sachverhalt erschwert die Differenzierung zwischen Ursprungssignal und Umgebungsignalen, es kommt zu Überlagerungen - bzw. zum sog. „Rauschen“. Hierzu: McLuhan, Marshall: Die magischen Kanäle, Düsseldorf 1968, S.14
[2] Hierzu: http://de.wikipedia.org/wiki/E-learning
[3] Hierzu: http://moodle.org oder www.moodle.de
[4] Gertsch, Fredi: Das Moodle Praxisbuch. Online-Lernumgebungen einrichten, anbieten und verwalten. München 2006, S.28.
[5] Eda., S. 28f.. Hingewiesen sei an dieser Stelle besonders auf die Diskussion unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Blended_Learning
[6] Engl. für user created content, auch user generated content, also von den Anwendern selbsttätig erschaffene Inhalte. Dies kann neben Text, auch Audio oder Video sein.
[7] Interessenten können sich mit dem Benutzernamen: ‚testhaksaeng’ und dem Passwort ‚1234’ einige Kurse einsehen.
[8] Will man es ganz perfekt machen, legt man mit subversion (svn) ein Projektarchiv an und hat so die Möglichkeit Moodle automatisiert auf dem neusten Stand zu halten.
[9] Hierzu: http://www.weiterbildungsblog.de
[10] Wurden vom Autor noch nicht getestet.
[11] http://de.wikipedia.org/wiki/Scorm
[12] http://de.wikipedia.org/wiki/Advanced_Distributed_Learning_Initiative
[13] http://www.elan-niedersachsen.de/index.php?id=705
[14] http://www.dw-world.de/
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